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Müde, aber trotzdem schlaflos nach Schlaganfall

Kategorie: Neurologie » Expertenrat Schlaganfall | Expertenfrage

30.09.2005 | 11:47 Uhr

Sehr geehrter Hherr Dr. Frommelt,

meine Mutter (59) hatte Ende Mai einen kleinen Schlaganfall. Körperlich schien Sie nach dem einwöchigen Stroke Unit-Aufenthalt okay. Für uns Angehörigen sind folgende Folgen sichtbar. Leichte Sprachstörung mit leicht gelähmtem Mundwinkel, Motivations- und Antriebslosigkeit, Gefühllosigkeit bzw. Depressivität (Lachen, Freuen kaum, aber dafür viel Weinen). Langsameres Bewegen. Doch das schlimmste ist, dass Sie permanent müde ist, aber sich beim Hinlegen kein Schlaf einstellt. 5 Wochen nach dem Schlaganfall wurde Ihr eine 4- Wöchige Kur genehmigt, die ihr leider nur insofern geholfen hat, das eine Kombination an Schlafmitteln(Chemie und Natur) gefunden wurde, die ihr zu 4-5 h Schlaf verhalf. Seit einer Woche ist sie wieder daheim und die Wirkung der Schlaftabletten läßt wohl schon nach. Es waren nur noch 2-3h Schlaf die Nacht. Und ihr seelischer und körperlicher Zustand verschlechtert sich mit jeder Stunde weniger Schlaf. Nach Rücksprache mit dem Hausarzt wurde Ihr ein anderes Präparat verschrieben, aber leider hat sich die Schlafdauer nicht mehr erhöht.

So wie wir das verstanden haben, wurde uns gesagt, dass die Schlaflosigkeit als eine Folge des Schlaganfalls nicht therapierbar ist. Der Schlaf stellt sich evtl. irgendwann von alleine wieder ein bzw. es würde etl. besser werden.

Natürlich möchten wir das nicht glauben und sind auf der Suche nach Hilfe. Irgendwann wirken die Schlaftabletten nicht mehr und von der Abhängigkeit ganz zu schweigen.
Haben auch das Gefühl das man richtig drum kämpfen muss bevor einem geholfen wird.

Wäre ein Schlaflabor eine Option für meine Mutter?

Haben Sie einen Rat, Hinweis oder Information für uns.

Mit freundlichem Gruß

Steffi

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30.09.2005, 04:16 Uhr
Antwort

Sehr geehrte Steffi,
so, wie Sie den Zustand Ihrer Mutter schildern, sieht man ihn leider häufig. Die Betroffenen geraten in einen Zustand von Erschöpfung, Traurigkeit und Verlust von Lebensenergie. Die Schlafstörungen und die niedergeschlagene Stimmungslage sind nicht voneinander zu trennen.
Bausteine, dem Organismus wieder Energie zuzuführen, sind sicher Medikamente, hier in erster Linie Antidepressiva. Es gibt einige Medikamente, die man abends geben kann und die gleichzeitig den Schlaf fördern. Im übrigen aber ist es ganz wichtig, über die Gestaltung des Tages nachzudenken. Auch der Nachtschlaf stellt sich am ehesten dann ein, wenn wir körperlich erschöpft sind. Anders ausgesprochen: Körperliche Betätigung fördert das Neuregulieren eines Schlaf-Wach-Rhythmus. Man sollte vermeiden, mittags zu lange Pausen zu machen.
Ich bin nicht sicher, ob ein Schlaflabor in dieser Situation sehr viel bringt.
Ganz wichtig ist es, Wege zu finden, ihr wieder Lebensfreude zu vermitteln. Wie das gelingt, hängt ganz stark von der Lebensgeschichte ab. Daher kann ich hier keine allgemeinen Empfehlungen geben. Wer nicht lachen kann, kann auch nicht gut schlafen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Peter Frommelt
Asklepios Klinik Schaufling

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14.10.2005, 12:52 Uhr
Antwort

Sehr geehrter Herr Dr. Frommelt,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Antidepressiva wurden in der Kur auch verabreicht, zusammen mit Schlaftabletten. Das zusammen hatte extreme Nebenwirkungen, wie Magenreizen, schlecht werden bis zum übergeben und völlig benebeltes Gefühl den ganzen Tag. Das Medikament wurde auf Wunsch meiner Mutter nach 2 Tagen wieder abgesetzt.

Viel Bewegung ist bei uns auch angesagt z.b: Spazieren gehen, Nordic Walking usw.
Leider ist es sehr schwierig jemanden dazu zu motivieren wenn er vor Müdigkeit fast umfällt. Mittlerweile sind es nur noch 1-2h Schlaf trotz Schlaftabletten.

Völlig entnervt war Sie dann heute beim Neurologen und hat Antidepressiva verschrieben bekommen unter weglassen der Schlafmittel.

Jetzt meine Frage: Was ist an dem Antidepressiva so anders, dass darüber (nach einiger Zeit) auch der Schlaf gefördert wird und die Schlaftabletten dagegen überhaupt nicht wirken?

Mit freundlichem Gruß
Steffi

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14.10.2005, 14:29 Uhr
Antwort

Nachtrag:
Der Wirkstoff des Schlafmittels ist Amitriptylin.

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17.10.2005, 09:54 Uhr
Antwort

Sehr geehrte Steffi,
die Antidepressive hat sie nicht vertragen, die Schlafmittel haben nicht gewirkt. Offen gesagt, weiß ich auch nicht weiter. Manchmal muss man einfach ertragen, dass wir auch mit Chemie nicht alle Dinge, die durch einen Schlaganfall durcheinandergeraten sind, wieder richten können. Daher bleibt es bei meinem Rat, zunächst einmal tagsüber mit viel Bewegung zu versuchen, eine Müdigkeit herzustellen. Es hat keinen Zweck, wenn Ihre Mutter tagsüber schläft, dann kann sie abends nicht hinreichend müde sein.
Ich weiß, dass klingt etwas sehr vom gründen Tisch, aber das wäre das Prinzip der Behandlung. Was die Medikamente angeht, so wirken Schlafmittel kurzfristig, sie sind daher geeignet, für ein paar Tage das Einschlafen und Durchschlafen zu erleichtern. Bei den Antidepressiva setzt die Wirkung nicht sofort ein, sie helfen gleichzeitig, die Ursachen von Schlaflosigkeit, nämlich Angst und innere Unruhe, zu beseitigen. Sie haben jedoch Nebenwirkungen, wie Mundtrockenheit etc.
Wie wäre es denn, wenn Sie einfach mal mit sehr altmodischen Sachen, wie ein Glas warmer Milch mit Honig oder entspannender Musik, versuchen, Ihrer Mutter das Einschlafen zu erleichtern. Und wenn sie dann wach wird, dann soll sie halt ruhig aufstehen.
Ich bin kein Spezialist für Schlafstörungen, ein Schlafspezialist würde vielleicht andere Erfahrungen weitergeben.
Meiner Erfahrung nach muss man manchmal einfach nach Versuch und Irrtum arbeiten.

Mit besten Grüßen
Dr. P. Frommelt

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