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Tollwut - Urin, Gegenstände und Spritzwasser

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

25.09.2015 | 09:52 Uhr

Sehr geehrter Dr. Leidel,

ich weiß nicht viel von Tollwut außer dass es eine tödliche Krankheit ist, die Viren im Speichel und Urin nachweisbar sind, und dass neben einem Biss die Krankheit auch über Schleimhaut übertragen werden kann.

wir sind neulich umgezogen in ein Haus mit Garten, an der Grenze zu Oststaaten, wo tollwut noch vorkommt. seit ein paar Nächten haben wir marderkot und -Urin auf der Terrasse entdeckt. Ich habe den ganzen Dreck so weit es geht beseitigt, frage mich aber ob ich nicht Partikel davon doch am Fuß oder an Kleidung in das Haus reintrugen. 

Können diese Spuren eine Erkrankung verursachen, wenn diese in die Schleimhaut gelangen?

inwiefern ist der Urin ansteckend?

Ich habe mich nach dem Putzen sofort die Hände gewaschen, aber wie es so ist, gab es vom waschen Wasserspritzer auf dem Becken, meine 1,5 jährige Tochter fasste an Becken und hat sich anschließend sofort die Augen gerieben. Kann eine Ansteckunh damit stattfinden?

wie lange überleben die Tollwutviren auf Gegenständen (Kleidung, Boden), Wasser und Urinspuren auf Terrasse? Ich weiß gar nicht mehr ob und wann ich meine Tochter überhaupt an die Terrasse wieder lassen kann, da sie sich oft Augen reibt, oder kleine Kratzer an Händen hat. Zudem habe ich bei einer anderen Online-Beratung eine Antwort von einem Arzt gelesen, dass die Viren ausserhalb des Wirtes Tage bis eine Woche überleben können. Andere meinen wiederum diese sterben in der Trockenheit sofort, aber im Wasser nicht (Spritzwasser?), dann wiederum dass die Viren grundsätzlich gleich draußen sterben....Was ist nun richtig?

ich bin richtig besorgt und freue mich auf eine baldige Antwort von Ihnen.

vielen Dank & viele Grüße,

sandra S. 


25.09.2015 10:31 – Beitrag von der Redaktion bearbeitet.

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Experte-Leidel
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25.09.2015, 10:56 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Birdetta,

ich weiß nicht, welches Land Sie genau mit "Oststaaten" bezeichnen. In Tschechien, das an Deutschland grenzt, sind in den beiden letzten Jahren keine Tollwutfälle bei Wildtieren aufgetreten und in Polen gab es im Jahr 2014 16 und 2015 bislang 11 Fälle von Tollwut bei Wildtieren, die jedoch ausschließlich in den östlichen Landesteilen Polens auftraten. In der Nähe zur deutschen Grenze gab es keine Fälle.

Es ist zwar richtig, dass Tollwutviren nicht nur im Speichel, sondern auch im Urin und in der Milch nachgewiesen werden können. Übertragungen erfolgen jedoch nur durch den Speichel. Am häufigsten erfolgt die Ansteckung durch Bisse, allerdings kann ein direkter intensiver Kontakt  von Speichel mit Schleimhäuten oder Wunden (Belecken) ebenfalls zur Übertragung führen. Indirekte Kontakte, ein Gegenstand kommt mit infektiösem Speichel in Berührung und dann später mit Wunden oder Schleimhäuten, wird im Allgemeinen nicht zu einer infektion führen.

Die Zeit, in der Tollwutviren infektiös bleiben, hängt von den jeweiligen Bedingungen ab: Tageslicht (UV-Strahlen) wirkt wie ein Desinfektionsmittel und beseitigt die Ansteckungsfähigkeit rasch. Auch höhere Temperaturen "überlebt" das Virus nicht lange (bei 50 Grad nur wenige Minuten), an Gras angetrocknet bleibt das Virus weniger als ein Tag infektiös und bei Temperaturen von um die 23 Grad und Dunkelheit kann es mehrere Tage ansteckend bleiben.

Fazit: Ich halte es für praktisch ausgeschlossen, dass auf dem von Ihnen beschriebenen Weg eine Tollwutübertragung möglich wäre. Dazu kommt, dass dort, wo Sie leben, nach meiner Kenntnis Tollwut nicht vorkommt. Machen Sie sich keine Sorgen, freuen Sie sich an Ihrem Garten und genießen Sie mit Ihrer Familie die Terrasse.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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25.09.2015, 11:28 Uhr
Antwort

Hallo Dr. Leidel,

Vielen Dank für Ihre Antwort.

können aber Marder, Füchse...etc. tollwutkranke fledermäuse, die flugunfähig wurden, fressen und dann selbst zu tollwutträger werden? Fledermaustollwut gibt es doch noch weiterhin?

viele Grüße,

sandra

Experte-Leidel
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25.09.2015, 16:02 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Hallo Birdetta,

Fledermaustollwut gibt es noch, deren Tollwutviren unterscheiden sich jedoch von den Viren der landlebenden Tiere. Menschen können durch den Biss einer infizierten Fledermaus mit Fledermaustollwut infiziert werden. Bei Hunden und Katzen sind sehr hohe Virusmengen erforderlich. Eine Ansteckung eines Hundes oder einer Katze ist m. W. bisher nie beschrieben worden, und nach Auskunft des Friedrich-Löffler-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, kann sich ein Hund nicht durch Fressen einer verendeten tollwütigen Fledermaus anstecken.

Wie es bei Mardern oder Füchsen ist, weiß ich nicht. Tatsächliche Infektionen auf diesem Weg sind bislang nicht beobachtet worden, und Tierxperimente zur Klärung dieser Frage sind mir nicht bekannt.

Fazit: Eine Ansteckung von Mardern, Füchsen usw. durch Fressen einer tollwütigen Fledermaus ist entweder ganz außerordentlich selten oder sogar unmöglich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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