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Frage zur Tollwutübertragung

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

23.10.2017 | 21:59 Uhr

Hallo Herr Dr. Leidel,

Ich hatte mich vor 6 Monaten gegen Tollwut geimpft (vor Reise nach Russland & Georgien). Weil ich mich wegen der Reise mit Tollwut befasst habe, habe ich seitdem Angst vor einer Infektion. Man liest im Internet überall, dass die Impfung ja gar nicht schützt vor einer Infektion, sondern nur das Zeitfenster bis zur nächsten Impfung nach Exposition verlängert.

Meine Sorge ist irgendwie gar nicht so der Tier-Mensch-Kontakt sondern der Mensch-Mensch-Kontakt. Es gab bis dato keine bewiesenen Übertragungen, aber dennoch liest man im Internet, dass sich alle Kontaktpersonen impfen müssen. Nun ist meine Sorge, dass ich mich bei jemandem anstecke  (ein Reisender, etc.) Ich war z.B. gestern auch in einem Restaurant und habe  (glaube ich) ein benutztes Glas bekommen, zur gleichen Zeit war eine indische Gruppe im Lokal, dort gibt es ja viele Fälle. Ich wohne in Wien

Würde ich es jemals erfahren, wenn ein Tourist der Kontakt zu Einheimischen hatte, wieder zuhause, an Tollwut erkrankt? Und wie wahrscheinlich ist es, dass man sich durch das Teilen von Trinkbehältern ansteckt? Laut CDC ja doch ein hohes Risiko.

Würde gerne Ihre Einschätzung wissen.

Schönen Abend noch, Sarah

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Experte-Leidel
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24.10.2017, 10:08 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Sarah_94,

Sicherheit der Tollwutimpfung:

Wenn eine vorbeugende Tollwutimpfung korrekt erfolgt ist, bietet sie im Allgemeinen einen sehr guten Schutz. Dennoch wird u. a. von der WHO empfohlen, sich im Falle eines relevanten Kontakts (vor allem Bißverletzung durch ein verdächtiges Tier, seltener blutiger Kratzer oder Belecken einer Wunde bzw. Schleimhaut) noch zwei weitere Impfungen geben zu lassen. Das ist in den meisten Fällen wahrscheinlich unnötig, aber niemand kann seine "Hand dafür ins Feuer legen", dass bei der vorbeugenden Impfung nicht irgendetwelche Fehler aufgetreten sind. Außerdem gibt es keine Impfung, die stets absolut 100 %ig schützt. Daher und wegen der Gefährlichkeit der Tollwut gibt es diese zusätzliche Sicherheitsmaßnahme.

Der, der sich diese beiden "Sicherheitsimpfungen" geben lässt, hat erhebliche Vorteile gegenüber dem noch gar nicht Geimpften: Zum einen wird in der Tat das Zeitfenster größer, was einen Kompromiss zwischen schneller und guter Versorgung ermöglicht. Zum anderen benötigt der bereits vorbeugend Geimpfte kein Antiserum, das oft nicht ohne Weiteres verfügbar ist, er braucht nur zwei Impfungen vor Ort und nicht sieben und er kann davon ausgehen, dass es gut funktioniert, während der zuvor nicht Geimpfte noch sehr hoffen und bangen muss.

Übertragung Mensch zu Mensch:

Das ist theoretisch möglich. Bekannt geworden ist ein Fall, in dem eine junge Frau kurz nach ihrer Rückkehr aus Indien untypisch erkrankte und starb. Niemand hatte an die Möglichkeit einer Tollwut gedacht. Die Organe der Frau wurden transplantiert und die Empfänger erkrankten und verstarben an Tollwut bis auf einen, der früher einmal eine vorsorgliche Tollwutimpfung erhalten hatte.

Theoretisch könnte man sich auch vorstellen, dass ein an Tollwut erkrankter Mensch ebenso die Infektion weitergeben kann wie ein krankes Tier. Entsprechende Berichte gibt es aber nicht. Wichtig ist, dass der Speichel erst virushaltig und damit infektiös ist, wenn der Mensch oder das Tier bereits selbst erkrankt ist und wenige Tage vor dem Tod steht. Solche Personen sitzen nicht fröhlich in einem Restaurant und bechern.

Eine Tollwutübertragung durch die gemeinsame Benutzung von Geschirr oder Besteck halte ich für ausgeschlossen. Das müssten schon sehr merkwürdige und extreme Vorgänge sein. Eine diesbezügliche Veröffentlichung durch die CDC ist mir nicht bekannt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel 

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31.10.2017, 14:57 Uhr
Kommentar

Danke! Eine Frage habe ich noch, dann widme ich mich wieder anderen Dingen:-) (hoffentlich!)
Heute Morgen am Weg zum Bäcker bin ich aus Versehen in Spucke getreten. Mein Schnürsenkel war zu dem Zeitpunkt offen (es sind nur 10 Meter und ich dachte mir nichts dabei, ihn noch zuzubinden vorher). Habe dann beim Bäcker meine Schnürsenkel gebunden und damit eventuell den Speichel vom Schnürsenkel berührt. Und danach noch meine Geldtasche, die Semmeln etc.

Nun panike ich wieder und versuche mich zu beruhigen, es klappt aber nicht. :-(
Hatte ich ein Risiko? Angekommen dass es infektiöser Speichel war. 

Bin 1 Stunde später wieder zurück, da war die Spucke weg, nin also direkt frisch hineingestiegen :(

 

LG,

Sarah

Experte-Leidel
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01.11.2017, 11:38 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Sarah,

ich habe mir überlegt, ob ich Ihnen überhaupt nochmal antworten solle. Sie wissen selbst, dass damit keinerlei Risiko verbunden gewesen ist. Ihre Angststörung macht Ihnen das Leben schwer, nicht eine irgendwie begründete Sorge.

Leider bin ich kein Angsttherapeut, sonst würde ich gerne versuchen, Ihnen zu helfen. So kann ich Ihnen nur den Rat geben, Ihre Ängste behandeln zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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03.11.2017, 19:12 Uhr
Kommentar

Danke nochmals für Ihre Antwort. Eine letzte Frage habe ich noch, dann werde ich das Ganze mit einem Therapeuten aufarbeiten. Ich würde mich über eine letzte Antwort freuen. 

Das Virus wandert (beim Menschen) von der Eintrittspforte ins ZNS  (dort löst es eine Enzephalomyelitis aus -> wären auch schon schwere neurologische Beeinträchtigen, oder?) und erst DANN wandert es weiter in Richtung Speicheldrüse (Habe dazu ein Paper der MayoClinic gefunden). Wenn also ein Mensch Tollwut hat, dann wäre er erst ansteckend, wenn er bereits schwere neurologische Symptome hat. Sehe ich das richtig? Oder sind die Viren vorher auch schon im Speichel? Aus diesem Grund müsste ich mir dann eigentlich keine Sorgen machen, aber.... Das CDC sagt, dass man eine Impfung braucht, hätte man Zigaretten, Drinks oder Besteck mit einem erkrankten Mensch geteilt. Das entspricht ja nicht dessen was ich soeben oben versucht habe zu verstehen.

 

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende,

Sarah

Experte-Leidel
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04.11.2017, 10:31 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Sarah,

ich habe mir schon gedacht, dass Ihr Angstkarussell Sie noch nicht loslässt.

Es ist richtig, dass der Speichel von Menschen erst Tollwutviren enthält, wenn diese selbst erkrankt sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr.  Jan Leidel

 

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