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Reaktivierung Epstein Barr Virus

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

02.01.2012 | 09:19 Uhr

Hallo,

ich hatte im Jahr 1996 das 1. mal das Pfeiffersche Drüsenfieber.
Im Jahr 2006 wurde nach wochenlangen Suchen dann eine Reaktivierung des EBV´s festgestellt. Im Mai 2011 wurde bei einer künstlichen Befruchtung eine latente Unterfunktion der Schilddrüse festgestellt, diese wurde dann mit L-Thyroxin eingestellt. Leider bekam ich ein paar Wochen nach Einnahme des L-Thyroxin Muskelschmerzen etc. Diese Symptome wurden durch meinen Hausarzt (ein anderer wie der Hausarzt, der 2006 die Reaktivierung feststellte) nicht der Schilddrüse zugeordnet und er untersuchte wieder auf EBV. Ergebnis August 2011:

EBV Anti VCA igG Elisa 157 / positiv >22
EBV Anti VCA igM Elisa 0.2 / positiv >1.1
EBV Anti EBNA-1-IgG Elisa 126 / positiv >22
EBV Anti EA igG Elisa 33.9 / positiv >22

Jetzt ist meine Frage, ob man zwischen einer alten und einer neuen Reaktivierung unterscheiden kann. Da ich ja bereits im Jahr 2006 eine Reaktivierung hatte. Vielleicht liegt ja gar keine neue Reaktivierung vor, sondern die Werte wurden durch die Reaktivierung im Jahr 2006 hervorgerufen? Da wir planen die Kinderwunschbehandlung fortzusetzen würde ich natürlich auch gerne wissen inwieweit der EBV ein Risiko für eine Einnistung bzw. eine Schwangerschaft darstellt. Sollte ich die EBV-Werte nochmals kontrollieren lassen?

Herzlichen Dank und ein gutes neues Jahr!

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Experte-Leidel
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02.01.2012, 04:48 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag und ein gutes Neues Jahr,

das wahrscheinlich Wichtigste zuerst: Nach allem, was wir wissen, sind Reaktivierungen von EBV für eine Schwangerschaft ohne Bedeutung.

Auf jeden Fall haben Sie (wie über 95 % der Bevölkerung) früher bereits einmal eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) durchgemacht. Der mir relativ niedrig erscheinende Wert für EBV Anti EA IgG spricht eher gegen eine neuerliche Reaktivierung, schließt sie aber nicht aus. Eine eindeutige Aussage ist anhand dieser Befunde nicht möglich.

Die Interpretation serologischer Befunde nach einer EBV-Infektion ist ohnehin etwas schwierig. Die verschiedenen auf dem Markt befindlichen Testsysteme sind nicht immer ohne weiteres zu vergleichen, die Immunreaktionen können individuell recht verschieden ausfallen (polyklonale Stimulierung des Immunsystems). Und die klinische Bedeutung einer Reaktivierung ist nach wie vor weitgehend unklar. Man könnte - sozusagen aus sportlichem Interesse - noch die sog. Avidität also die Bindungsfähigkeit der IgG-Antikörper bestimmen, aber tatsächlich würde auch dies nicht wirklich weiterhelfen, eine hohe Avidität könnte für eine Reaktivierung sprechen, sie kommt aber einige Zeit nach der Primärinfektion auch durchaus ohne Reaktivierung vor. Im Übrigen verlaufen EBV-Reaktivierungen im Allgemeinen ohne klinische Krankheitszeichen. Und, wie gesagt, für Ihren Kinderwunsch ist diese Frage ohne Belang.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für das Gelingen Ihrer Behandlung im Rahmen des Kinderwunschs

Dr. Jan Leidel

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02.01.2012, 05:01 Uhr
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Vielen herzlichen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort!

Ich habe noch etwas vergessen und zwar wurde auch ein erhöhter ANA 1:320 festgestellt. Der Rheumatologe hat eine rheumatische Erkrankung ausgeschlossen. Kann dieser Wert auch durch den EBV hervorgerufen werden? Ich hatte nämlich bereits eine ICSI und diese endete in einer biochemischen Schwangerschaft. Ich möchte natürlich alle relevanten Dinge vor der nächsten ICSI abgeklärt haben. Soll ich den ANA-Wert eventuell nochmals überprüfen lassen oder sollte man etwas dagegen einnehmen?
Vielen Dank!!!

