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Hepatitis-Impfung

Kategorie: Allgemeinmedizin » Expertenrat Impfungen | Expertenfrage

14.06.2015 | 16:00 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Leidel,

ich habe eine Frage zu einer Aussage, die Sie in diesem Forum (am 20.1.15) gemacht haben:

"Wir gehen mittlerweile davon aus, dass der Impfschutz gegen Hepatistis B praktisch lebenslang anhält, wenn nach der Grundimmunisierung [...] einmal Antikörper in einer Höhe von mindestens 100 Einheiten/l nachgewisen wurden."

Dazu meine Frage: Kann es denn überhaupt sein (sofern nicht die Impfung - aus welchen Gründen auch immer - fehlgeschlagen ist), dass nicht irgendwann einmal die erforderliche Antikörper-Höhe erreicht wurde? Mit anderen Worten: Kann ich Ihre Aussage dahingehend verstehen, dass, wenn man einmal ordentlich geimpft wurde, ein lebenslanger Schutz bestehen dürfte? Konkret: Ich habe im Jahre 2001 drei Twinrix-Spritzen bekommen. Ob der Antikörperwert danach irgendwann einmal bestimmt worden ist, weiß ich nicht.

Vielen Dank!

M.B.

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Experte-Leidel
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14.06.2015, 19:57 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Abend M. B.,

bei Infektionen, die eine lange "Inkubationszeit" (Zeit von der Ansteckung bis Auftreten der Krankheitszeichen) haben - wie z. B. Hepatitis B - , ist zur Verhinderung der Erkrankung der aktuelle Antikörper-Spiegel im Blut weniger wichtig als das "Immungedächtnis".

Der Gehalt des Blutes an Antikörpern kann im Laufe der Zeit bis unter die Nachweisbarkeitsgrenze absinken. Aber wenn durch die Impfung ein "Immungedächtnis" erzeugt wurde, führt ein erneuter Kontakt mit den Viren wie eine Auffrischimpfung dazu, dass die Antikörper rasch in großer Menge wieder gebildet werden.

Das Hepatitis B-Virus benötigt ca. 3 Monate, um sich so weit zu vermehren, dass Krankheitszeichen hervorgerufen werden könnten. Bis dahin ist aber wieder ein guter Schutz vorhanden.

Wenn sie 2001 3 mal mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A und B (Twinrix®) geimpft und dabei die Mindestabstände zwischen den Impfungen (4 Wochen zwischen 1. und 2. Impfung, 5 Monate zwischen 2. und 3. Impfung) eingehalten wurden, ist es sehr wahrscheinlich, dass bei Ihnen ein "Immungedächtnis" erzeugt wurde. Aber leider ist das nicht sicher. Gelegenmtlich schlägt die Impfung nicht an. Dabei unterscheiden wir zwischen "Non-Respondern", die gar nicht auf die Impfung reagieren, und "Low-Respondern", die nach Abschluss der Impfung weniger als 100 IE/l an Antikörpern im Blut hatten. Bei diesen ist die Ausbildung eines "Immungedächtnisses" unsicher.

Was heißt das nun für Sie? Wahrscheinlich haben sie einen Schutz und wenn, dann praktisch für das ganze Leben. Hepatitis B wird vor allem durch Sexuakität und durch Kontakt mit virushaltigem Blut übertragen. Das heißt, das Risiko hängt auch etwas von der persönlichen Situation ab. Wenn der sichere Schutz für Sie besonders wichtig ist, z. B. weil Sie im Gesundheitsbereich tätig sind oder schon eine vorgeschädigte Leber haben, dann kann man nachprüfen, ob ein "Immungedächtnis" besteht. Wenn Sie dies möchten, können Sie sich noch einmal impfen lassen und vier bis sechs Wochen nach der Impfung eine Blutuntersuchung auf Antikörper gegen Hepatitis B-Viren (anti-HBs) durchführen lassen. Liegt dann der Antikörper-Spiegel bei mindestens 100 IE/l, haben Sie einen sehr lang anhaltenden Schutz vor Erkrankung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

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14.06.2015, 20:13 Uhr
Kommentar

Vielen Dank für die schnelle, ausführliche und instruktive Antwort!

Noch eine kurze Nachfrage: Stellt ein sehr kurzer (wenige Sekunden dauernder) passiver Oralverkehr ein erhebliches Risiko für eine Infektion dar (vorausgesetzt, der Impfschutz besteht wider Erwarten nicht)?

Experte-Leidel
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15.06.2015, 10:55 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag M.B.,

nein, für ein erhebliches Risiko hlte ich das nicht. Übertragungen durch Speichel sind sehr selten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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18.06.2015, 11:22 Uhr
Kommentar

Sehr geehrter Herr Dr. Leidel,

die Titerbestimmung hat ergeben, dass ich Antikörper gegen Hepatitis A habe, aber gegen Hepatitis B keinerlei Antikörper nachweisbar sind. Haben Sie dafür eine Erklärung? Ist es möglich, dass ich hinsichtlich Hepatitis B non-responder bin, aber gegen Hepatitis A nicht?

Erneut vorab vielen Dank

M.B.

