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Eine Frage zu den Impfempfehlungen

Kategorie: Allgemeinmedizin » Expertenrat Impfungen | Expertenfrage

17.10.2020 | 13:46 Uhr

Guten Tag, Ich habe einmal eine Frage zum Ipfschutz. Momentan habe ich eigentlich soweit alle wichtigen Impfungen und bin erst in ein paar Jahren wieder dran. Allerdings lebe ich in meinem Haus mit noch ein wenig anderen Mitbewohnern. Zb. Fledermäusen im Dachboden. Jetzt hatte ich einen Hausarzt Besuch, weil ich mir da doch ein wenig unsicher war, was das Infektionsrisiko bei Tieren angeht. Er erklärte mir, dass wenn ich die empfohlenen Impfungen habe mir keinerlei Sorgen machen müsste. Bspw. fehlt mir die Tollwutimpfung. Dazu meinte der Arzt ebenfalls, dass die Grundimpfungen die bei mir eingetragen seien genügten um mich vor solch einer Infektion zu schützen. Der Grund wieso ich ihn besucht hatte waren zwei rote Punkte auf meiner Handfläche. Bin damit aufgewacht und habe sie halt erst spät bemerkt. Das brannte später so nen paar Stunden und dann war's eigentlich wieder schmerzunempfindlich. Unser Nachber hatte das auch einmal (sah ähnlich wie bei mir aus so ungefähr nen halben cm Abstand der offenen Hautstellen von einander) und der hatte die von so na Fledermaus abbekommen und musste trotz der empfohlenen Impfungen die er schon hatte sich jetzt nochmal gegen Tollwut impfen lassen. Ich meine so schlimm kann so nen Biss doch nicht sein oder muss ich mir da trotz Hausarztbesuch noch Gedanken machen. 

Freundliche Grüße

PS: Sollte ich mir in diesem Jahr eine Grippe Impfung geben lassen?

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Experte-Leidel
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17.10.2020, 15:53 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

ich weiß natürlich nicht, welche Impfungen Sie tatsächlich bekommen haben. Im Zusammenhang mit Ihrer Frage wäre ja vor allem die Impfung gegen Tollwut von Bedeutung, die nicht zu den Standardimpfungen gehört.

Es gibt Tollwut bei Fledermäusen, allerding sehr selten, etwas häufiger in Norddeutschland, sehr selten in Süddeutschland. Durch den Biss einer tollwutkranken Fledermaus kann die Tollwut übertragen werden. Allerdings  greifen diese scheuen Tiere normalerweise Menschen nicht an. Die sehr seltenen Fälle von Bissverletzungen durch Fledermäuse sind aufgetreten, wenn eine kranke Fledermaus hilflos am Boden flattert und ein Mensch versucht, sie mit bloßen Händen aufzunehmen, um ihr zu helfen.

Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die zwei roten Punkte auf der Handfläche ein Fledermausbiss gewesen sein können. Zumal Sie schon einen sehr tiefen Schlaf haben müssten, wenn Sie den Biss nicht gemerkt haben.

Wenn es jedoch wirklich eine Bissverletzung durch eine tollwutkranke Fledermaus gewesen sein sollte, wäre es unbedingt erforderlich, gegen Tollwut zu impfen. Falls Sie tatsächlich bereits früher komplett gegen Tollwut geimpft wurden, reichen jetzt zwei Impfungen. Falls nicht, würden Sie 4 bis 5 Impfungen benötigen. Ihr Arzt ist offenbar davon ausgegangen, dass es sich nicht um einen Fledermausbiss gehandelt hat, und hat möglicherweise die Impfung gegen Tetanus, die bei uns eher routinemäßig erfolgt, gemeint, als er sagte diese reiche aus.

Am besten wäre es, wenn Sie bei ihm nochmal nachfragen würden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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17.10.2020, 18:04 Uhr
Kommentar

Gut okay, dann hake ich da nochmal nach - 

dazu muss ich zugeben, dass es jetzt nicht danach klang, als wäre er auf bissverletungen spezialisiert. Ist übrigens schon öfters vorgekommen, dass ich vom Tierarzt zum Arzt weitergeleitet wurde, dieser erkennt Bisswunden irgendwie erstaunlich gut. Allgemein hätte ich jetzt eher die Frage welche Aspekte ich in Zukunft in Betracht ziehen sollte um nicht gleich jedes Mal bei zwei Punkten zum Arzt zu rennen. Ich meine eine Fledermaus habe ich in der Wohnung schonmal nicht entdeckt. Bitte nicht falsch verstehen aber gibt es da ein paar Punkte an denen man sich orientieren kann ob es jetzt brenzlich wird wie bei der Tollwutgeschichte, um nicht gleich das Gesunheitssystem durch Ärzte hopping zu überlasten. ich kenne ja die Regeln. Sie dürften gesetzlich keine Ferndiagnose machen. 

ich bedanke mich da schonmal ganz herzlich im Voraus 

Experte-Leidel
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18.10.2020, 14:07 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

man kann ein paar grundsätzliche Dinge anführen:

1. Deutschland ist seit 2008 als frei von Tollwut bei landlebenden Tieren zertifiziert. Und bislang gibt es keine Hinweise, dass sich (z. B. durch illegalen Import von Tieren) daran etwas geändert haben könnte.

