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Was genau bewirken Abführmittel ???

Kategorie: Ernährung-Fitness » Expertenrat Ernährung, Diät und Abnehmen | Expertenfrage

14.06.1999 | 11:06 Uhr

Ich nehme täglich abführmittel. Ich bin mir dessen bewusst, das ich sie überdossiere. Ich leide an einer Bullimie und halte es nicht aus, zu spüren, dass das essen in meinem Körper bleibt. Nun wüsste ich gerne ob mein Körper trotzdem die Energie erhält von dem was ich esse, oder ob es praktisch so ist als äße ich gar nichts. #Ich muss dazu sagen, dass ich seit Wochen Durchfall habe, der vorallem unverdaut ist-aussieht.

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15.06.1999, 09:06 Uhr
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Hallo! <p>Abführmittel bewirken einen künstlichen Durchfall. Normalerweise wird der Nahrung im Darm sehr viel Wasser entzogen, da Wasser für den Körper so wichtig ist. Abführmittel bewirken, daß dieser Wasserentzug verringert wird. Dadurch erhöht sich die Füllmenge im Darm und der reagiert mit vermehrter Bewegung. Dadurch wird die Nahrung aber schneller transportiert und dem Darm bleibt nicht mehr genug Zeit, um alle lebensnotwendigen Stoffe in seine Zellen aufzunehmen. Du kannst so sehr viel Kalium verlieren. Ein Mangel an Kalium macht sich besonders an Muskel- und Nervenzellen bemerkbar. Die Muskeln können nicht mehr so arbeiten wie normal und es kann zu Schwäche und sogar Lähmungen kommen. Dadurch, daß auch Nervenzellen betroffen sind kann es zu Bewußtseinsstörungen kommen und auch zu Herzrhythmusstörungen. <p>Tina

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16.06.1999, 12:06 Uhr
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Heisst das auch, dass der Körper im Grunde nicht ernährt wird???
Danke für die ausführliche Antwort.

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16.06.1999, 23:06 Uhr
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Hallo! <p>Ich glaube, daß der Körper ganz gut in der Lage ist, einige Zeit ohne Hilfe von außen (also durch die Ernährung) klarzukommen. Es gibt immer einige Tricks, mit denen sich der Körper helfen kann. Du brauchst keine Angst zu haben, daß jetzt irgendetwas Schlimmes passiert. Ich würde Dir aber aus eigener Erfahrung raten, Deine Bulimie ernst zu nehmen und Dir Rat bei jemandem zu holen. Ich kenne sehr genau das Gefühl, nichts im Körper lassen zu können. Wenn es so stark ist, muß es eben einfach raus. Hast Du mal über eine Therapie nachgedacht, oder ist der Gedanke noch zu absurd für Dich? Vielleicht möchtest Du mir ja mal eine E-mail schreiben? <p>Tina

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17.06.1999, 01:06 Uhr
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Hallo und herzlichen Dank für Ihre Offenheit und wichtige Fragestellung! <p>Tina hat dazu schon sehr anschaulich beschrieben, was im Organismus durch die Einnahme von Abführmitteln passiert und welche schädigende Wirkungen diese auslösen können. Sie fragen, ob sie trotz Erbrechen und Durchfall ausreichend Nährstoffe über das Essen aufnehmen können. Der Körper kann eine Zeitlang Nährstoffmangel durch Reserven ausgleichen. Inwieweit ist sehr individuell zu untersuchen, da die gesamte Ernährungs- und Lebensweise auf Dauer miteinbezogen werden muß. Generell ist Bulimie auf Dauer gesundheitsschädigend und damit eine sehr ernstzunehmende Erkrankung, die wie gesagt, langfristig körperliche Schäden auslösen kann, die nicht oder teils nur schlecht wieder behoben werden können. Bitte lesen Sie zu möglichen Risiken, Erkrankungen mehr in diesem Pinboard unter der Antwort folgender Antfrage: <p>Bulimie , 18. August 1998 (Krankheitsbeschreibungen, Risiken etc..) <p>Auch weitere kann wichtige Hinweise geben:
Bulimie, 18.02.99 <p>Wenn Sie noch nicht in Behandlung (ärztlicher + therapeutischer) sind, möchte ich Ihnen dieses dringend ans Herz legen, da Sie Ihrem Körper schaden und ein abruptes Absetzen von Abführmitteln in Ihrer Situation nicht leichtfallen wird, sondern Sie unter entsprechender Hilfe eine langsame ?Entwöhnung angehen sollten. <p>Können Sie sich vorstellen, sich Hilfe zu suchen? <p>Ich wünsche Ihnen die nötige Kraft und den Mut und Willen, einen Weg aus der Krankheit zu wählen und umzusetzen!
Herzliche Grüße von Tanja Ploch vom Lifeline-Expertenteam

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18.06.1999, 10:06 Uhr
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Hallo
Ich war schon bei einer therapie, blos hat das mit den Abführitt danach angefangen. Erst war ich magersüchig und habe gar nichts gegessen - teilweise über wochen
und momentan bin ich einfach nur in meine einsamkeit verliebt und kann nicht ehrlich zu meinen Freunden sein. Ich glaube sie würden mich nicht verstehen und gerade jetzt finden sie sich langsam damit ab, dass ich eben betroffen bin. Ich habe einfach keine Lust mehr auf Therapie. Aber ich würde gerne per E-mail den Kontact halten. Wenn ich wenigstens per Internet jemandem bescheid sage is schon etwas beruhigend. Danke

