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Risiko?

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

25.03.2019 | 13:00 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Leidel,

Guten Tag,

ich hätte gerne Ihren Rat und Einschätzung. 

Am Samstag waren wir mit unserem Sohn (1,5 Jahre alt) und unseren Freunden im Park. Dort streichelte ein Freund meines Mannes einen kleinen Chihuahua Hund, welchen eine Frau spazieren führte. Der kleine Hund war noch sehr jung und spielte herzlich, schleckte auch die Hände unseres Freundes ab. Wir wohnen in unmittelbarer Nähe vom Park, ca. 5 Minuten entfernt und gingen sofort zu uns los. Bis er die Hände waschen konnte, hat er meinen Sohn auf den Arm genommen und seine ganzen Spielsachen angefasst und unseren Einkauf (Lebensmittel) mit meinem Mann in der Küche eingeräumt sprich er hat sehr viele Sachen angefasst, die mein Sohn berührt oder auch in den Mund nimmt, da er ja erst 1,5 Jahre alt ist. Später ist mir eingefallen, dass er sich erst danach die Hände gewaschen hat und jetzt bin ich beunruhigt ob er auf diesem Weg Tollwutviren von dem Hund an meinen Sohn weitergeben konnte, da er meinen Sohn und seine Sachen unmittelbar nachdem der Hund seine Hände abgeschleckt hat angefasst hat. Dazu hat mein Sohn auch sofort seine Spielsachen in die Hand und in den Mund genommen. Ich weiß dass Deutschland tollwutfrei ist aber man hört ja immer von illegalen Importen gerade bei so niedlichen Rassen. Wie sehen Sie das ganze? Besteht hier Gefahr oder kann man diese Gefahr für meinen Sohn ausschließen? 

Wir wohnen in einem Ort, würde man hier mitbekommen wenn der Hund an Tollwut erkrankt?

Wie ist das Vorgehen in Deutschland allgemein wenn man von einem Unbekannten Tier oder Wildtier gebissen wird? Wird da überhaupt noch geimpft? Das würde mich allgemein mal interessieren?

ich hoffe Sie können mich hier beruhigen und eine Gefahr/Risiko für meinen Sohn ausschließen.

ich bedanke mich herzlichst,

Frauke

 

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Bisherige Antworten
Experte-Leidel
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25.03.2019, 15:58 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Frau Stoll,

Deutschland gilt seit 2008 als frei von Tollwut bei landlebenden Tieren. (Sollten Sie nicht in Deutschland wohnen: das gilt auch für Österreich und die Schweiz sowie die meisten Länder Europas.)

Unabhängig davon könnte durch das Streicheln eines Hundes die Tollwut ohnehin nicht weiter verbreitet werden. Die von Ihnen befürchtete indirekte Übertragung gibt es nicht. Also: Selbst wenn der Hund illegal importiert und tatsächlich mit Tollwut infiziert sein sollte, sehe ich keine Übertragungsgefahr. Ich sehe daher auch keine Gefahr für Ihren Sohn. Und natürlich auch nicht für die anderen beteiligten Personen.

Wenn irgendwo und irgendwann in Deutschland ein Tier wider alle Erwartung an Tollwut erkranken und dann ja auch sterben sollte, würde dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bekannt werden.

Allgemein wird bei einem begründeten Verdacht durchaus weiterhin eine "postexpositionelle" Impfung durchgeführt. In Ihrem Fall sehe ich hierzu keinen Grund.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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25.03.2019, 16:40 Uhr
Antwort

Guten Tag nochmal Herr Dr. Leidel,

das beruhigt mich ohnehin, Danke :)

ich habe noch einen Nachtrag, hatten Sie entnommen dass der Hund die Hand des Freundes mehrmals abgeschleckt bzw. abgeleckt hatte? Es war also nicht nur ein streicheln.

also kann hier eine Übertragung auf meinen Sohn ausgeschlossen werden? 