2. Tollwut bei fFedermäusen gibt es noch, ist aber sehr selten.

3. Fledermäuse sind scheue Tiere, die leider-- wie viele andere Arten - gefährdet sind und deshalb unter strengen Schutzbestimmungenn stehen. Wer ihnen hilft (z. B. durch Bereitstellung von Nistmöglichkeiten) verdient Lob und Anerkennung. Weiteres erfahren sie beim NABU, dem Naturschutzbund Deutschland).

4. Fledermäuse verirren sich im Spätherbst manchmal in Wohnungen, deren Fenster geöffnet sind. Es handelt sich meist um Jungtiere auf der Suche nach einem Quartier für ihren Winterschlaf. Man sollte ihnen helfen, die Wohnung wieder zu verlassen, ohne sie jedoch direkt anzufassen. Fledermäuse z. B. im Dachboden sind normalerweise kein Problem.

5. Gefährlich sind folgende Kontakte: An erster Stelle steht der Biss einer Fledermaus. Meist kommt es zu einer solchen Verletzung, wenn man einer kranken Fledermaus am Boden helfen will und diese sich angegriffen fühlt. Also: Fledermäuse nur mit bissfesten Handschuhen anfassen.

Rote Punkte an der Haut, ohne dass man eine Fledermaus bemerkt hat, sind ein Problem: Sie werden häufiger vermutet. Meist wurde aber keine Fledermaus gesehen und kein Biss verspürt. Dann sollte man sicherheitshalber einen Arzt bzw. eine Ärztin zu Rate ziehen. Ein Arzt weit weg am Schreibtisch ist allenfalls die zweitbeste Lössung.

Auch der Kontakt einer Fledermaus mit einer offenen Wunde oder einer Schleimhaut (z. B. Augen, Mund) stellen ein Risiko dar und sollten zu einem Arztbesuch führen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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19.10.2020, 12:52 Uhr
Kommentar

Ja also wie schon vermerkt ich hatte den Arzt um folgendes gebeten: er solle einmal das Risiko einschätzen, dass in Verbindung mit einem Fledermausbiss steht. Eine Tollwutimpfung sah er aber nicht als erforderlich an. Ich denke ich werde jetzt einfach keine Impfung machen lassen, da ich sehr viele Verletzungen alleine beim Arbeiten auf dem Feld abbekomme. Was Sie gesagt hatten mit dem festen Schlaf kommt eben auch nicht ganz hin. Ich wurde die ganze Nacht lang von Mücken genervt also wenn ich dann eine Fledermausbiss nicht mitbekommen würde wäre irgendwas mit meinem Nervensystem sehr schief gelaufen.Ich merke als Patient aber auch gerne nochmal an, dass die Erfahrung gezeigt hat, dass ein Treffen mit einem Fledermaus Experten und oder einem Tierarzt vielen mehr gebracht hat als ein Hausarztbesuch. ohne Namen zu nennen kenne ich auch eine Geschichte, wo sich ein Hausarzt tatsächlich über seinen Partienten lustig gemacht habe, dass er Angst vor einem derartigen Biss habe. Also das ist aber auch lediglih meine Erfahrung und sollte nur als Randnotiz angemerkt werden. 

sonst einen schönen Tag noch 

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19.10.2020, 14:14 Uhr
Kommentar

Kleine Frage zu dem Kommentar, 

Ich vermute Sie meinten "kein Problem" 

Wäre echt hilfreich, wenn Sie das auch jetzt noch einmal bestätigen könnten. Dankeschön 

Experte-Leidel
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19.10.2020, 16:40 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Kunze2016,

leider habe ich nicht verstanden, was ich Ihnen bestätigen soll. Ich habe unter 4. in meiner antwort an Sie geschrieben

"Fledermäuse z. B. im Dachboden sind normalerweise kein Problem."

Ja, das kann ich gerne nochmal bestätigen. Aber - wie gesagt - ich weiß nicht wirklich, was Sie meinen.

Ihre Entscheidung gegen eine postexpositionelle Impfung kann ich nachvollziehen und halte sie für richtig.

Und damit sollten wir diesen Austausch beenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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19.10.2020, 22:26 Uhr
Kommentar

Doch doch das passt so. Perfekt danke 

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