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Tollwutübertragung

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

11.10.2019 | 09:17 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Leidel,

wir sind gerade auf Reisen in Georgien, und einige MItreisende, die sich gegen Tollwut haben impfen lassen, haben mich verunsichert. Ich selbst hatte vor der Reise gelesen, dass die Tollwut in Georgien in den letzten Jahren nahezu kein Problem mehr  darstellt. Nun sind es vor allem zwei Fragen, die ich Ihnen gerne stellen möchte:

1. Ein Hund, der zwar ein Halsband trug, aber frei herumlief in der Stadt, hat sich vor meinem sitzenden 6jährigen Sohn aufgerichtet und die Vorderpfoten auf die nackten Beine meines Sohnes gesetzt. Zugleich hat er an den Beinen meines Sohnes geschnüffelt. Besteht hier eine Gefahr?

2. Wir sind noch eine gute Woche in Georgien, und ich hatte überlegt, meinen Sohn impfen zu lassen. Ist es sinnvoll, hier in Georgien schon mit einer Vorsorgeimpfung zu beginnen? Auf der Seite des Tropeninstituts las ich, sie wirke erst nach ca. 2 Wochen, aber vielleicht wirkt sie ja doch schon etwas früher.? Oder sollte, um jedes Risiko auszuschließen, mein Sohn vielleicht sogar eine Postexpositionsprophylaxe erhalten?

Über eine Antwort freue ich mich und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Georgia T.

 

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Experte-Leidel
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11.10.2019, 15:23 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Georgia T.,

Tollwut wird auf folgende Weise übertragen:

1. Bissverletzungen oder Kratzwunden durch ein tollwütiges oder tollwutverdächtiges Tier, direkter Kontakt von Schleimhäuten oder Wunden mit Speichel eines solchen Tieres (z. B. durch Lecken), Verdacht auf Biss oder Kratzer durch eine Fledermaus oder direkter Kontakt der Schleimhäute mit einer Fledermaus.

Nach solchen Kontakten sollte eine rasche postexpositionelle Impfung (PEP) erfolgen..

2. Bei nicht blutenden, oberflächlichen Kratzern oder Hautabschürfungen, Lecken oder Knabbern an der nicht intakten Haut durch ein solches Tier ist das Risiko zwar deutlich geringer, dennoch sollte man auch in einem solchen Fall medizinische Hilfe in Anspruch nehmen (Postexpositionsprophylaxe ohne Immunglobulin) .

Ich denke nicht, dass man die Begenung Ihres Sohnes mit dem Hund, der sich ja wohl nicht auffällig verhielt, einer dieser beiden Übertragungsmöglichkeiten zuordnen kann. 

Das TW-Risiko in Georgien ist tatsächlich seit einigen Jahren niedrig, wenngleich nicht Null.

Falls Sie sich tatsächlich Sorgen um Ihren Sohn machen, würde ich versuchen, mehr über den Hund und seinen Halter zu erfahren. Wenn er weiter gesund bleibt, spricht das zusätzlich sehr gegen eine Infektionsmöglichkeit. Ihre Überlegung, jetzt mit einer vorbeugenden Impfung zu beginnen, halte ich nicht für wirklich klug. Entweder fürchten Sie doch eine Infektion, dann kommen sie nicht um eine PEP (ohne Immunglobulin) herum. Oder Sie wollen ihn für die Zukunft schützen, dann würde ich das in Ruhe zu Hause angehen und ihm jetzt nicht zusätzlichen Stress machen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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13.10.2019, 16:23 Uhr
Kommentar

Sehr geehrter Herr Dr. Leidel,

herzlichen Dank für Ihre ausführliche Reaktion!

Mit besten Grüßen von

Georgia T.

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