Experte-Leidel
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25.03.2019, 21:09 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Abend Frau Stoll,

Wäre der keine Chihuhuawa tollwutkrank (und damit todgeweiht) gewesen (wofür nichts spricht) und wäre das ganze z. B. in Indien geschehen, wo es noch viel Tollwut gibt (was nicht der Fall war) und hätte der tollwutkranke Hund z. B. über die Augen Ihres Sohnes geleckt (was nicht geschehen ist), hätte eine nachträgliche Schutzimpfung (PEP) sicher erfolgen sollen.

All das spielte in Ihrem Fall keine Rolle. Ein indirekter Kontakt (Hund beleckt die Hand des Freundes, mit den Händen werden Spielsachen, Lebensmittel usw. angefasst, die auch Ihr Sohn dann angefasst und in den Mund steckt) führt normalerweise nicht zu einer Übertragung.

Ich habe Ihnen meine Einschätzung gegeben. Aber natürlich bin ich nicht Dr. Allwissend und natürlich war ich nicht dabei. Wenn Sie Grund zu der Annahme haben, dass der Hund illegal importiert worden ist, dies auch nicht weiter klären können und auch nicht erfahren können, ob der Hund in den nächsten 3 bis 5 Tagen verstirbt, und wenn Sie sich Sorgen machen, sollten Sie noch eine weitere Meinung (z. B. Kinderarzt oder -ärztin) einholen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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26.03.2019, 07:16 Uhr
Antwort

 

Guten Morgen Herr Dr. Leidel,

wieso soll ich eine 2. Meinung holen, Sie sagen ja es besteht kein Risiko für meinen Sohn?! Oder sehen Sie wohl hier ein kleines Risiko? Sie sagen ja selbst eine indirekt Übertragung gibt es nicht. Kann ich den Vorfall jetzt einfach zu den Akten legen?

ich habe gerade eben gelesen, dass sogar bei lecken von intakter haut nicht geimpft wird. Schließt das rki hier mit ein dass man sich nicht immer unmittelbar die hände waschen kann und ggf. sich direkt danach die Augen vielleicht reibt oder auch die Hände in den Mund nimmt?

Wenn ich diese Frau wiedersehe und er in 5 Tagen noch lebt hat er definitiv keine Tollwut?

mit freundlichen Grüßen 

Experte-Leidel
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26.03.2019, 17:40 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

Sie wissen, dass ich von Anfang an kein Risko für den Freund, für Ihr Kind oder für Sie selbst gesehen habe. Aber ich sitze weit weg am Schreibtisch, habe den Vorgang selbst nicht miterlebt und glaubte, in Ihren Rückfragen eine gewisse Unsicherheit zu erkennen.

Ich kann ihnen nur meine Einschätzung nach bestem Wissen und Gewissen mitteilen. Aber - ich wiederhole mich - ich bin nicht Dr. Allwissend, der genaue Angaben über den Chihuhuawa-Welpen machen könnte. Und ich bin auch nicht der "liebe Gott".

Aber ich halte es für meine Pflicht, Sie angesichts der von mir wahrgenommenen Zweifel auf die Möglichkeit einer Zweitmeinung hinzuweisen. Zwei Köpfe sind manchmal klüger als einer.

Dass eine indirekte Übertragung nicht zu einer Infektion führt, hatte ich gesagt. Und ja, wenn der Hund in fünf Tagen noch gesund ist und lebt, hat er keine Tollwut.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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27.03.2019, 08:42 Uhr
Antwort

Guten Morgen Dr. Leidel,

würden Sie mir noch ein paar Fragen beantworten:

1)ich habe gerade eben gelesen, dass sogar bei lecken von intakter haut nicht geimpft wird. Schließt das rki hier mit ein dass man sich nicht immer unmittelbar die hände waschen kann und ggf. sich direkt danach die Augen vielleicht reibt oder auch die Hände in den Mund nimmt?

2) ist es auch indirekt wenn er unmittelbar danach meinen Sohn angefasst hat?