Experte-Leidel
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02.01.2012, 09:53 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Hallo,

der Titer von antinukleären Antikörpern (ANA) gilt bis etwa 1:80 als normal, der bei Ihnen festgestellte Wert von 1:320 ist mäßig erhöht und könnte tatsächlich durch eine (harmlose!) EBV-Reaktivierung bedingt sein. Bei Autoimmun-Erkrankungen ist der Wert im Allgemeinen deutlich höher.

Ich glaube nicht, dass dieser Wert ein Problem für Ihre eigentlichen Absichten darstellt. Also: Wenn bei Ihnen nach Ansicht Ihres Arztes/Ihrer Ärztin keine Anzeichen für eine Autoimmunkrankheit bestehen (hier sollte sicherheitshalber auch nochmal über Ihre Schilddrüse nachgedacht werden) , würde ich keine weiteren Kontrollen durchführen, einnehmen können Sie hiergegen nichts.

Was eine ICSI, die zu einer biochemischen Schwangerschaft führte, hinsichtlich der Chancen einer weiteren ICSI bedeutet, weiß ich nicht. Da wäre es besser, Sie wenden sich an die Ärzte, die die diesbezügliche Behandlung durchführen oder an den Expertenrat Gynäkologie dieses Forums.

Ich finde es richtig und klug, dass Sie alle wichtigen Aspekte vor der nächsten ICSI abklären wollen. Tun Sie dies in enger Abstimmung mit Ihren behandelnden Ärzten - und - lassen sie sich nicht durch Laborwerte verrückt machen. Ich glaube, dass eine zuversichtliche Grundeinstellung gar nicht so unwichtig ist.

Alles Gute und viel Erfolg

Dr. jan Leidel

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03.01.2012, 06:43 Uhr
Antwort

Vielen Dank für Ihre Antwort und ein ganz großes Lob an Sie für Ihre Arbeit auf dieser Seite!!! Viele Grüße

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05.01.2012, 09:30 Uhr
Antwort

Lieber Herr Dr. Leidel,

ich habe bei meiner Recherche herausgefunden, dass die Kortisongabe bei der letzten Kinderwunschbehandlung den EBV reaktiviert haben könnte.
Wenn ich mir jetzt das Blut auf EBV untersuchen lassen würde, müsste bei abklingen der Reaktivierung der EA-Wert doch gefallen sein, oder? Ich weiß ja das positives Denken wichtig ist. Ich möchte natürlich alles getan haben, um gute Voraussetzungen bei der nächsten Icsi zu haben. Und müsste der ANA-Wert nicht auch mit der Zeit fallen, wenn der EBV sich wieder beruhigt hat? Die Schilddrüse wird momentan richtig eingestellt. Aber eine Schilddrüsen-Autoimmunerkrankung konnte auch nicht festgestellt werden. Also bleibt ja nur der EBV, der für für die ANA´s verantwortlich gemacht werden kann.
Vielen vielen Dank!

Experte-Leidel
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05.01.2012, 12:29 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag, liebe Anonyma,

ich kann Ihre Sorgen sehr gut verstehen und ich möchte Ihnen gerne helfen. Aber das Problem liegt darin, dass auch Laborbefunde und deren Interpretation nicht immer eindeutig sind. Das gilt besonders für Antikörperbestimmungen, wenn die Befunde nicht sehr eindeutig negativ oder hochpositiv sind, sondern in Grauzonen liegen. Dies hängt auch mit den modernen empfindlichen Bestimmungsmethoden zusammen. Ein weiteres Problem bei Ihren Überlegungen ist, dass hier viele könnte, wäre möglich usw. zur Anwendung kommen und wenige ist sicher.

Eine Kortisonbehandlung KANN eine EBV-Reaktivierung begünstigen, MUSS aber nicht der Grund sein. Etwa 95 % der Bevölkerungen haben latente EBV-Infektionen. Sehr viele werden irgendwann einmal mit Kortison behandelt. Dennoch sind eindeutige EBV-Reaktivierungen selten. Es kommt unter anderem darauf an, wie sehr die Immunantwort durch die Behandlung beeinträchtigt wird.

