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Ständig Kopfschmerzem nach Schlaganfall

Kategorie: Neurologie » Expertenrat Schlaganfall | Expertenfrage

11.10.2005 | 07:38 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. med. P. Frommelt,
ich wende mich an Sie, weil ich bezüglich meines Vaters sehr beunruhigt bin. Dieser hatte vor vier Jahren kurz hintereinander zwei grössere Schlaganfälle. Er war danach beidseitig gelähmt. Heute nach gut vier Jahren ist die Linke Seite fast wieder normal hergestellt. Dank des unermüdlichen Einsatzes meiner Mutter kann er mittlererweile auch wieder normale Nahrung aufnehmen. Nun unsere Frage: Mein Vater klagt ständig über starke Kopfschmerzen (die hat er nun schon seit Jahren). Unser Hausarzt meint, wir bräuchten uns deswegen keine Sorgen machen, da der Blutdruck in Ordnung wäre. Aber es kann doch nicht normal sein, dass die Kopfschmerzen nach Jahren nicht besser werden. Wir haben natürlich Angst, dass ein weiterer Schlaganfall folgen könnte. Haben Sie die Erfahrung gemacht, dass auch andere Patienten nach einem Schlaganfall dauernd Kopfschmerzen haben ? Wie sollen wir uns weiter verhalten ?
Vielen, vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort !!!!!!!!!!!!!!

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12.10.2005, 11:26 Uhr
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Grüß Gott,
zunächst einmal ist es schön zu hören, dass sich Ihr Vater durch das Engagement Ihrer Mutter so gut wieder erholt hat.
Kopfschmerzen nach einem Schlaganfall sind nicht selten, sie sind aber auch nicht immer einfach zu erklären. Zum einen gibt es Kopfschmerzen, die tatsächlich auf messbare Körperprobleme zurückzuführen sind, so auf einen erhöhten Blutdruck. Das ist bei ihm nicht der Fall. Häufig sehen wir auch, dass Patienten nach einem Schlaganfall nervlich sehr erschöpft sind, ihre Lebensenergie ist vermindert und viele dieser Patienten erleben Kopfdruck, Kopfschmerzen, ein Benommenheitsgefühl oder Schwindel. Es scheint, dass dann der Kopfschmerz eher der Ausdruck einer Erschöpfung ist, so dass man auch in der Behandlung eher auf diese nervliche Seite eingeht.
Ganz allgemein wissen wir, dass positive Erlebnisse, sich Freuen können, Lachen können, schmerzlindernde Stoffe im Körper ausschütten. Das ist das, was ich Ihnen als Familie rate: Schauen Sie, dass Ihr Vater schöne und erfreuliche Erlebnisse hat, bei denen sein Körper selber den Schmerz „beiseite schiebt“.
Natürlich sollte man auch eine neurologische Ursache vorher ausschließen, daher würde ich bei lang anhaltenden Kopfschmerzen nach einem Schlaganfall zu einer Kontrolle des CT’s des Kopfes im Allgemeinen raten.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Peter Frommelt
Asklepios Klinik Schaufling

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18.10.2005, 11:46 Uhr
Antwort

Hallo,
ich habe die gleichen Erfahrungen im Bezug auf meinen Ehemann. Er hatte vor 3,5 Jahren 2 schwere Schlaganfälle und hat seither ständige Kopfschmerzen. Es beruhigt mich ein wenig zu hören, dass es Ihrem Vater auch so ergeht, denn auch meine diesbezüglichen Nachfragen an die Ärzte hat mir bisher wenig Hoffnung auf Besserung gebracht. Scheinbar ist da menschlich nichts machbar. Verstanden habe ich, dass das Gehirn ein geschlossener Raum ist und die durch den Schlaganfall hervorgerufene Volumenänderung daher nicht ausgleichen kann. Der Rat von Dr. Frommelt ist gut. Allerdings tritt bei meinem Ehemann gerade nach Lachen und Husten der Schmerz erst recht auf. Von einem erneuten CT hat unser Hausarzt und Neurologe abgeraten, da daraus keine Maßnahmen ableitbar sind, solange man meint. Ich finde diese Situation auch sehr, sehr unbefriedigend und bin ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten.

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19.10.2005, 11:08 Uhr
Antwort

Sehr geehrte Anne,
nur in seltenen Fällen haben die Kopfschmerzen nach einem Schlaganfall eine mechanische Ursache. Daher kann ich gut nachvollziehen, dass Ihr Neurologe nicht zu einer Wiederholung des CT’s rät. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass ein Gehirn, das Freude empfindet, das sich in einer inneren Harmonie befindet, wenig Kopfschmerzsignale aussendet.
Ich weiß, dass sich das leicht sagt und schwer umsetzen lässt. Lebensfreude und Dauerkopfschmerzen schließen sich gegenseitig aus.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Peter Frommelt

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20.10.2005, 06:50 Uhr
Antwort

Lieber Herr Dr. Frommelt,
dass ihr Rat gut ist, war nicht sarkastisch gemeint, sondern ernst. Instinktiv habe ich diesen Rat bereits befolgt, seit mein Mann im Krankenhaus lag. Ich bin so froh, dass er überhaupt noch lebt und wir geniessen seitdem jeden Tag, dazu gehört albern sein und lachen, was wir beide mögen. Außerdem unternehmen wir viel, auch wenn dieses jedesmal eine Herausforderung für mich darstellt, sowohl organisatorisch als auch emotional. Ich habe das Gefühl, dass es meinem Mann dadurch weit aus besser geht, ald die Ärzte erwartet hatten. Unser Hausarzt jedenfalls ist immer wieder erstaunt. Nur wie gesagt, nach dem Lachen sind oftmals Schmerztropfen erforderlich - noch...

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21.10.2005, 09:48 Uhr
Antwort

Sehr geehrte Anne,
über die Antwort habe ich mich sehr gefreut.

Alles Gute
Ihr
Dr. Peter Frommelt

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