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Tollwutrisiko

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

26.03.2019 | 12:06 Uhr

Guten Tag,

Vor ca. zwei Wochen ereignete sich ein Vorfall den ich nicht vergessen kann. Ein Tropfen fiel vom Himmel auf meine Oberlippe und ich konnte mir nicht direkt den Mund waschen. Habe es etwas mit einem Taschentuch weg gewischt. Meine Sorge war, dass es sich dabei um Speichel einer Fledermaus gehandelt hat und ich mich mit Tollwut infiziert haben könnte.

Seitdem habe ich Angst Sachen zu berühren. Mich über meinen Handy oder meinen Geldbeutel zu infizieren. Ich war danach beim Hausarzt und er meinte er würde es ausschließen.

Vom vielen Hände waschen sind meine Hände teilweise offen. Könnten jetzt immernoch Viren eindringen? Ich wurde vor drei Jahren gegen Tollwut geimpft.

Über eine Antwort würde ich mich freuen.

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26.03.2019, 12:42 Uhr
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Ich wollte noch hinzufügen, dass ich in Stuttgart lebe. Ich traue mich nicht zu googlen wo und in welchem Ausmaß hier Fledermaustollwut vorkommt.

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26.03.2019, 16:41 Uhr
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Ich mache mir Sorgen Herr Dr. Leidel. Ich war zwar beim Arzt aber der verwies nur auf eine Psychotherapie. Kann etwas passieren, wenn man profilaktisch die PEP macht? 

Wie schätzen Sie die Situation ein?

Experte-Leidel
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26.03.2019, 18:12 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Abend Nicola 1402,

ich beantworte Ihre drei Fragen zusammen.

Gelegentlich werde ich nach der Ursache von Tropfen gefragt, die bei heiterem Himmel plötzlich auf jemanden fallen. Meist leiden Menschen, die diese Frage stellen an einer Angst vor Tollwut.

Ich weiß nicht, ob es diese Tropfen wirklich gibt und was das sein könnte. Aber Fledermausspeichel halte ich für ganz außerordentlich unwahrscheinlich. Fledermäuse sind nachtaktiv und schlafen tagsüber in der Regel. Sie fliegen normalerweise nicht hoch. Und sie speien nicht Speicheltropfen in die Gegend.

In Stuttgart ist, wie in ganz Süddeutschland, Fledermaustollwut sehr selten. Der Schwerpunkt liegt in der Norddeutschen Tiefebene.

Theoretisch könnte Speichel einer tollwutkranken Fledermaus auf der Lippenschleimhaut (vor allem die feuchte Innenseite, nicht die "normale" Haut der Oberlippe über der roten Schleimhaut) ein Risiko darstellen.

Aber die Tatsache, dass Sie sich jetzt nicht mehr trauen, irgendetwas anzufassen, ist nur ein Hinweis auf eine entsprechende Angststörung. Und der Rat Ihres Arztes, dagegen eine entsprechende Therapie zu suchen, scheint mir vernünftig.

Nein, eine unnötige PEP ist nicht gefährlich aber unnötig. Und natürlich können Impfungen - wenn auch sehr selten - Nebenwirkungen haben.

Ich halte den Rat Ihres Arztes für sinnvoll, vielleicht kann er Ihnen jahelfen, einen entsprechenden Therapieplatz  zu finden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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26.03.2019, 18:25 Uhr
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Danke für Ihre Antwort. Der Tropfen landete auf der Oberlippe fast am Lippenherz. Danach habe mit einem Taschentuch vorsichtig darüber gewischt um es zu entfernen. Ich kann dann also nicht den Virus anschließend auf meinen Geldbeutel oder meinen Schlüssel übertragen? Auch jetzt habe ich noch Sorge, dass Viren auf meinem Handy sind.

Ich habe in letzter Zeit auch viel über Tollwutangst gelesen. Sie haben auch in einigen Beiträgen erwähnt, dass seit 50 Jahren keine Infizierung über eine Fledermaus in Deutschland mehr vorgefallen ist. Ich muss auch erwähnen, dass die Angst vor einiger Infizierung schon vor dem Vorfall mit dem Tropfen bestand. 

Warum haben so viele Menschen (mitunter ich) Angst vor einer Infizierung wenn das eigentlich so außerordentlich unwahrscheinlich ist?

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27.03.2019, 09:38 Uhr
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Nur noch mal, weil es mir aktuell schlecht geht und ich nicht weiß wie ich weiter machen soll.