Auch vermag ich nicht zu sagen, wie sicher die Annahme einer Reaktivierung im Jahr 2006 gewesen ist. Ihre jetzigen Befunde schließen eine Reaktivierung nicht aus, machen sie aber auch nicht sehr wahrscheinlich. Die Antikörper gegen das Early-Antigen (EA) waren bei der letzten Bestimmung eher gering positiv. Wie lange es individuell bei Ihnen dauert, bis sie weiter abnehmen und negativ werden, kann niemand voraussagen. Außerdem unterliegen die Ergebnisse solcher Antikörperbestimmungen oft gewissen Schwankungen, die in der Methode begründet sind.

Wichtig ist: Ihre durchgemachte EBV-Infektion und die Frage einer etwaigen Reaktivierung sind nach allem, was wir wissen, für Sie, Ihre Gesundheit und die gewollte Schwangerschaft unerheblich.

Ähnlich verhält es sich mit dem seinerzeit mäßig erhöhten ANA-Titer. Dieser KANN durch eine EBV-Reaktivierung zustande gekommen sein, er kann aber auch durch die Reaktivierung eines anderen Mitglieds der Familie der Viren, zu der auch EBV gehört, ausgelöst worden sein oder aber ganz andere Gründe haben, die wir nicht kennen. Wichtig und gut ist, dass bei Ihnen keine Autoimmunerkrankung festgestellt wurde und dass die Schilddrüsenfunktion gut eingestellt wurde.

Gäbe es einen Test, der alle Ihre diesbezüglichen Fragen beantworten könnte, ich würde ihn Ihnen empfehlen. Leider aber ist es so, dass es einen solchen Test nicht gibt und dass jede erneute Untersuchung möglicherweise wieder neue Fragen aufwerfen könnte, die dann wiederum nicht eindeutig beantwortet werden können.

Nochmals das Wichtigste: Eine EBV-Reaktivierung wäre für Sie und Ihre Pläne ohne Belang.

Mit den besten Wünschen für Sie und

mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

PS: Danke für Ihre freundliche Anerkennung.

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09.01.2012, 04:51 Uhr
Antwort

Hallo Herr Dr. Leidel,

ich muss sie ein letztes mal etwas fragen und zwar war ich heute beim Rheumatologen um meine Befunde der letzten Blutuntersuchungen abzuholen, da die Kinderwunschklinik diese angefordert hat. Auf dem Befund sind folgende Punkte auffällig:

- der ANA ist nur noch 1:100 gran / Referenz <100
was bedeutet gran? ist doch schon mal gut, dass der wert rückläufig ist, oder?

- Haematokrit 36.7 / Referenz 37-47
ist so eine kleine Unterschreitung schlimm?

-Kalium 5,5 / Referenz 3.5-5.1
Was könnte der Grund für die Erhöhung sein?

-Beta2G liegt bei 4/Beta2M liegt bei 11
Hier konnte ich herausfinden, dass die Werte meist bei einer Abortneigung erhöht sind. Aber was sind die Normwerte?

-CardAGM negativ.
Dieser Wert hätte laut Internet bei einem EBV positiv sein müssen.
Stimmt das? Dann könnte ich ja das Thema EBV vergessen ;)

-Yersinien IGA Elisa positiv, Yersinien Blot IGA positiv Wert: p36, Yersinien IgG Elisa positiv.
Was hat es damit auf sich? Dazu hat der Rheumatologe gar nix gesagt.

Ich danke Ihnen vielemals dafür, dass sie sich so eine Mühe mit mir geben!

Danke!!!

Experte-Leidel
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11.01.2012, 02:24 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Hallo,

ich hatte Ihnen schon heute Morgen geantwortet, aber irgendwie scheine ich falsch geklickt zu haben. Jedenfalls ist meine Antwort nicht im Expertenrat erschienen. Ich versuche es nochmal.

Leider kann ich nicht alle angesprochenen Fragen klären, da stoße ich etwas an die Grenzen meiner Kompetenz, ich bin weder Rheumatologe noch Reproduktionsmediziner. Aber ich versuche mein Bestes. Und vielleicht können Sie ja die Dinge, die Ihnen Kopfzerbrechen bereiten zusätzlich mit Ihrem Rheumatologen oder den Ärzten der Kinderwunschklinik besprechen.

ANA: Der vorherige Wert 1:320 war auch nicht sehr hoch. Solche Befunde können auch mal bei völlig Gesunden, aber auch bei Infektionen (z.B. auch EBV-Reaktivierung) auftreten. Trotzdem schön, dass er weiter abgesunken ist. Gran bedeutet granuliert und bezeichnet das Muster, in dem die Antinukleären Antikörper im Immunfluoreszenz-Test (IFT) angeordnet sind. Experten für rheumatologische Immunologie können aus diesem Muster Schlüsse ziehen, gegen welche Strukturen sich die Antikörper richten. Allerdings scheint mir für solche Überlegungen der Titer recht niedrig.