3) warum führen indirekte Übertragungen nicht zu einer Infektion?

4) kann ich die sache abhaken und es ist praktisch ausgeschlossen, dass meinem Sohn etwas passiert?

5) wenn der Hund selber nicht tollwutviren im eigenen Speichel  trägt (da vielleicht geimpft) kann er Tollwut weitergeben wenn er zuvor an der Schnauze oder an der Zunge Tollwutviren von einem anderen Tier hat?

 

Experte-Leidel
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27.03.2019, 15:11 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Frau Stoll,

ich werde mich bemühen, diese Fragen nochmals zu beantworten. Allerdings zeigen mir Ihre Nachfragen und Unsicherheiten, dass Ihnen meine Antworten in Ihrer Anbgst wahrscheinlich allenfalls für einen kurzen  Moment helfen können. Dann dreht sich aber bald auch wieder das Angstkarussell.

  1. Die Infektion erfolgt fast immer durch einen Biss des infektiösen Tieres, selten auch einmal durch den direkten Kontakt von Speichel des Tieres mit einer offenen Wunde oder einer Schleimhaut (z. B. durch das unmittelbare Belecken).
  2. Ja, auch das wäre indirekt.
  3. Viren in Körperflüssigkeiten, die außerhalb des Körpers angetrocknet sind, verursachen im Allgemeinen keine Infektionen mehr. Man müsste sie z. B. im Labor mit entsprechenden Flüssigkeiten wieder lösen und dann jemandem einspritzen.
  4. Ja, Sie können die Sache abhaken. 
  5. Das wäre äußerst unwahrscheinlich bis unmöglich.

Ich bitte Sie um Verständnis dafür, dass ich weitere Fragen in dieser Angelegenheit nicht mehr beantworten werde.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

 

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27.03.2019, 17:33 Uhr
Kommentar

Danke!

ich habe eine allerletzte Frage an Sie und dann werde ich es unterlassen Sie nochmal zu fragen. Versprochen!

Sie sagen ja, dass indirekt nicht möglich sei da die Viren eintrocknen. Aber wie ist es denn in dem Fall, wenn man unmittelbar direkt danach wenn man tollwutviren an der Hand hat und dann meinen Sohn direkt oder seine Spielsachen die er in den Mund nimmt anfässt? In der kurzen Zeit trocknet doch der Speichel mit den Viren nicht so schnell! Wieso kann dann trotzdem keine Übertragung stattfinden wie Sie sagen?

wenn Sie mir diese allerletzte Frage noch beantworten wäre ich Ihnen unendlich dankbar und werde auch nichts mehr fragen. 

Somit verabschiede ich mich, mit freundlichen Grüssen

Experte-Leidel
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27.03.2019, 17:52 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Ich weiß nicht, warum Sie sich so an Details klammern. Das Entscheidende ist doch, dass wir in einem Land leben, in dem die Tollwut bei landlebenden Tieren nicht mehr vorkommt.

Sie haben ja selbst auch beim RKI nachgeschaut und gelesen, auf welche Weise die gefürchtete Krankheit übertragen wird und wodurch nicht. Bei jedem weiteren Kontakt (Hundezunge an Hand - Hand an Wange des Kindes (keine offene Wunde) - Hand an Spielzeug - Spielzeug in den Mund) kommt es zu einer erheblichen Abnahme theoretischer Infektiuosität.

Auf die von Ihnen befürchtete Weise ist m. W. die Krankheitjedenfalls  noch nie übertragen worden. Aber Ihre Psyche wird sagen "Ja, aber ..."

Im übrigen verweise ich auf meine bisherigen Antworten, erinnere daran, dass ich meine fachliche Auffassung wiedergebe, aber natürlich weder allwissend noch dabei gewesen bin und dass Sie gerne eine die Einschätzung von Kinder- oder Hausarzt/-ärztin einholen können.

Ihnen alles Gute

Dr. Jan Leidel

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