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Impfung Tollwut

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

16.10.2019 | 14:11 Uhr

Guten Tag! 

Ich habe eine Frage zur Sicherheit der Tollwutimpfung. 

Wenn man eine aktuelle Grundimmunisierung hat (3x Impfung plus Auffrischung ein Jahr später; in meinem Fall im Mai aufgefrischt); wie sicher ist man dann geschützt?

Mich irritiert, dass man sich bei einem unklaren Tierkontakt trotz Immunisierung noch ein- oder zwei Mal impfen lassen soll. Liegt das daran, dass die Impfung doch nicht so sicher ist oder weil man nicht weiß, ob sich ausreichend Antikörper gebildet haben? 

Sollte man zur Abklärung das Blut untersuchen lassen? 

Ist man dann auf der sicheren Seite? Wenn ja, wie lange? 

 

Ich hoffe, das sind nicht zuviele Fragen auf einmal! 

Vielen Dank! 

 

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Experte-Leidel
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16.10.2019, 15:04 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

nein, das sind nicht zu viele Fragen, zumal die Fragen ja durchaus berechtigt und vernünftig sind.

Die Impfung gegen Tollwut ist mit den heute gebräuchlichen Zellkultur-Impfstoffen eine sehr zuverlässige und auch verträgliche Impfung. Allerdings gibt es praktisch keine Impfung, die wirklich unter allen Umständen und in jedem Fall 100%ig funktioniert.

Das kann verschiedene Gründe haben: Es könnte sein, dass der Impfstoff beim Abholen aus der Apotheke nicht kühl transportiert wurde. Oder vielleicht wurden Fehler bei der Injektion gemacht, was natürlich nicht vorkommen darf, aber auch nicht immer und gänzlich ausgeschlossen ist. Und es kann auch sein, dass das immunsystem der geimpften Person Schwächen aufgewiesen hat und die Antikörperbildung geringer ausgefallen ist als üblich.

Trotzdem - ich will Sie nicht verunsichern, in aller Regel bietet die Impfung einen guten und zuverlässigen Schutz. Dazu trägt schon das Schema mit drei Impfungen und einer Auffrischung bei.

Um aber ganz 100%ig sicher zu sein, gibt es zwei Möglichkeiten: Einmal die Bestimmung des Antikörperspiegels. Ein Wert von mehr als 0,5 I.E./ml Serum gilt als schützend. Menschen, die beruflich ständig ein hohes Risiko haben, sich zu infizieren, wird empfohlen, alle halbe Jahre  die Antikörper bestimmen zu lassen. Sinken diese unter diese 0,5 I. E. sollte aufgefrischt werden.

Das wäre für jemanden, dessen Risiko vor allem in gelegentlichen Reisen in Tollwutgebiete besteht, natürlich sehr aufwändig. Deshalb gibt es die Empfehlung, "vollständig geimpften Personen", die also z. B. drei Impfungen zur Grundimmunisierung plus Aufrischung erhalten haben, nach einem Risikokontakt noch zwei Impfungen an den Tagen 0 und 3 zu geben. Moderne Zellkulturimpfstoffe hierfür sind heute (fast) überall erhältlich.

Ein nicht oder nicht vollständig geimpfter Reisender sollte demgegenüber nach einer Risikosituation eine vollständige "postexpositionelle Prävention" (PEP) erhalten, die aus der Gabe eines Antiserums und je nach angewendetem Schema 4 bis 5 Impfungen besteht.

Während also die entsprechenden Impfstoffe (fast) überall verfügbar sind, ist das für das Antiserum durchaus nicht immer der Fall.

Fazit: Wenn Sie jetzt z. B. eine Reise in ein Land mit Tollwut planen und es dort zu einer tatsächlichen Risikosituation kommt, könnten Sie auf Ihren Impfschutz vertrauen und auf weitere Maßnahmen verzichten. Mit einer Wahrscheinlichkeit von deutlich über 90% wird ihnen nichts geschehen. Wenn Sie auch das verbleibende "Restrisiko" abdecken wollen oder die letzte Impfung bereits länger zurückliegt, würde ich mir die beiden injektionen aber auf jeden Fall geben lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

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