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Eine ElektroKrampf Therapie ........ Leichtsinnig?

Kategorie: Leben-Familie » Expertenrat Depression - Burnout - Stress | Expertenfrage

28.07.2020 | 17:12 Uhr

Hallo Experten,

   Mein Freund, (wir haben eine LAT Beziehung),  hat schon längere Zeit Psychopharmaka wegen seine Depression.  Er ist deswegen in Behandlung bei eine  Psychotherapeutin.

 Ich habe bei meinen Freund nie Auswirkungen seine Depression auf meinem Umgang mit Ihm erfahren.  Deshalb bin ich immer davon ausgegangen das es eine leichte Depression wäre/ist womit wir leben können.

 Aber einige persönliche Vorfälle die nicht auf mich bezogen sind, haben vor 2 Monate die Lage etwas verschlimmert.  Als letzte war dabei auch eine Entlassung.  Dann nach einen Aufenthalt in eine Klinik  ist er später in eine andere Klinik gegangen.  (25 Juni bis 21 Juli)  Und da hat er ohne psychotherapeutische  Vorbehandlung  eine  Elektrokrampf Therapie bekommen  und dass 6 mal innerhalb die 3 und eine halbe Woche das er da war.  Auch war ich nicht informiert worden vorab.

   Ich weiß nicht wie ich vorgehen soll.  Ich finde die Behandlung hat  leichtsinnig stattgefunden.  Mein Freund hat darin zugestimmt.  Aber wenn man depressive ist und der Arzt oder Ärzte erzählen einen in eine Klinik wo man eine Behandlung erwartet das eine EKT da  Linderung kann bringen  dann ist es für so jemanden schwierig Parole zu bieten…

Eine EKT soweit ich verstehe und gelesen habe wird nur in äußersten fälle verwendet.  Und ich glaube das war es hier noch lange nicht….  In die letzte Klinik wo er den EKT bekam ist keine Vorbehandlung mit Psychotherapie gemacht worden.  Man hat seine Medikamente angeschaut so habe ich verstanden von meinen Freund. Und da war etwas Beschäftigung Therapie.

Obwohl ich jetzt weiß dass eine EKT nicht mehr den Elektroshock aus der 50ziger Jahre ähnelt. Man verwendet jetzt  Narkose und Muskelentspannungsmedikamente.  Aber es bleibt eine sehr tief eingreifende Behandlung in die Persönlichkeit eines Menschen. 

Auch habe ich leichte Veränderungen bei meinem Freund festgestellt.  Seine Stimme hat einen anderen Ton dabei.  Es hört sich „gebrochen“ an.   Es ist gerade  eine Woche her das er aus die Klinik entlassen wurde….   Es ist ab zu warten wie das weiter geht…. Ich befürchte schlechter…

Hoffentlich haben Sie einige gute Ratschlage oder kennen eine Stelle wo ich mich wenden kann für weitere Fragen/Hilfe. 

Mit freundlichen Gruß,

Anonym

 

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Bisherige Antworten
Lifeline Gesundheitsteam
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29.07.2020, 10:52 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo Anonym,

oftmals ist es sinnvoll, wenn einer der Partner an einer Depression leidet, die auch noch durch äußere Einflüsse verschlechtert wird, dass sich auch der andere Partner in Behandlung begibt oder zumindest an der Therapie des Partners mehr oder weniger aktiv teilnimmt.
Da Sie Ihren Freund offensichtlich nicht ständig sahen, kann es natürlich sein, dass Sie den vollen Umfang seiner Erkrankung nicht mitbekommen haben - was auch für die Beziehung spricht, offensichtlich hat er in Ihrer Anwesenheit eine bessere Stimmung und kann sich gut ablenken.
Zur EKT: Ja, diese wird dann eingesetzt, wenn die Symptome sehr stark sind und Medikamente keinen Erfolg bringen oder auch, wenn eine komplexer Symptomkomplex vorliegt.
Dass vorher keine Psychotherapie stattgefunden hat, kann durchaus sinnvoll sein, man kann versuchen, die schwere depressive Symptomatik schnell mittels EKT zu durchbrechen, damit diese nicht "chronifiziert", also der Patient sich so sehr daran gewöhnt, dass es immer schwerer wird, einen normalen Alltag wiederzufinden.
Was letztendlich der Ausschlag war, wissen wir natürlich nicht und es kann helfen, wenn Sie mir Ihrem Freund darüber sprechen. Wichtig ist dabei aber zu beachten, dass Sie das vor ihm keinesfalls bewerten, weder positiv noch negativ, da es seine eigene Entscheidung war, und außerdem, dass es bei der Behandlung um das Empfinden Ihres Freundes geht. Wenn er sich für die Behandlung entschieden hat, dann deshalb, weil es um sein Wohlbefinden geht. Wenn es ihm jetzt besser geht, dann sollten Sie das anerkennen, um ihn auf seinem Weg aus der Depression zu unterstützen. Die Maßnahmen, die er in Absprache mit den behandelnden Ärzten hierzu ergreift, sind seine Entscheidung. Werten Sie diese ab, setzt ihn das unter Druck. Die Entscheidungen sind ohnehin auch so schon schwer genug für ihn zu treffen.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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29.07.2020, 14:42 Uhr
Kommentar

Hallo Lifeline Gesundheitsteam,

   Danke für ihre schnelle Antwort.

Ich bin gerade dabei die Broschure  des   DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR PSYCHIATRIE UND PSYCHOTHERATPIE, PSYCHOSOMATIK UND NERVENHEILKUNDE E.V.  zu lesen die über die EKT handelt.   Darin steht genau was sie hier sagen…    „Eile“  wird als Argument verwendet und auch die „Chronifizierung“. ( Dauerhaftigkeit/Beständigkeit so würde ich dass Umschreiben. )  Argumente womit man jemanden der Schwach (durch die Depression)  und guten Gemüts ist  auf sanfte Weiße unter Druck setzt.

