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Auffrischung Tollwut-Impfung?

Kategorie: Allgemeinmedizin » Expertenrat Impfungen | Expertenfrage

29.03.2022 | 23:34 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Leidel,

folgende Frage zur möglichen Auffrischung meiner Tollwutimpfung:

Ich wurde mit dem HDC-Impfstoff grundimmunisiert (an Tag 0, 7 und 21). Normalerweise hätte ich ein Jahr später eine erste Auffrischung erhalten sollten. Nachdem ich in Afrika von einer Fledermaus angegriffen und gebissen wurde, habe ich aber bereits zehn Monate nach der ersten Impfung (also etwa neun Monate nach der letzten der Dreierserie) zwei Dosen (Tag 0 und 3) als PEP bekommen, und zwar auch mit dem HDC-Impfstoff.

Sie haben zu anderen Fragen schon öfter geantwortet, dass eine zu späte Auffrischung unkritisch sei und dass eine Auffrischung lieber "zu spät" als "zu früh" erfolgen sollte, z.B. haben Sie auf https://fragen.lifeline.de/expertenrat/frage/Expertenrat-Infektions-und-Reisemedizin/Frage-zu-Tollwutimpfung-HDC?threadId=15119656) geantwortet:

"Wenn Sie 2019 die 3 impfungen der Grundimmunisierung erhalten haben, sollte beim HDC-Impfstoff die Auffrischung 2020 erfolgen, wobei der Abstand schon nicht deutlich weniger als 12 Monate betragen sollte."

Genau das ist mir aber passiert. Wie bewertet Sie dies? Ist die zu frühe Auffrischung möglicherweise weniger wirksam? Wird dies evtl. dadurch kompensiert, dass ich kurz hintereinander zwei Dosen statt nur einer bekommen habe?

Das ganze ist jetzt etwa Jahre her und seitdem habe ich keine weiteren Auffrischungen bekommen, ein Antikörpertiter wurde noch nie bestimmt.

Sie weisen gelegentlich auf die unterschiedlichen Empfehlungen der Impfstoffhersteller einerseits und der WHO andererseits hin, z.B. auf https://fragen.lifeline.de/expertenrat/frage/Expertenrat-Infektions-und-Reisemedizin/Tollwur-Impfung-Auffrischung?threadId=15105892, wo Sie schreiben:

"Die Impfstoffhersteller empfehlen (bei weiter möglichen Risikosituationen) weitere Auffrischungen alle zwei bis fünf Jahre. Die WHO hält dies nicht für erforderlich. Sie sagt, wer vollständig geimpft ist (4 Impfungen) braucht in Risikosituationen nur die verkürzte PEP und kein Immunglobulin."

Haben Sie dazu eine persönliche Meinung bzw. eine Ratschlag in meinem konkreten Falle?

Herzliche Grüße und vielen Dank im Voraus!

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Bisherige Antworten
Experte-Leidel
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30.03.2022, 13:12 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag AnjaS,

glücklicherweise arbeitet unser Immunsystem nicht nach strikten Zeitvorgaben und der Stechuhr. Vielmehr handelt es sich bei den Herstellerangaben um die zeilichen Abfolgen, die sich bei den umfangreichen klinischen Prüfungen als effektiv herausgestellt haben. Und da können zwischen sehr ähnlichen Impfstoffen auch recht verschiedene zeitliche Abläufe also "Empfehlung" gelten. Das sehen Sie z. B., wenn Sie mal die Angaben zu den Auffrischimpfungen des HDC Impfstoffs und Rabipur vergleichen.

Ihre richtigerweise verkürzte PEP war ja nun einfach notwendig. Und ich würde diese beiden Impfungen ganz klar auch als ersten Booster sehen und völlig akzeptieren. 

Sie schreiben "das ganze ist jetzt etwa Jahre her ..." Da wäre es hilfreich gewesen, wenn auch noch eine Zahl dabei gestanden hätte :-).

Aber egal: Wenn es länger als 5 Jahre sind (und Sie mit Expositionen, also Reisen, Fledermauskontakt usw.) rechnen), würde ich mir jetzt wieder eine Auffrischung geben lassen.

Es ist richtig, dass ich auf die unterschiedlichen Aussagen von WHO und den Herstellern in Deutschland hingewiesen habe. Aber aus formalen und rechtlichen Gründen würde ich mich an die Herstellerangaben halten, die in der Regel auch den Zulassungsbestimmungen in Deutschland entsprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

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30.03.2022, 13:17 Uhr
Kommentar

Vielen Dank Herr Dr. Leidel!

Das ganze liegt 10 Jahre zurück. Also Auffrischung jetzt oder erst wieder vor einer nächsten Reise in ein Tollwutgebiet?

Experte-Leidel
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30.03.2022, 17:29 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Ich würde mir die Auffrischung jetzt geben lassen und in 5 Jahren die nächste.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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