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Vergesslichkeit nach Schlaganfalll

Kategorie: Neurologie » Expertenrat Schlaganfall | Expertenfrage

16.05.2006 | 11:09 Uhr

Hallo Herr Dr. Frommer,

meine Mutter, 72 Jahre, hatte vor eineinhalb Jahren einen Schlaganfall. Sie hatte sehr viel Glück und es blieben „nur“ eine leichte Sehstörung, Gefühlsstörung im linken Arm zurück. Allerdings litt auch ihr Kurzzeitgedächtnis durch den Schlaganfall. Sie ist sehr vergesslich geworden.
Nun hatte sie vor vier Wochen wieder einen leichten Schlaganfall, der sich durch eine lallende Sprache, runter gezogener Mundwinkel, ganz schlimme Atemnot und keine Kontrolle über ihren linken Arm bemerkbar machte. Die ganzen Symptome waren schnell wieder rückläufig und nun ist sie in einer Reha. Was mir allerdings auffällt, ist das sie noch vergesslicher geworden ist. Das fing im Krankenhaus schon an, indem sie ihre Nachthemden nicht mehr fand und behauptete sie wären gestohlen worden und setzt sich nun in der Reha fort. Sie hat bis abends um 17 Uhr vergessen was es zum Mittag zum essen gab, vergisst Behandlungstermine, hat die Eingangsuntersuchung vergessen und behauptet es hätte keine Stattgefunden, obwohl sie mir am Tag der Untersuchung davon erzählt hatte. Ich mache mir nun Sorgen wenn sie wieder nach hause kommt, da sie alleine lebt. Sie möchte nicht dass ich sie zum Arzt begleite, da sie ja kein kleines Kind wäre. Geht sie alleine, vergisst sie allerdings wieder alles gesprochene und vergisst auch nachzufragen, wenn sie was wissen will. Sie verbringt den ganzen Tag zu hause vor dem Fernseher, was in ihrer Situation bestimmt auch nicht von Vorteil ist, da sie keinerlei Bewegung hat und schon bei kleinster Anstrengung sehr kurzatmig ist. Besteht die Möglichkeit dass ihr Gedächtnis wieder etwas besser wird, was kann sie dafür tun und welche Möglichkeiten habe ich als Tochter, mit ihrem behandelten Arzt zu sprechen. Leiderist mein Beitrag nun sehr lange geworden, obwohl ich versucht habe, mich kurz zu fassen. Besten Dank im Voraus für ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Heidi

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19.05.2006, 10:53 Uhr
Antwort

Grüß Gott Heidi,
Ihre Sorge ist sehr verständlich, zumal Ihre Mutter erst 72 Jahre alt ist. Leider kommt es nicht selten vor, dass durch einen zweiten Schlaganfall die Gedächtnisleistungen sehr beeinträchtigt werden. Völlig Recht haben Sie auch, dass dann, wenn sie vor dem Fernsehen sitzt, kaum geistige Anregungen und kaum Anregungen für das Gedächtnis möglich sind. Nach meiner Erfahrung ist der wichtigste Schritt, die Menschen mit Gedächtnisstörungen wieder ins Gespräch mit anderen Menschen zu bringen. In einem ganz normalen Gespräch wird unser Gedächtnis gefordert. Wir sprechen über Ereignisse von früher, wir müssen die Mitteilungen des Gesprächspartners so lange behalten, bis wir selber antworten können. Kurzum, mein Vorschlag wäre, sich bei Ihnen vor Ort nach einer Möglichkeit umzuschauen, wo Ihre Mutter sich mit anderen Menschen trifft. Die Symptome bei Ihrer Mutter ähneln stark denjenigen, wie man sie bei einer beginnenden Alzheimer-Demenz findet. Für diese Patienten gibt es in vielen Städten schon Möglichkeiten, wie wöchentliche Treffs oder Tagesstätten. Erkundigen Sie sich doch über die Alzheimer-Gesellschaft, was es dazu in Ihrer Gegend gibt. Zu Hause versuchen Sie, Ihrer Mutter kleine Aufgaben zu geben, sei es nun, dass sie die Strümpfe sortiert, sei es, dass sie Kartoffeln schält, oder was auch immer an Aufgaben für sie möglich sind.
Was die Luftnot angeht, ziehen Sie bitte Ihren Hausarzt heran und lassen Sie prüfen, ob nicht eine Herzschwäche vorhanden ist.
Bei einigen Patienten helfen auch die Medikamente, die man bei der beginnenden Alzheimer-Demenz gibt, die Gedächtnisfunktionen zu verbessern. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Hausarzt.
Vielleicht finden Sie auch einen netten Menschen, der mit Ihrer Mutter regelmäßig kleine Spaziergänge macht. Versuchen Sie dazu auch fremde Menschen einzuspannen, weil es für Sie als Tochter auf die Dauer zu belastend wird, allein für Ihre Mutter zuständig zu sein.

Mit besten Grüßen
Dr. Peter Frommelt

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