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Angst vor HIV- Erhöhte Werte Immunstatus

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

20.08.2019 | 20:07 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich leide seit geraumer Zeit mit der Sorge um eine HIV Infektion. Gleich vorweg, ich bin mir über die Notwenigkeit eines HIV-Tests bewusst und werden diesen auch zeitnah durchführen lassen. Bisher hat mich die Angst vor einem entsprechenden Ergebnis noch davon abgehalten. Ich möchte mich aber weitesgehend kurz halten und gezielt fragen.

Meine Sorge hat mich bereits zum Immunolegen getrieben und in diesem Immunstatus sind ein paar Werte erhöht. Das sind: 

CRP: 1,01mg/dl (Bereich < 0,5)

Ferritin: 456,40ng/ml (Bereich 20 - 250)

TNF Alpha: 15,0pg/ml (Bereich < 8,1)

Lyphozytenstatus

Lyphozyten: 2,67 Gpt/L (Bereich 1,26 - 3,35)

T-Lymphozyten CD3 relativ: 85,78% (Bereich 55-83)

T-Lyphozyten CD3 absolut: 2291 Zellen/µl (Bereich 700 - 2100)

T-Helferzellen CD4 relativ: 46,49% (Bereich 28 - 57)

T-Helferzellen CD4 absolut: 1241 Zellen/µl (Bereich 300 - 1400)

 

T-Suppressorzellen CD8 relativ: 34,40% (Bereich 10 - 39)

T-Suppressorzellen CD8 absolut: 919% (Bereich 200 - 900)

CD4 / CD8 - Ratio: 1,35 (Bereich 1,0 - 3,6)

 

NK-Zellen CD16/CD56 relativ: 3,47% (Bereich 7 - 31)

NK-Zellen CD16/CD56 absolut: 93 Zellen/µl (Bereich 90 - 600)

 

akt. T-Lymphozyten CD8/CD57 relativ: 41,86% (Bereich <30)

akt. T-Lymphozyten CD8/CD57 absolut: 1118 Zellen/µl (Bereich 0,0 - 450,0)

akt. T-Lymphozyten CD8/CD11a relativ: 68,09% (Bereich <30)

akt. T-Lymphozyten CD8/CD11a absolut: 1818 Zellen/µl (Bereich <450,0)

akt. T-Lymphozyten CD8/CD28 relativ: 34,94% (Bereich >60,0)

akt. T-Lymphozyten CD8/CD28 absolut: 933 Zellen/µl (Bereich >780,0)

 

IgG-Subklasse 3: 0,99g/L (Bereich 0,11 - 0,85)

 

Alle anderen Werte sind im Normbereich, also IgG1, IgG2 und IgG4

Es sind auch noch eine Menge mehr Lymphozyten untersucht worden, die aber sonst alle im Normbereich sind. 

Mein Immunologe hat mich zum Rheumatologen geschickt, warte noch auf den Termin. Ich habe aber inzwischen schon beim Hausarzt schon die Rheumawerte (Rheumafaktor, ANA usw.) überprüfen lassen, alles i. O. 

Ich habe außerdem noch prüfen lassen: 

 

Alpha 1- Fetoprotein o.k. 

CA 19.9 o.k.

PSA (Siemens) o.k.

 

Anti-HAV: >100IU/l 

Anti-HAV-IgM: negativ 

"Zustand nach Hep.A oder Impfung. Immunität gegen Hepatitis A anzunehmen

 

HBs-Antigen: negativ

Anti-HBc: >100 IU/l

Anti-HBs: 384 IU/l

Zustand nach ausgeheilter Hepatitis B

 

Anti-HCV: negativ

Kein Hinweis auf Hepatitis C

 

CMV-IgG: 92,8 U/ml 

CMV-IgM: <5,0 AU/ml 

Zurückliegende/ latente CMV Infektion. Kein Hinweis auf florierende Infektion bzw. Reaktivierung.

