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Sekundärprävention nach einer TIA

Kategorie: Neurologie » Expertenrat Schlaganfall | Expertenfrage

19.02.2021 | 15:35 Uhr

Sehr geehrtes Expertenteam,

eine nahe Angehörige erlitt leider vor 14 Tagen eine (im Nachhinein diagnostizierte) TIA und wurde schon kurz darauf auf einer Stroke Unit behandelt. CT- und MRT-Aufnahmen wiesen kurz nach dem Vorfall und wenige Tage danach keine Infarktbildung auf, jedoch waren einzelne ältere lakunäre Defekte zu sehen.

Bei der noch im Krankenhaus erfolgten Ursachensuche konnte bislang außer einem zu hohen und noch nicht ausreichend behandelten Bluthochdruck kein maßgeblicher Grund für die TIA gefunden werden. Die Befunde waren alle altersentsprechend ohne Pathologien, zum Zeitpunkt der TIA lag aber eine hyperintensive Entgleisung vor. Im Rückblick nehmen wir an, dass es wahrscheinlich schon im Vorfeld vereinzelt zu hyperintensiven und von uns bedauerlicherweise nicht erkannten Entgleisungen gekommen sein musste.

Die im Krankenhaus empfohlene vermutlich lebenslange Sekundärprävention besteht seitdem aus ASS 100 mg, einem Cholesterinsenker und dem therapeutischen Ansatz, mittels Blutdrucksenker den Blutdruck dauerhaft deutlich zu senken. Die Lebensführung war bislang ansonsten vorbildlich (kein Nikotin, sehr wenig Alkohol, überwiegend gesunde Ernährung und viel Bewegung). Lediglich getrunken wurde viel zu wenig, was wir aber jetzt natürlich um so mehr im Blick behalten.

Nun habe ich aber gelesen, dass bei der Sekundärprävention neben einer Monotherapie mit ASS in den ersten Tagen vorübergehend auch kombinierte thrombozytenaggregationshemmende Medikamente zum Einsatz kommen können, z.B. 'ASS und Dipyridamo'l oder 'ASS und Clopidrogel'. Ich bin darüber hinaus beim Lesen auf die Anmerkung gestoßen, dass der Schutz vor einem Rezidiv mittels einer der genannten Kombinationen in Anbetracht von Studienergebnissen noch viel ausgeprägter sein könnte und dass dieses nach Möglichkeit so auch in den Leitlinien Einzug halten sollte...

Muss ich mich nun sorgen, dass die Sekundärprävention ohne die beschriebenen Kombinationen (in den ersten Tagen) möglicherweise nicht ausreichend (gewesen) ist?

Über eine kurze Rückmeldung würde ich mich sehr freuen und ich wäre Ihnen hierfür überaus dankbar, um die Situation für mich als medizinische Laiin besser einschätzen zu können.
Ich habe seit dem Vorfall sehr große Angst um meine Angehörige und frage mich immer wieder, ob alle sekundären Präventionsmöglichkeiten wirklich ausreichend ausgeschöpft werden...

Bitte entschuldigen Sie die Länge dieser Anfrage.

Mit freundlichen Grüßen

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Bisherige Antworten
Lifeline Gesundheitsteam
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21.02.2021, 22:30 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

die derzeitige meistens durchgeführte Sekunderprävention in Deutschland besteht tatsächlich aus 100 mg ASS. Grund hierfür ist, dass die Überlegenheit durch die Kombination zwar gegeben ist, allerdings nur leicht. Gleichzeitig bringt sie aber mehr Nebenwirkungen mit sich, vor allem Magen und Darm betreffend. Deshalb findet hier ein Abwägen statt, aufgrund dessen meistens ASS alleine eingeesetzt wird.
Da das Risiko für einen erneuten Anfall vor allem in den ersten Tagen am höchsten ist, scheint Ihre Angehörige schon gut über den Berg. Die genannte Behandlung insgesamt scheint aus unserer Sicht sehr sinnvoll, vor allem die beiden weiteren Anteile bringen auch eine Risikoreduktion mit sich, deswegen sollte das so ausreichen.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen damit weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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02.03.2021, 14:42 Uhr
Kommentar

Sehr geehrtes Expertenteam,

vielen Dank für Ihre Antwort, welche schon sehr weitergeholfen hat.

In der Zwischenzeit hat sich noch eine Frage zu der Situation ergeben. Ich würde mich sehr freuen und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie evtl. auch hierzu kurz entgegnen könnten.

Der Bluthochdruck wird aktuell medikamentös eingestellt. Eine 24-Std.-Blutdruckmessung hat ergeben, dass zwar bzgl. des systolischen Werts glücklicherweise ein Mittelwert von nur ca. 135 mmHg erreicht wird. Jedoch im 24.-Std.-Verlauf weiterhin einzelne Spitzen von bis zu 220 mmHg des systolischen Werts bestehen. Der Bluthochdruck reguliert sich dann jedoch immer wieder runter (oder wird vom Körper herunterreguliert) und liegt dann phasenweise sogar unter 120 mmHg.

Hier hieß es nun, dass die derzeitige Medikamention trotzdem erst einmal beibehalten werden sollte, da der Mittelwert ansonsten ausreichend sei und die Entfaltung der Wirkung der Medikamente auch einige Woche betrage.

Da aber die TIA bei einem Wert von über 200 mmHg aufgetreten war, sorge ich mich nun leider weiter. :-(

Wie schätzen Sie den (auf mich extrem wirkenden) Zickzack-Verlauf des Blutdrucks ein?

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

Lifeline Gesundheitsteam
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03.03.2021, 13:48 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

Ihre Sorgen können wir gut verstehen, trotzdem ist es ein zweischneidiges Schwert, die Dosis jetzt sofort zu erhöhen. Erst einmal abwarten, wie sich der Blutdruck entwickelt, ist schon gerechtfertigt. Gleicnzeitig liegt ja auch jetzt schon eine Prävention mit ASS vor.
Der Verlauf sollte sich sicher mit der Zeit stabilisieren und die Schwankungen sollten sich deutlich bessern. Trotzdem kann das nicht zu schnell geschehen, da erst die Wirkung der derzeitigen Medikation abgewartet werden sollte.
Bleiben Sie dran und überprüfen Sie alle paar Wochen erneut, ob die Medikation ausreicht. So kommen Sie sicher auch zu guten Werten. Sie können sich im weiteren Verlauf jederzeit gerne wieder an uns wenden.

Bis dahin alles Gute - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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