Angst vor Hepatitis

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

23.04.2019 | 09:08 Uhr

Sehr geehrter Herr Leidl!

Ich leide leider an einer Hepatitis-Phobie. Dass ich kleine Kinder habe, macht das natürlich nicht einfacher.

Gestern waren wir auf einer Familienfeier. Leider haben wir eine Verwandte, die schwer krank war und mehrere Bluttransfusionen benötigte. Im Rahmen der Krankeit wurde auch ihre Milz entfernt. Außerdem hat sie ständig wechselnde Geschlechtspartner ohne Kondom. 

Die besagte Person kratzte sich mit den Fingern fast durchgehend an der Kopfhaut und reinigte die Fingernägel dann mit den Zähnen - grauenhaft!!! Scheinbar ein Nervenproblem. Jedenfalls griff sie ganz ganz kurz das Glas unseres Sohnes an und gab es ihm, eigentlich schob sie es ihm zu (der Kontakt war nur Sekunden gegeben). Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass sie auf der Kopfhaut geblutet hat. Mein Sohn griff das Glas dann sofort danach an und trank daraus. Leider hat er aber ca. 1 oder 2 Stunden zuvor an der Lippe geblutet. Unser Sohn, 4 Jahre, ist gegen Hepatitis B geimpft. Aber wie sieht es mit Hepatitis C (oder HIV) aus? Könnte eine Übertragung so stattgefunden haben? Das Problem ist nämlich, dass er nach dem Trinken gleich Schokolade angegriffen hat und diese gegessen hat. Ich kam gar nicht zum Abwischen der Hände. Die Berührung des Glases war wie gesagt nur ganz kurz und ich hoffe, dass es nicht genau im Trinkbereich war. 

Mein Mann nahm meinen Sohn dann auf, natürlich griff mein Sohn mit den Händen an sein Poloshirt. Leider hat mein Mann dann auch meine wenige Tage alte Tocher aufgenommen, die noch keine Hepatitis-Impfung hat. Wäre eine Übertragung vom Glas auf die Kinderhand, von der Kinderhand auf das Tshirt und vom Tshirt ins Auge oder den Mund des Babies denkbar? Hier habe ich natürlich auch vor Hepatitis B Angst.

Wie sieht es aus, wenn sich ein Baby vor der Impfung ansteckt? Wirkt die Impfung im Nachhinein nicht mehr?

Vielen Dank für die Auskunft.

 

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Bisherige Antworten
Experte-Leidel
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24.04.2019, 13:15 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

selbst wenn Ihre Verwandte tatsächlich eine ansteckende Hepatitis B haben sollte, ist auf diese Weise eine Übertragung der Infektion eigentlich nicht möglich. Die Viren benötigen einen direkten Kontakt zwischen dem infektiösen Blut und einer offenen Wunde oder Schleimhaut. Dasselbe gilt für Hepatitis C und HIV. Eine Übertragung Glas - Kinderhand - T-Shirt - Auge oder Mund ist nicht möglich.

Wenn sich ein Baby vor der Impfung ansteckt, ist die Impfung unwirksam.

Mit freundlichen Grüßen 

Dr. Jan Leidel

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24.04.2019, 13:39 Uhr
Kommentar

Vielen lieben Dank für ihre Antwort. Dann bin ich schon beruhigt, wenn ich mir um die Kleine Maus keine Sorgen machen muss.

 

Aber gilt Ihre Antwort auch für meinen 4-jährigen Sohn hinsichtlich Hepatitis C und HIV? (Trotz "offener" Lippe und Schleimhautkontakt durch Nahrungsaufnahme)?

Experte-Leidel
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24.04.2019, 14:55 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

ja, das gilt auch für Hepatitis C und HIV für Ihren gegen Hepatitis B geimpften Sohn. Diese Infektionen sind übrigens weniger leicht zu übertragen als Hepatitis B.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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29.04.2019, 14:05 Uhr
Antwort

Sehr geehrter Herr Dr. Leidel,

 

leider beschäftigt mich diese Sache auch heute, Tage später, noch.

 

Hat die besagte Person denn ein erhöhtes Hepatitis-Risiko auf Grund von:

- Milzentfernung (schlechteres Immunsystem?)

- Alkoholproblem (Belastung der Leber?)

- Bluttransfusionen

- wechselnde Geschlechtspartner??????????????

 

Und dass die Berührung des Glases von Seiten meines Sohnes wirklich gleich danach war, spielt keine Rolle? Fällt dies trotzdem in die Kategorie "indirekt" und es muss ein direkter Kontakt gegeben sein? 

Betreffend der Lippe: wenn sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr geblutet hat, bestand ja auch kein Risiko, oder gelten auch "nicht mehr blutende Wunden" als Eintrittspforte?

Ich mach mich leider wirklich verrückt...

Experte-Leidel
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29.04.2019, 21:34 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Abend,

ich weiß nicht, ob ich ihnen wirklich helfen kann. Natürlich habe ich keine Ahnung, ob die besagte Person mit Hepatitis B oder vergleichbaren Infektionen infiziert ist. Ich warne nur davor, dass das Angstkarussell Sie schwindelig werden lässt.

Die Entfernung der Milz bedeutet kein erhöhtes Risiko an Hepatitis B oder vergleichbaren Infektionen zu erkranken. Ohne Milz steigt vor allem die Gefahr von Infektionen durch bekapselte Bakterien, nicht aber von Viren.

Auch ein Alkoholproblem bedeutet kein erhöhtes Infektionsrisiko.

Bluttransfusionen sind heute weitestgehend sicher, also kein erhöhtes Infektionsrisiko.

Sexualität stellt demgegenüber ein erhöhtes Infektionsrisiko dar, bedeutet aber natürlich nicht automatisch, dass eine Infektion erfolgte. Möglicherweise ist diese Person ja auch geimpft.

Die Kontakte, die Ihnen Sorge bereiten, beinhalten kein erhöhtes Infektionsrisiko.

Ich weiß nicht, was der psychologische Hintergrund Ihrer Angst ist. Vielleicht versuchen Sie, eine entsprechende Therapie zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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