 

EBV-VCA-IgG: 103,0 U/ml

EBV-VCA-IgM: <10 U/ml

 

EBV-EBNA-1-IgG >600.0 U/ml 

 

EBV-Early-Ag-IgG <5.0 U/ml

Zurückliegende/ latente EBV Infektion

 

Borrelia-IgG-Ak (rek.VIsE): <5.0 AU/ml

Borrelia-IgM-Ak (rek.VIsE,OspC): 16.6 AU/ml 

Kein serologischer Hinweis auf Borreliose

Wenn sie diese Werte als Fachmann sehen, ist hier eine HIV Infektion wahrscheinlich? Meine CD4-Zellen sind ja schon sehr hoch, aber mich treibt der Gedanke, das die erhöten T-Suppressorzellen darauf deuten, dass mein Körper gegen etwas kämpft. Genau so die Entzündungswerte. Könnte das HIV sein, gegen das mein Körper ankämpft und as Immunsystem so gar nicht zur Ruhe kommt? Fallen die CD4 T-Zellen bei HIV promt ab und fallen kontinuirlich? 

Ich wäre über eine Antwort "sehr" dankbar. 

Vielen Dank im Voraus.

Grüße,

Marco

 

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Experte-Leidel
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21.08.2019, 11:58 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Marco,

ehrlich gesagt, verstehe ich Sie nicht so ganz. Haben sie denn Grund für die Annahme, dass sie infiziert sein könnten? Und warum haben sie diesen unglaublichen Laboraufwand betrieben. Man (zumindest ich) kann aus diesen Werten die Diagnose "HIV-Infektion" nicht stellen. Wie hat denn der Arzt bzw. die Ärztin, die diese Untersuchung veranlasst hat, die Werte interpretiert?

HIV hat ja heute glücklicherweise seinjen Schrecken weitgehend verloren. Lassen Sie einen  üblichen HIV-Test durchführen, um sich im Fall einer Infektion möglichst frühzeitig behandeln lassen zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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21.08.2019, 14:12 Uhr
Antwort

Hallo Herr Doktor Leidel,

ich möchte mich erst einmal für die schnelle Antwort bedanken. 

Dieser Abwärtsstrudel hat im Grunde mit kleinen Warzen auf dem Handrücken begonnen, die ich circa Anfang 2017 bei mir entdeckt habe.  Bei Google habe ich von einer Abwehrschwäche und HIV gelesen und als ich auch ganz kleine Warzen an den FußKnöcheln entdeckt habe, wurde ich immer hellhöriger. 

Ich war damit bei zwei Hautärzten, die nicht einmal Warzen diagnostiziert haben, bis ich dann bei einer Privatärztin in Berlin war, die eine Probe entnommen- und Warzen diagnostiziert hat. Ich habe nach unzählig vielen Verrumal-Behandlungen und einer HPV Impfung die Warzen nun endlich in den Griff bekommen. 

Seit dem (also bald 3 Jahre) leide ich unter dieser HIV-Angst. Dann habe ich mich endlich getraut einen VIH Heimtest Bonn Ratiopharm zu holen und zwei Tests gemacht, die beide negativ waren. Vor etwa 2 Wochen nochmal einen, der auch negativ ausfiell. Dummerweise mache ich mir Sorgen, das ich diese Tests falsch gelagert haben könnte. Die ersten zwei Tests lagen ein paar Wochen im Haus im Keller, wo es im Winter möglicherweise unter 8 Grad gekommen sein könnte. Im zweiten Fall sorge ich mich um die Temperatur Schrank meiner Dachgeschosswohnung, das diese eben zeitweise über 30 Grad war und somit der Test eventuell ein falsches Ergebis zeigt. Lagerund zwisczen 8 und 30 Grad:-(. Das nur nebenbei erwähnt, habe einfach totale Angst vor so einem Test, schon diese 3 Schnelltests sind für mich die pure Überwindung gewesen. 