Hämatokrit (Hk): Der Hk ist ein Maß für das Verhältnis von festen (ganz überwiegend rote Blutkörperchen) und flüssigen Blutbestandteilen (Blutplasma). Ein erhöhter Hk sprcht für eine Austrocknung bzw. eine erhöhte Anzahl roter Blutkörperchen, ein niedriger Hk spricht für einen Mangel an roten Blutkörperchen oder eine gewisse Überwässerung. Die Grenze zwischen Referenzbereich und erhöht/erniedrigt ist nicht so scharf, wie man sich dies vielleicht wünschen würde. Ihr Hk ist m. E. nicht erniedrigt, sondern an der unteren Grenze der Norm. Machen Sie sich keine Gedanken.

Kalium: Kalium ist der Gegenspieler eines anderen lebenswichtigen Elektrolyten (Salzes), dem Natrium. Kalium befindet sich hauptsächlich in den Zellen, Natrium außerhalb in der Körperflüssigkeit. Eine Erhöhung im Blutplasma findet sich, wenn bei der Blutabnahme zu lange gestaut wurde, wenn die Blutzellen zu spät vom Blutplasma getrennt wurden, wenn aus irgendwelchen Gründen viele Zellen kaputt gehen oder wenn eine Störung der Nierenfunktion vorliegt. Bei Ihrem gering erhöhten Wert könnte es sich sehr gut um eine späte Trennung von Blutzellen und Blutplasma handeln.

Beta2G und Beta2M: damit kann ich nicht allzu viel anfangen. Es könnte sich um Antikörper gegen Beta-2- Glykoproteine handeln. Die findet man z. B. bei manchen Autoimmunkrankheiten.

CardAGM: Könnte es sein, dass es CardIgM heißt? dann wären es IgM-Antikörper gegen Cardiolipin. Die findet man z. B. erhöht bei Kollagenosen (Autoimmunkrankheiten des Bindegewebes), bei der rheumatoiden Arthritis, bei Infektionen (z. B. EBV). Auch bei Frauen mit mehreren Fehlgeburten findet man diesen Wert mitunter erhöht.

Antikörper gegen Yersinien: Yersinien sind Bakterien, zu denen z. B. - nicht erschrecken - auch der Erreger der Pest gehört. Bei Ihnen geht es aber nicht um diesen, sondern um Yersinia enterocolitica. Diese Bakterien verursachen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, insbesondere können das heftige Durchfallerkrankungen sein. Sie haben ganz offensichtlich vor einiger Zeit eine solche Infektion durch Y. enterocolitica durchgemacht. bei einigen Menschen (besonders bei solchen, die den genetischen Marker HLA B27 auf ihren weißen Blutkörperchen tragen) kann es nach einer Yersinien-Infektion zu einer sog. infektreaktiven bzw. postenteritischen Arthritis kommen. Bei diesen findet man dann häufig auch IgA gegen das p36, einen Betsandteil der Yersinien.

Offensichtlich sucht man bei Ihnen nach Anzeichen für bestimmte Autoimmunkrankheiten bzw. für bestimmte rheumatische Erkrankungen. Leiden Sie denn an einer Arthritis oder drgl.?

Mit den besten Wünschen für Sie und herzlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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11.01.2012, 07:33 Uhr
Antwort

Danke für Ihre Antwort. Ich habe am Anfang nicht alles aufgeschrieben, weil ich dachte, dass das den Rahmen sprengen würde. Ich habe seit Mai 2011 Muskel/Gelenkschmerzen. Diese haben begonnen nach der erfolglosen ICSI bzw. seit der Einstellung der Schilddrüse. Der Rheumatologe hat mich weil der HLA B27 positiv ist ins MRT geschickt und ganz viele Blutuntersuchungen durchgeführt. Im Mrt war nix zu finden und er meinte, dass es keine rheumatische Erkrankung wäre. das könnte doch aber bedeuten, dass die symptome mit den yersinien zusammenhängen? das hätte der rheumatologe doch aber erkennen müssen, oder?
Vielen Dank für Ihre Mühe!

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