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Verspannungen oder die Psyche

Kategorie: Leben-Familie » Expertenrat Depression - Burnout - Stress | Expertenfrage

26.02.2012 | 11:29 Uhr

Sehr geehrte Experten,

alles begann im August letzten Jahres: Nackenschmerzen und ein diffuses Schwindelgefühl veranlassten mich zu einem Arztbesuch. Mein Hausarzt meinte, dass das von der HWS käme und renkte mich ein. Das Schwindelgefühl verstärkte sich und ich wurde noch einmal eingerenkt. Auch dieser Vorgang verschlimmerte meine Beschwerden und mein Arzt verschrieb mir Krankengymnastik. Dort wurde mehrere Blockierungen im HWS/BWS-Bereich gelöst. Das Schwindelgefühl wurde langsam besser, was blieb sind enorme Nackenschmerzen und ein völlig verspannter Hals. Diese Verspannungen verschlimmerten sich zunehmend - inzwischen schmerzt mein ganzer Rücken. Meine HWS knackt und knirscht; beim einatmen schmerzt sowohl mein Rücken als auch mein Bauch. Was aber am schlimmsten ist, ist ein neues Schwindelgefühl - ein Gefühl, welches ich als blitzartig beschreiben würde und aus dem Rücken herauszukommen scheint. (Vielleicht ein eingeklemmter Nerv?) Es folgt eine Benommenheit (Wattigkeit) im Kopf und natürlich ergreift mich in diesem Moment die Panik, weil ich nicht weiß was mit mir geschieht. Ich habe in diesen Momenten das Gefühl, dass ich umfallen und nicht wieder aufwachen würde. Kieferknacken, Ohrengeräusche, Spannungsschmerzen, Schulterschmerzen und schmerzende Beine begleiten mich von Tag zu Tag.Weder der Besuch beim Neurologen noch der HNO-Arzt noch der Hausarzt haben einen Befund. Ich muss dazu sagen, dass sich Bescherden in einer für mich sehr stressiegn Zeit eingestellt haben.

Ich fühle mich inzwischen von den bereits angeführten Symtomen und Schmerzen sehr beeinträchtig und beschäftige mich andauernd damit, nach irgendwelchen Krankheiten zu suchen, die dieses Symptome hervorrufen. Ein Arztbesuch jagt den anderen, weil ich ständig neue Symptome entdecke. Vom Gehrintumor bis hin zur Lungenembolie habe ich in meinen Gedanken schon alles gehabt, was natürlich zusätzliche Angstgefühle weckt.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass alles mit harmlosen Verspannungen begonnen hat und nun zu eskalieren droht. Die ganzen Begleiterscheinungen der Verspannungen, Blockierungen etc. haben mich dazu gebracht, mich ständig mit meinem Körper zu beschäftigen. Ich mache mir permanent Sorgen um meine Gesundheit (bzw. noch nicht gefundenen Krankheit). Kann der Rücken der Auslöser dieser scheinbar ausweglosen Situation sein??? Ich will was dagegen unternehmen - weiß bloss nicht wirklich wie.

Ich wäre Ihnen für eine Antwort sehr sehr dankbar.

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Bisherige Antworten
Expertin-Buchgert
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28.02.2012, 07:10 Uhr
Antwort von Expertin-Buchgert

Vielen Dank für Ihre Anfrage.
Psychische Belastungen und Muskelspannungen ganz eng miteinander gekoppelt.
Wenn Sie unter psychischer Belastung eine Stressreaktion zeigen (das tun die meisten Menschen), hat das ganz reale körperliche Auswirkungen. Bei einer Stressreaktion steigen Atem- und Herzfrequenz, Blutdruck und Muskelspannung. Die Verdauung dagegen läuft auf Sparflamme. Auch ihr Immunsystem wird beeinflusst, Energiereserven bereitgestellt. Im ursprünglichen Sinn ist das eine sehr sinnvolle Sache. Der Körper wird für eine Gefahrensituation vorbereitet, die über körperliche Aktivität zu lösen ist. Durch Flucht oder Angriff.
Unser Dilemma in einer modernen Welt ist, dass wir noch die gleiche Stressreaktion zeigen wie der Urmensch, aber unter ganz anderen Bedingungen leben. Stressreaktionen werden häufiger und über lange Zeiträume ausgelöst, eine körperliche Aktivität zum Abbau findet praktisch nie statt. Das bedeutet, dass die erhöhte Muskelspannung lange bestehen bleibt, ebenso der erhöhte Blutdruck, ins Blut ausgeschüttete Energiereserven bleiben ungenutzt... Diese Effekte können vielfältige körperliche Beschwerden hervorrufen. Das sind keine eingebildeten Symptome, sondern ganz reale. Nur die Ursache ist eine andere als angenommen.
Wenn, wie bei Ihnen, Ängste vor Erkrankung stark zunehmen, ist es sinnvoll, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie können sich dazu an jede psychotherapeutische Praxis wenden.
Wenn Sie vorher selbst estwas zum Thema lesen möchten, würde ich Ihnen den Selbsthilferatgeber Somatoforme Beschwerden und Krankheitsängste von Rauh und Rief, erschienen bei Hogrefe empfehlen.
mit freundlichen Grüssen I. Buchgert

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