Dann habe ich eine neue Partnerin, die ich das letzte Jahr permanent mit diesem Thema bzw. diesen Ängsten konfrontierte habe. Als wir Sex hatten, bin ich noch von der Richtigkeit der Tests ausgegangen bzw. habe das Thema Lagerung noch nicht so „empfindlich„ betrachtet. Sie hat nach 4 Wochen leichte Halsschmerzen bekommen und plötzlich vermehrt Pickel im Gesicht. Sie sagt zwar, das sie Anfang des Jahres einen ähnlichen, wenn auch etwas schwächeren Schub bekommen hat, dennoch läuft in meinem Kopf das Thema Ansteckung hoch und runter. Sie war auch gleich bei einer Hautärztin, die einen HIV-Ausschlag visuell ausgeschlossen hat und meinte, dass sie hierbei bloß nicht an einer HIV Infektion denken sollte. Trotzdem mache ich mir natürlich permanente Sorgen. 

Der Immunologe ist nicht weiter auf das Thema HIV eingegangen, als ich es im Gespräch angeschnitten hatte. Er hat mir eine Überweisung zum Rheumatologen gegeben, wo ich nächste Woche einen Termin habe. Die letzten Werte mit den Rheumawerten, EBV, Hepatitis usw. hat mein Hausarzt überprüfen lassen. Da die Rheumawerte in Ordnung sind, glaube ich nicht dass der Rheumatologe etwas findet, zumal ich auch keine Gelenkschmerzen habe. 

Wenn ich dann Dinge lese wie: 

„In der HIV-Infektion kommt es zu einer übermäßigen, chronischen Immunaktivierung, die nicht wieder beendet wird. Dadurch ist der T-Zellturnover erhöht30, polyklonale B-Zellen werden aktiviert31, die T-Zellen mit aktiviertem Phenotyp nehmen zu32 und die Spiegel an proinflammatorischen Cytokinen und Chemokinen steigen an.33 Auch CD8 T-Zellen werden kontinuierlich aktiviert, um die Virusreplikation adäquat zu hemmen.“

Bekomme ich einfach Angst und sehe als absoluter Laue einen Zusammenhang zu meinen erhören Werten. 

 

 

 

Experte-Leidel
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21.08.2019, 15:17 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag nochmal,

ja, Ihre Angst ist meines Erachtens völlig irrational. Ich kann nichts erkennen, was auf eine solche Infektion hindeuten würde. Sollten Sie aber tatsächlich infiziert sein, schaden Sie sich am meisten durch Ihr zögerliches Verhalten.

Selbst wenn Sie infiziert sein sollten, ist das überhaupt keine Katatstrophe. Eine HIV-Infektion ist - was Sie hoffentlich wissen - heute recht gut behandelbar und zwar um so erfolgreicher und besser, je früher die Behandlung beginnt. Ich kenne zahlreiche Menschen mit einer HIV-Infektion, die ein völlig normales Leben führen, einschließlich einer befriedigenden Sexualität.

Und - glauben Sie mir - die Ungewissheit und die Ängste, in denen Sie leben, sind viel schlimmer als es die Wahrheit je sein könnte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

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21.08.2019, 17:59 Uhr
Antwort

Hallo Herr Dr. Leidel,

 Ich habe eben nochmal die neu bestellten VIH Tests gemacht und wieder sind beide negativ. Ich hoffe damit kann ich das Thema HIV nun endlich an den Nagel hängen. 

Es ist wirklich Klasse von Ihnen, dass sie sich die Zeit nehmen und den Menschen hier helfen. Ganz große Klasse!!! 

Gibt es beim Blick auf meine Werte vielleicht einen Verdacht bei Ihnen? Stuhl habe ich auch schon untersuchen lassen, da ist alles i. O. 

Irgendwas muss ja die Werte erhöhen. 

 

Experte-Leidel
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22.08.2019, 08:35 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Marco,

ich glaube, Sie sind auf einem guten Weg. 

Nein, die auffälligen Werte kann ich nicht wirklich interpretieren. Ich bin auch kein guter Labormediziner und würde immer anders vorgehen. Ich würde nicht erst die Riesenlatte an Tests veranlassen und dann schauen, ob ich damit was anfangen kann, sondern würde von den Beschwerden und Symptomen ausgehen und dann evtl. gezielt Laboruntersuchungen zur Bestätigung durchführen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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