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Tollwut Federmaus

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

12.08.2019 | 12:15 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Leidel,

 ich habe vor drei Wochen eine verletzte Fledermaus berührt, die am Rand einer Landstraße lag und wurde am nächsten Tag von meinem Hausarzt auf Verdacht gegen Tollwut geimpft.

Nun habe ich bereit zwei von drei Impfungen erhalten und durch den Vorfall bin ich etwas für das Thema sensibilisiert...wohl deshalb habe ich eine wohl (hoffentlich unbegründete) Sorge: gestern bin ich erneut an dieser Landstraße Radgefahren (hin und zurück) und bin auf dem Rückweg erneut an einer kleinen Fledermaus vorbeigefahren, die tot mitten auf dem Fahrradweg lag. Sie sah aus als wäre jemand vor kurzem mit dem fahrradrübergefahren, also sie war scheinbar noch nicht lange tot (eigentlich wie unversehrt)  aber an der Seite etwas plattgedrückt. Nun ist meine Sorge, dass ich vielleicht auf dem Hinweg drübergefahren sein könnte und spritzer Blut oder ähnliches vom Reifen z.b. auf meine Füße oder gar ins gesicht gelangt sein könnten ( ich hatte Sandalen an und ein paar kleine kratzer/ offene blasen an den Füßen). 

Falls da gestern etwas passiert wäre, ist mein Impfschutz schon nach zwei Imfungen ausreichend um eine Infektion zu verhindern, oder wäre dies erst nach der dritten Impfung gegeben? Und würde es dann reichen, wenn ich, wie geplant, nächste Woche die dritte Impfung erhalte, oder müsste ich dann wegen dem Vorfall gestern nochmal drei Impfungen bekommen?

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir dazu eine kurze Rückmeldung geben könnten.

Mit freundlichen Grüßen

Jannis

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12.08.2019, 14:35 Uhr
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Ach und ein Nachtrag noch: auf dem Rückweg ist beim Bremsen etwas von Fahrradreifen abgegangen und in mein Auge gelangt. Wenn ich vorher über die tote Fledermaus gefahren bin, könnte so eine Infizierung stattgefunden haben?

Mit freundlichen Grüßen

Jannis

Experte-Leidel
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12.08.2019, 21:22 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Abend Jannis,

zunächst möchte ich wie schon so oft in diesem Forum darauf hinweisen, dass die Infektion eines Menschen mit Fledermaustollwut ein außerordentlich seltenes Ereignis ist. In Deutschland ist so etwas seit über 50 Jahren nicht mehr vorgekommen und in Europa zum letzten Mal 2002 in Schottland.

Dann möchte ich darauf hinweisen, dass sicherheitshalber ein Risiko angenommen werden sollte, wenn es zu einem Kratzer oder Biss durch eine Fledermaus bzw. zu einem unmittelbaren Kontakt von Schleimhäuten mit einer Fledermaus gekommen ist.

Dass Ihr Hausarzt Sie sicherheitshalber geimpft hat, ist völlig ok. Allerdings hätte bei einem tatsächlichen Verdacht eigentlich anders vorgegangen werden müssen. Wenn man von einer tatsächlichen Risikosituation ausging (was ich nicht tue), hätte eigentlich eine sog. postexpositionelle Prophylaxe (PEP) erfolgen sollen: 5 Impfungen an den Tagen 0 - 3 - 7 - 14 und 28. Dabei hätte auf die Impfung an Tag 28 auch verzichtet werden können (sog. "verkürztes Essen-Schema). Mit der ersten Impfung hätte ein Tollwut-Antiserum gegeben werden sollen. Ich denke, Ihr Arzt hat davon Abstand genommen, weil er selbst keine wirkliche Risikosituation gesehen hat, Ihnen aber sicherheitshalber etwas Gutes tun und helfen wollte.

Wenn Sie von einer tollwütigen Fledermaus gebissen worden wären, würden die drei vorbeugenden Impfungen nicht reichen.

Der zweite Kontakt mit einer toten Fledermaus stellt für mich ebenfalls keine Risikosituation dar. Durch Blut wird die Infektion nicht übertragen.

Und der Abrieb vom Fahrradreifen, der in Ihr Auge gelangte, bietet auch keinerlei Grund zur Sorge.

Fazit: Die Tollwutimpfung durch Ihren Hausarzt war durchaus eine vernünftige Maßnahme. Sie schützt Sie für die Zukunft und nimmt Ihnen hoffentlich etwas Ihre Angst. Lassen Sie sich noch die dritte Impfung geben und machen Sie sich keine Sorgen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel 

 

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