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21.06.1999, 08:06 Uhr
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Hallo! <p>Du kannst mir gerne Deine E-mail-Adresse schicken, ich werde Dir dann zurückschreiben. Was für eine Therapie hast Du denn gemacht? Einzel- oder Gruppentherapie und wie lange? Ich weiß, daß es ziemlich schwer ist aus diesen in die Einsamkeit verliebt-Phasen wieder rauszukommen. Also schreib ruhig, wenn Du möchtest. <p>Tina

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21.06.1999, 16:06 Uhr
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Hallo,
Tina hat Ihnen angeboten, ihr zu schreiben. Schreiben kann wie eine Art ?Ventil wirken und eine Art ?Halt bieten. Auch findet durch den Austausch z. B. mit anderen Betroffenen eine Art Selbstreflektion statt, etwa wie in der Funktion einer Selbsthilfegruppe. Kennen Sie auch unsere Foren, wie etwa ?Let?s talk?
Wie auch Tina fragte würde mich interessieren, welche Art und wie lange Sie in Therapie waren. Vielleicht haben Sie ja Lust, hierüber etwas zu schreiben, auch wenn Sie keine Lust mehr auf Therapie haben. Danach haben Sie angefangen, Abführmittel zu nehmen. Fühlten Sie sich in der Therapie nicht gut verstanden?
Haben Sie schonmal natürliche Alternativen zu Abführmitteln ausprobiert, wie etwa stoffwechselfördernde Getränke (z.B. Sauerkrautsaft, Buttermilch, grüner Tee), dazu ballaststoffeiche Kost, wie etwa ein Naturjoghurt mit Weizenkleie gemischt, getrocknete Pflaumen oder ähnliches.
Hierbei ist VIEL TRINKEN (z.B. Wasser, Kräutertees, Apfelsaftschorle) sehr sehr wichtig, damit die Ballaststoffe im Darm quellen können, der Darm somit in Bewegung kommt und für eine gute Verdauung sorgt. Ballaststoffe enthalten keine Kalorien, sind aber wie erwähnt für eine gesunde Darmfunktion unentbehrlich und haben den Vorteil, daß sie langanhaltend sättigen, da durch die Ballaststoffe Kohlenhydrate langsamer in den Blutkreislauf gelangen und der Blutzuckerspiegel dadurch länger konstant bleibt - was z. B. Heißhungergefühlen entgegenwirkt -. <p>Können Sie sich vorstellen, öfter mal kleine vollkörnige, gemüsige und obstreiche Mahlzeiten zu sich zu nehmen, diese LANGSAM zu kauen und z. B. danach einen ausgiebigen Spaziergang unternehmen, um sich mit dem Gefühl etwas vertraut zu machen, daß das Ihrem Körper gut tut, die Nährstoffe aufgenommen werden können (wie Vitamine, Mineralstoffe) bis die natürliche Verdauung einsetzt?
Ich weiß, daß das nicht von heut auf morgen mal so eben umsetzbar ist. Aber wie wäre es mit kleinen Schritten - immer mal wieder prbieren und ?nachspüren...vielleicht ja auch unmittelbar danach aufschreiben, wie Sie sich fühlen...? <p>Zum Schreiben und der Überwindung der Einsamkeit hat Franz Kafka mal etwas sehr Zutreffendes formuliert:
?Ich schreibe seit ein paar Tagen, möchte es sich halten...Ich kann wieder ein Zwiegespräch mit mir führen und starre nicht in so vollständige Leere. Nur auf diesem Wege gibt es für mich eine Besserung. <p>In diesem Sinne, herzlich Willkommen in unseren Pinboards und ganz ganz viel Kraft und Vertrauen für Sie wünscht
Tanja Ploch vom Lifeline-Expertenteam

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22.06.1999, 04:06 Uhr
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Vielen Dank für eure lange Antwort.
Die Sache mit den Ballaststoffen ist mir schon soweit bewusst, dass ich in meiner doch so einseitigen Ernährung gerade diese Dinge zu mir nehme... aber wie gesagt danach abführmittel benutze oder sie wieder ausbreche. Ich nehme so gut wie gar keine Eiweiss stoffe zu mir und fett auch nicht. Das heisst mein Essproblem liegt in dem Berreich. Ich esse sehr viel Gemüse, vorallem solches was viel Wasser enthält (Tomaten Gurken Grüner Salat). Und dann esse ich meistens als Beilage Vollkornkräcker. Das heisst ich habe also nicht das Problem, nicht zu wissen was ich essen soll. Im Gegenteil ich bin viel zu gut informiert.
Was die Therapie betrifft:
Ich war im Ausland (Argentinien), dort wohnt mein Vater, bei einer Therapie und die hat mir wirklich gut getan. Ich war dort umgeben von einem Ärzteteam, da gab es Zahnärzte, Psyschologen, Dermatologen, Ernährungsberaterinnen und Algemeinmediziner. Es war alles kosten los und basierte auf eigenem Interesse der Ärtzte eines Krankenhauses. Das gab den Patienten, so mir auch, das Gefühl, dass man ihnen ehrlich helfen wollte.
Als ich hier ankam hatte ich auch schon einen Termin bei ner Ernährungsberatungsstelle und nach 30 Minuten Beratungsgespräch meinte die Therapeutin sie müsse nun die Abrechnung machen und ich musste dann bezahlen. Ich wusste das schon bevor ich hingegangen war und hatte dadurch das Gefühl ich würde nur behandelt werden, weil es Geld dafür gibt. Das menschliche kam einfach zu kurz. Es ist mir schon klar, dass ich das selbe hier nicht finden werde, aber es ist so schwer überhaupt noch was finden zu wollen.
Ich denke oft darüber nach wieder nach Argentinien zu gehen, aber ich glaube es ist auch nicht die Lösung zu fliehen.
Trotzdem vielen dank und bis bald.

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