    In ein junges Schreiben von  John Read, Irving Kirsch und Laura McGrath:  ELECTROCONVULSIVE THERAPY FOR DEPRESSION: A REVIEW OF THE QUALITY OF ECT VERSUS SHAM ECT TRIALS AND META-ANALYSES.   in die Zeitschrift  ETHICAL HUMAN PSYCHOLOGY AND PSYCHIATRY,   kommen beide Wissenschaftler zu die Schlussfolgerung  das  EKT  ab sofort eingestellt werden sollte.  Die Beweislage ist meistens auf sehr alte Studien bezogen die auch oft mittelmäßig waren.  Die Placebo-Wirkung die so eine Behandlung haben kann  (also hohe Erwartungen beim Patienten eventuell auch beim Arzt den der Arzt auch noch spiegeln kann)  wird dann als Erfolg angesehen und  nicht ihre weitere langjährige negative Einwirkung.   Die Nebenwirkungen, Gedächtnisverlust und  Hirnbeschädigung,  sind die folgen auf lange Sicht. (Bei den einen schwerer als den anderen).  Und ich vermute auch die Fähigkeit Kreativ zu sein wird eingeschrenkt/beeinträchtigt.

Hier zitiere ich  Irving Kirsch ins deutsch übersetzt von mir aus dem englischen.  Ausgesprochen in das Video  auf Youtube:    John Read and Irving Kirsch – Electroconvulsive Therapy (ECT) Does the Evidence From Clinical…         von   Juni 13, 2020  auf  das  Youtube Kanal:   Mad in America.  Ab ungefähr  35:25 Minuten… ist es zu hören.

EKT  soll verboten werden.  Deutlich und Einfach.   Ein Grund dafür sind die starke Nebenwirkungen  (Gedächtnisverlust und Hirnbeschädigungen) .  Zweiter Grund da sind keine gute  Beweise für  den positiven Effekt dieser Behandlung auf lange Sicht gesehen. Nur der Placebo Effekt kann anwesend sein wobei der Patient, wegen seine/ihre hohe Erwartungen an diese Behandlung  sich direkt nachher sehr gut füllt.   Und drittens  es gibt genug andere Behandlungsarten dass wenn bei eine Behandlung ein Placebo Effekt eintritt man es mit psychologische Behandlung/Therapie weiter verfolgen kann.

Die Autoren diese Studie sagen deutlich das erstmal  eine sehr gut ausgeführte Studie gemacht werden sollte.  Danach könnte man mal schauen was besser wäre…

  In diese Studie würde auch geschaut was in eine Klinik den Patienten alles gesagt wurde über diese Behandlung..      Von meinen Freund hörte ich das man ihm gesagt  hat   das es eine Art  Reset war.   Ein Reset des Hirn…  wenn das so wäre  dann sollte jeder das ab und zu machen.  Machen die Ärzte dass dann auch?

Also Sie verstehen das ich überhaupt diese Anwendung ablehne.   Ich bin leider überzeugt das mein Freund mit  einem schöne Flyer und Worte  und  seine Hoffnung auf  Heilung/Verbesserung  da eingestimmt hat.  

Mit freundlichen Gruß,

Anonym

 

Lifeline Gesundheitsteam
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30.07.2020, 22:47 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo Anonym,

die EKT ist tatsächlich teilweise umstritten, gehört aber derzeit zu den möglichen Behandlungsmethoden, wenngleich sie auch nicht leichtsinnig eingesetzt werden sollte.
Wie der Verlauf bei Ihrem Partner war, wissen wir natürlich nicht, die Chronifizierung ist aber tatsächlich gerade in der Psychiatrie ein nicht zu unterschätzendes Vorkommnis. Dass deswegen schnell gehandelt wird, ist nachvollziehbar und tatsächlich zu empfehlen. Welche Alternativen angeboten oder ausprobiert wurden, medikamentös wie therapeutisch, ist uns leider nicht bekannt, deswegen können wir hierzu auch nichts sagen.
Bezüglich des von Ihnen genannten Interviews sagt Kirsch tatsächlich, dass er der Meinung ist, dass die EKT eingestellt werden sollte, bis ein statistischer Beweis zur Wirksamkeit erbracht werden kann, getestet gegen Placebo. Die Schwierigkeiten an der Durchführung hierzu werden allerdings auch benannt: Zum einen kann man kaum ein Placebo der ECT einsetzen, mit Narkose etc. ist es auch kaum vertretbar (wenngleich es auch interessant wäre, zu überprüfen, ob alleine eine Narkose einen Effekt auf die Depression hat), zum anderen berichtet Read auch, dass jede Verabreichung eines Placebos bereits ein psychotherapeutischer Eingriff ist - je invasiver, desto stärkere Wirkung eventuell.
Fragwürdig aus der Sicht der Autoren sind also die Nebenwirkungen, diese sind tatsächlich fragwürdig.
Mit Ihrem letzten Absatz sprechen Sie aber genau die Problematik an, den unkomplizierten Wunsch auf Besserung. Ist die Hoffnung groß, kommt natürlich auch mehr "Placeboeffekt" zum Einsatz. Offensichtlich war Ihr Freund ja sozusagen genau dafür "empfänglich", was möglicherweise ja der Depression geschuldet sein mag. Hier entsteht aber genau ein ethisches Problem, für das es keine eindeutige Antwort gibt: Ist ein depressiver Patient einwilligungsfähig oder nicht?

Wir hoffen, wir konnten damit etwas Aufklärung beitragen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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