 

 

 

 

Experte-Leidel
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18.06.2015, 13:19 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Sehr geehrter M. B.,

es kann sich um genau das handeln, was ich in meiner ersten Antwort vom 14.06. geschrieben habe. Also darum, daß die Antikörper gegen Hep B nicht mehr nachweisbar sind, aber ein "Immungedächtnis" entstanden ist. Das würde bedeutetn dass Sie bei einem Kontakt mit Hep B-Viren sehr rasch wieder einen hohen Antikörperspiegel bekommen, der eine Erkrankung verhindert. Es kann aber auch sein, dass es sich bei Ihnen um einen Non-Responder handelt. Solche Non-Responder treten bei der Hep A-Impfung viel seltener auf.

Wenn Sie wissen möchten, was davon zutrifft, sollten Sie sich jetzt eine weitere Impfung gegen Hep B geben und 4 bis 6 Wochen später eine erneute Blutuntersuchung durchführen lassen. Wenn dann Anti-HBs über 100 IE/l liegt, habne Sie ein funktionierendes "Immungedächtnis" für Hep B und einen wahrscheinlich lebenslangen Schutz vor Erkrankung. Liegt Anti-HBs zwischen 10 und 100 IE/l, sind Sie ein sog. Low-Responder. Dann lautet die Empfehlung, direkt noch einmal zu impfen und 4 bis 6 Wochen später erneut zu testen. Sollte Anti-HBs dann immernoch < 100 IE/l liegen, kann man dieses Vorgehen fortsetzen. Das sollte man aber davon abhängig machen, wie wichtig ein Schutz vor Hep B für Sie ist (Übertragung durch Blut und Sexualität). Außerdem kann auch bei Anti-HBs < 100 IE/l ein Schutz vorhanden sein, um so eher, je näher an 100 der gemessene Wert liegt.

Wenn nach der empfohlenen "Test-Impfung" unter 10 IE/l liegt, sind Sie ein Non-Responder. Dann lautet die Empfehlung, die Werte für HBsAg und Anti-HBc zu bestimmen, um eine etwa vorbestehende chronische Hep B auszuschließen. Sind beide Werte negativ, sollte so verfahren werden, wie unter Low-Responder beschrieben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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18.06.2015, 13:35 Uhr
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Vielen Dank.

Eine letzte Nachfrage: Was ist erfahrungsgemäß wahrscheinlicher: Dass ich ein non-responder  bin oder dass nur das Immungedächtnis wieder aktiviert werden muss? Und lassen sich aus dem Umstand, dass A-Antikörper vorhanden waren, Rückschlüsse für diese Frage ziehen?

Mit freundlichen Grüßen

M.B.

 

 

 

 

 

Experte-Leidel
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18.06.2015, 14:32 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Nachtrag:

Hepatitis a und B haben in dieser Hinsicht nichts miteinander zu tun. Non-Responder sind bei Hep A sehr viel seltener.

Die Frage, was wahrscheinlicher sei, ist schwer zu beantworten. Non-Responder sind im Kindesalter und jungen Erwachsenenalter relativ selten, relativ häufig ist die Rate bei übergewichtigen und rauchenden Männern über 40 und natürlich bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (aber das ist alles nur Statistik). Wenn ich eine persönliche Einschätzung vornehmen soll, würde ich es für wahrscheinlicher halten, dass Sie auf die Impfung reagiert haben und dass die Antikörper wieder in ausreichender Höhe vorhanden sind, wenn das Immungedächtnis gboostert wird. Aber hjohe Summen würde ich darauf nicht wetten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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18.06.2015, 14:49 Uhr
Kommentar

Entschuldigung, da habe ich zuviel versprochen, dass das meine letzte Frage war: Wenn ich es richtig verstehe, kommt es bei der von Ihnen vorgenommenen Differenzierung auf das Alter zum Zeitpunkt der Impfung an? Ich war seinerzeit (2001) 25.Und haben non-responder ein erhöhtes Risiko, dass eine etwaige Infektion chronisch wird?

Bitte entschuldigen Sie meine Hartnäckigkeit, ich mache mir Sorgen wegen des oben geschilderten Risikokontaktes.

Nochmal vielen Dank!!

 

 

Experte-Leidel
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18.06.2015, 15:42 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Etwa 5% der Bevölkerung sind bei der Hepatits B-Impfung Non-Responder. Risikofaktoren dafür sind Alter über 40 Jahre, männliches Geschlecht, Übergewicht und Rauchen. Außerdem findet man mehr Non-Responder, wenn die Impfungen nicht in den Oberarmmuskel, sondern in den Gesäßmuskel erfolgen. Aber auch ohne diese faktoren kann es Non-Responder geben. Studien, ob das Risiko eines chronischen Verlaufs bei Non-Respondern erhöht ist, sind mir nicht bekannt..

Wegen des "Risikokontakts" würde ich mir keine Sorgen machen. Das war allenfalls ein minimales Risiko. 

Gern geschehen!

Dr. Jan Leidel

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19.06.2015, 09:40 Uhr
Kommentar

Sehr geehrter Herr Dr. Leidel,

meine - laienhafte! - Überlegung war folgende:

- Non-responder entwickeln keine Antikörper.

- Eine akute Infektion wird geheilt, wenn Antikörper produziert werden.

- Also müssten die non-responder, die keine Antikörper produzieren können, Gefahr laufen, dass die Infektion chronisch wird.

Aber das ist wahrscheinlich ZU laienhaft!

MfG, M.B.

 

 

 

 

 

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