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schwerer Schlaganfall im Stammhirn

Kategorie: Neurologie » Expertenrat Schlaganfall | Expertenfrage

19.02.2005 | 08:43 Uhr

Meine bis dahin sehr selbststädige 85 jährige Mutter erlitt am 7.2.05 morgens einen schweren Schlaganfall im Stammhirn. Alle übrigen Hirnpatieen sind nicht betroffen.Im Krankenhaus gilt die Kranklheit als besiegt (sie wird an diesem Schlaganfall nicht mehr sterben); allerdings ist sie nun ein schwerer Pflegefall, da der Schluckreflex nicht funktioniert (Ernährung über einen Schlauch durch die Nase notwendig)und das Wach-Schlaf-Gefühl gestört ist - meiste Zeit ist Sie kaum ansprechbar und dämmert vor sich hin, antwortet allerdings durch Kopfbewegungen.
Folgende Fragen ergeben sich:
Kann man die Wachphasen durch entsprechende Medikamente nachhaltig verstärken, d.h. sie fähig für eine Reha machen?
Kann der Schluckreflex viel besser trainiert werden, wenn die Ernährung auf eine Sonde in der Bauchdecke umgestellt wird?
Wie lange kann man den Schlauch in der Nase belassen?
Ergeben sich andere rechtliche Konsequenzen bezüglich lebensverlängernder Maßnahmen bei einer Sonde durch die Bauchdecke? (Mehrere Pflegedienste raten uns davon ab, u.a. weil sie dann unbedingt bis zum Ende ernährt werden muß, um sich nicht strafbar zu machen).

Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen H

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21.02.2005, 10:45 Uhr
Antwort

Sehr geehrter Jürgen,
große Schlaganfälle im Hirnstamm sind gefährlich. Wie bei Ihrer Mutter sind das Schlucken und das Sprechen häufig betroffen.
Folgende Schritte wären wichtig:
- Es sollte schon jetzt eine logopädische Behandlung und ein Training der Schluckfunktion beginnen;
- Wir und viele Kollegen führen sehr früh eine Ernährung über eine Magensonde durch die Bauchhaut durch, weil man dann das Schlucken besser trainieren kann und weil der Schlauch, der durch die Nase eingeführt wird, für den Patienten oft sehr unangenehm ist. Einen Schlauch in der Nase wird man regelmäßig wechseln, man kann ihn im Prinzip sehr lange belassen. Hinsichtlich lebensverlängender Maßnahmen besteht ja kein Unterschied zwischen einer Bauchsonde und einer Nasensonde.
- Medikamente zur Verbesserung des Schlaf-Wach-Ryhthmus gibt es nicht. Wichtig ist, dass Ihre Mutter so viel wie möglich mobilisiert wird. Ich würde auf jeden Fall zu einer Rehabilitationsbehandlung raten, es gibt sehr gute geriatrische und neurologische Rehabilitationseinrichtungen, die auch in dem Alter Patienten dazu verhelfen, zumindest einen Teil ihrer Selbständigkeit wieder zu erreichen.
Mein Rat wäre also, den Ärzten über die Anlage einer Magensonde durch die Bauchwand zu sprechen. Eine in irgendeiner Form künstliche Ernährung ist jetzt notwendig. Wenn sich das Schlucken bessern sollte, wird natürlich der Schlauch gezogen. Das ist bei einer großen Anzahl der Patienten möglich.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Peter Frommelt
Asklepios Klinik Schaufling

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