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Erste Impfung beim Baby

Kategorie: Allgemeinmedizin » Expertenrat Impfungen | Expertenfrage

25.06.2020 | 15:51 Uhr

Guten Tag Herr Leidel,

 

ich fühle mich nicht gut beim Gedanken daran, mein Baby im Alter von 10 Wochen die ersten Impfungen nach Stiko geben zu lassen. Dies hat folgenden Hintergrund:

 

Das Kind von meiner Freundin hat sich bis zur 2. 6fach  -und  der 2. Rota- Impfung ganz normal entwickelt.  Nach diesen Impfungen bekam das Kind einige Stunden später sehr hohes Fieber  , welches sich nicht senken ließ.  Dieser Zustand dauerte einige Tage an. Danach hat das Kind eine sehr lange Zeit sehr schlecht gegessen.  Außerdem hat es sich nicht mehr altersgemäß entwickelt . Bis heute nicht.

Nun macht mir meine Freundin Angst . Ich soll mein Baby erst später impfen lassen und auch nicht alles. 

Ich muss dazu sagen , dass mein erstes Kind komplett ( außer Rota) durchgeimpft ist. Er hatte oft 2 Tage Fieber. Sonst nichts. Trotzdem lässt mich das schlechte Gefühl nicht los. Hinzu kommt auch , dass meine Homöopathin mich verrückt macht und mir dringend rät,  das Baby erst ab 6 Monaten impfen zu lassen .

Deswegen meine Frage an Sie : Was sagen Sie zu dem Fall von meiner Freundin ? Sind Ihnen ebenfalls Impfschäden bekannt? 

Und ab welchem Alter würden Sie ihr Kind impfen? (Die Rota Impfung wird mein Baby nicht bekommen,  dass habe ich bereits  mit der Kinderärztin besprochen. 

 

Vielen Dank für Ihre Mühe und Liebe Grüße 

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Experte-Leidel
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26.06.2020, 12:08 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

gerne will ich versuchen, Ihnen meine Meinung hierzu zu erläutern. 

Grundsätzlich: Die Anforderungen an die Wirksamkeit und Sicherheit von Impfstoffen sind wesentlich strenger als diejenigen an Medikamente zur Behandlung. Solche Medikamente werden bei Kranken eingesetzt, um deren Beschwerden zu lindern oder deren Gesundheit wiederherzustellen. Impfungen werden bei Gesunden eingesetzt, um diese vor möglichen Gefahren zu schützen. Daher die viel strengeren Anforderungen.

Laut WHO sind Schutzimpfungen (neben dem Zugang zu sauberem Wasser) die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung schwerer Krankheiten und Todefällen. Und UNICEF betont das Recht der Kinder auf die Impfungen, da anders das in der auch von Deurtschland unterschriebenen Kinderrechtskonvention der WHO verbriefte Recht der Kinder auf eine möglichst gute Gesundheit gar nicht verwirklicht werden könne.

Zur Praxis: Die STIKO erarbeitet sehr sorgfältig ihre Empfehlungen zu Zeit und Umfang der wichtigsten Impfungen. Dabei ist es wichtig, dass der Schutz möglichst früh vorhanden ist. Das Risiko, an einer Rota-Virus-Gastroenteritis schwer zu erkranken ist im frühen Säuglingsalter größer als später. Das Gleiche gilt für die HiB-Impfung, die Impfung gegen Keuchhusten und auch gegen Diphtherie, die früher eine der Hauptursachen für die Säuglingssterblichkeit war und deswegen auch "Würgeengel der Kinder" hieß. 1900 betrug in Köln z. B. die Säuglingssterblichkeit 25%! Heute sind es etwa 5 Promille. Und zu den wichtigsten Gründen zählten Durchfallerkrankungen und Diphtherie.

Ich kenne durchaus Eltern und Menschen, auch in Gesundheitsberufen, die sagen: "Die armen Würmchen werden doch viel zu früh geimpft mit einem noch nicht entwickelten immunsystem und dann auch gleich noch gegen 6 oder mehr Krankheiten." Und lieber einen späteren Impftermin hätten.

Das widerspricht der Notwendigkeit eines frühen Schutzes. Außerdem ist das Immunsystem von auch kleinen Säuglingen keineswegs "unreif". Dann müssten unsere Kinder in Sterilzelten aufwachsen. Und schon das Neugeborene setzt sich täglich mit einer Fülle von Antigenen aus der Umgebung, der Nahrung usw. auseinander. 

Und ein Kind, dass vor ca. 30 Jahren geimpft wurde, hatte es mit weit über tausend Antigenen zu tun. In einem modernen Sechsfach-Impfstoff sind weniger als 20 Antigene vorhanden.

Natürlich können auch Impfungen unerwünschte Nebenwirkungen haben: Zu den sog. üblichen Nebenwirkungen zählen Fieber unter 39 Grad für etwa bis zu drei Tage, selten länger, sowie Rötung, Schwellung und Schmerzhaftigkeit an der Impfstelle für ebenfalls bis zu 3 Tagen (selten länger).

Darüber hinausgehende Effekte gelten als Impfkomplikation und sind meldepflichtig. Dazu sind der impfende Arzt (oder die Ärztin) bzw. der oder die die Komplikation feststellende Arzt oder Ärztin verpflichtet. Die Meldungen erfolgen an das Paul-Ehrlich-Institut, dass alle Impfkomplikationen erfasst. Tatsächlich kommen solche Komplikationen vor, sind aber sehr selten. 

Seinerzeit wurden meine beiden Kinder und mittlerweile meine 5 Enkel alle zum frühesten Termin nach STIKO geimpft. Komplikationen gab es keine und alle haben sich prächtig entwickelt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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