Nach dem Vorfall mit dem Tropfen... Falls der infiziert war. Ist es danach möglich den Virus über anfassen meines handys, oder meines geldbeutels, den ich nach dem wegwischen in die Hand genommen habe, den Virus an zum Beispiel eine offene Stelle auf der Hand zu bekommen? Jetzt auch noch zwei Wochen später?

Ich kann im Moment kaum was berühren, weil ich einfach so unsicher bin deswegen.

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27.03.2019, 13:56 Uhr
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Es tut mir wirklich leid, wenn ich sie nerve. Aber für eine Antwort und Einschätzung von Ihnen wäre ich sehr dankbar. Ich finde Sie gehen großartig auf die Fragen hier im Forum ein. Und ich hoffe, dass ich das Thema bald abhacken kann. 

Den Rat meines Arztes mit der Psychotherapie befolge ich. Aber der Termin ist erst am Freitag. Ich würde gerne wissen wie ich mich verhalten soll.

Impfen? Nicht impfen? Risiko?

Danke im Voraus und herzlichste Grüße

Experte-Leidel
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27.03.2019, 14:40 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Nicola1402,

und wieder beantworte ich jetzt die drei neuen Fragen zusammen.

Nein, Sie brauchen keine Angst zu haben, wenn Sie Ihr Handy oder Ihren Geldbeutel oder Schlüsselbund anfassen.

Ängste brauchen irgendein Thema. Und da bietet sich diese Krankheit wegen ihrer Tödlichkeit geradezu an. Die Wörter "Toll" und "Wut" tragen dazu bei. Würde man nur die lateinische Bezeichnung "Rabies" verwenden, wäre es wahrscheinlich schon besser. Bei der Fledermaus-TW kommen natürlich noch die Geschichten von Graf Dracula und anderen Vampiren dazu.

Die zweite Frage habe ich ja im Grunde schon beantwortet: Nein, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.

Sie sollten sich immer wieder klar machen, dass kein Risiko besteht und dass eine PEP-Impfung nicht notwendig ist.

Ich wünsche Ihnen bei Ihrer Therapie viel Erfolg und bitte Sie um Verständnis dafür, dass ich weitere Fragen nicht mehr beantworten möchte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

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27.03.2019, 14:46 Uhr
Kommentar

Das verstehe ich natürlich! Das Nachfragen ist wohl auch ein Symptom einer Angsterkrankung. Für den Moment ist sie beruhigend. Das hält dann aber meist wohl nicht lange. Damit will ich sagen: ich unterlasse weitere Fragen.Vielen Dank für ihre Mühe und Hilfe! Alles Gute

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02.04.2019, 15:55 Uhr
Antwort

Guten Tag Herr Leidel,

da mich meine Angst irgendwie nicht komplett los lässt habe ich mich dazu entschlossen mich zumindest ordnungsgemäß gegen Tollwut impfen zu lassen. Bezüglich dessen hätte ich eine Frage:

Ich habe anfang des Jahres 2015, aufgrund einer Reise, drei Impfungen gegen Tollwut bekommen. Mein Arzt meinte hier besteht jetzt noch ein ausreichender Schutz. Ich habe aber Anderes gelesen, wollte dem Arzt jedoch nicht widersprechen. Die Auffrischungsimpfung nach einem Jahr, von der ich gelesen habe, habe ich nämlich nie bekommen.

Was wäre die richtige Impfweiße?

Vielen Dank schon mal im Voraus und freundliche Grüße

Experte-Leidel
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02.04.2019, 16:33 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Nicola 1402,

es ist richtig, dass ein bis zwei jahre nach der Grundimmunisierung in 2015 eine Auffrischung hätte erfolgen sollen. Die kann aber noch nachgeholt werden. Beim weiteren Vorgehen scheiden sich die Geister ein wenig: Die Impfstoffhersteller empfehlen Auffrischungen alle 2 bis 5 Jahre, je nach Risiko. Die WHO hält dies nicht für erforderlich. Im Fall einer tatsächlichen (oder vermuteten) Risikosituation wird aber empfohlen, sich noch zwei Impfungen an den Tagen 0 und 3 geben zu lassen.

Also: Ich würde die Auffrischung nacholen lassen. Wenn Sie dann tatsächlich z. B. auf einer Reise einen Risikokontakt haben, sollten noch zwei Impfungen erfolgen. Wenn nur die Angst Sie quält, würde ich in größeren Abständen (mindestens 5 Jahre) auffrischen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

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02.04.2019, 17:53 Uhr
Antwort

Danke für Ihre schnelle Antwort. Dann werde ich mich die Tage versuchen impfen zu lassen. Der Impfstoff muss sicherlich erst in die Praxis bestellt werden.

Freundliche Grüße

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