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Burnout schon während der Ausbildung?

Kategorie: Leben-Familie » Expertenrat Depression - Burnout - Stress | Expertenfrage

10.09.2010 | 10:53 Uhr

Hallo,
ich mache mir seit längerer Zeit ganz große Sorgen um meinen Mann,der grade im 3. Ausbildungsjahr ist(24 jahre alt).Alles begann damit dass wir Anfang des Jahres unser Kind im 6. Monat verloren haben-seine Chefin bewilligte ihm 3Tage Urlaub um das ganze zu verarbeiten und drohte ihm schon dass er sich ja nicht krankschreiben lassen solle.Da er sehr pflichtbewusst ist und seine Ausbildung sehr ernst nimmt befolgte er dies natürlich. Im Mai stellte sich dann heraus dass er einen akuten Bandscheibenvorfall hatte,woraf hin er &Wochen krank geschrieben war(eigentlich wollte der behandelnde Arzt eine Wiedereingliederung,aber mein Mann lehnte diese auf Druck seiner Chefin ab).In dieser Zeit bat uns seine Chefin zu ihm-sie machte auf mich einen sehr netten Eindruck und sagte sofort dass das alles in Ordnung wäre.Seit Juli arbeitet mein Mann wieder und seitdem schläft er keine Nacht durch,redet nur noch von seiner Arbeit,kommt Heim und überlegt den ganzen abend ob er alles richtig gemacht hat.Ich kann ihn einfach zu absolut nichts mehr bewegen-kein ausgehen,kein Sport-er hat sich absolut zurückgezogen-möchte nur noch Zeit mit mir alleine.Gestern kam es dann dazu dass seine Chefin ihm seinen Urlaub gestrichen hat und zu ihm sagte er würde den Tod unseres Kindes und sein Rückenleiden ausnutzen in der Firma und unterstellte ihm alles erfunden zu haben.Mein Mann kam absolut aufgelöst von der Arbeit und kam aus dem weinen gar nicht mehr raus.Meine Frage ist nun was kann ich tun?sind das Anzeichen eines Burnouts?Mein Mann weigert sich strikt zum Arzt zu gehen,da er große angst hat als faul hingestellt zu werden.Was kann ich bloß tun?

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10.09.2010, 01:15 Uhr
Antwort

Hallo Charlotte,

danke vielmals für Ihren Beitrag, den ich gerne beantworten möchte.

Ein Kind zu verlieren ist sicher ein schwerer Schicksalsschlag für Eltern und es ist sehr wichtig, glaube ich, damit umgehen zu lernen und das verarbeiten zu lernen, auch wenn sich das einfach anhört, es ist sicher ein schwerer Weg, aber ein wichtiger Weg, weil Sie beide noch so jung sind.

Was Ihr Mann allerdings in der Firma erlebt, so wie Sie das in Ihrem Bericht schildern, klingt für mich schon wie eine Mobbing Situation und möglicherweise auch wie eine beginnende Depression und ein Burn out Syndrom.
Es gibt grundsätzlich 2 Wege, wie man so eine Situation lösen kann.

Wenn die Firma, oder seine Chefin, ihn loshaben will ,weil er angeblich zu wenig leistet oder als Spass krank feiert, wie Sie schreiben. dann wird die Firma ihn immer weiter traktieren.

Selber kündigen ist oft schlecht, zumal sich dann die Firma freut.
Man kann, wenn man starke Nerven hat, zur Arbeit gehen und warten, bis man gekündigt wird oder sich krank schreiben lassen. Und am besten lässt man sich von einem Anwalt noch beraten, bzw. spricht einmal beim Arbeitsamt / Arbeitsgericht vor.

Auf jeden Fall gehört Ihr Mann in Behandlung, entweder beim Facharzt für Psychiatrie oder bei einem Psychotherapeuten.
Wichtig ist auch, dass man ihm nicht nur Medikamente verschreibt, sondern ich würde es erst mal versuchen, mit einer Gesprächstherapie.
Ein Kind zu verlieren, einen Bandscheibenvorfall in so jungem Alter ...das ist gesundheitlich keine Kleinigkeit und der Bandscheibenvorfall ist mehr als ein Signal des Körpers ich kann nicht mehr, ich habe keine Energie mehr. Kommt jetzt noch eine psychische Reaktion dazu, dann kann das Ganze richtig eskalieren, wie Sie ja andeuten.
Es lohnt sich nicht im Leben, für niemandem und schon gar nicht für irgendeine Chefin oder einen Chef, sich derart psychisch demotivieren zu lassen oder sich emotional permanent verletzten zu lassen.

Dann muss man da raus, die Stelle wechseln oder eine andere Regelung finden. Wie man sich am besten verhält, da würde ich mich anwaltlich beraten lassen. Und ggf. auch eine Anzeige gegen diese Chefin vornehmen, wenn Sie Unterstellungen äußert, die man auch als Rufschädigung bezeichnen könnte.
ich bin mir fast sicher, dass Ihr Freund länger krank geschrieben wird und auch eine Reha bekommt, Sie können die Probleme nicht lösen und kommen gegen eine Depression nicht an, er benötigt professionelle Hilfe und ich denke, dann wird das auch alles besser.

Ich würde Ihnen anraten, nicht so weiter zu machen, und die Ärzte sind mit diesen Krankeitsbild vertraut, Sie müssen nur den richtigen Arzt aufsuchen, als faul wird kein Patient dahingestellt mit dieser Lebensgeschichte, das kann ich mir niemals vorstellen.
Die Chefin ist unberechenbar, das sehen Sie ja an den Aussagen, und Unterstellungen, die sie trifft ,
Sie könnne so gute Leistung bringen , wie Sie wollen, möchte eine Firma jemanden raus haben, Druck aus üben oder Mobbing praktizieren, hat man leider wenig Chancen in unser Gesellschaft.
Aber Ihr Freund kann mit einem guten Therapeuten und einem Anwalt das Bestmöglichste für sich herausholen.
Der wichtigste Schritt wäre , dass Ihr Freund mit Ihnen zum Arzt geht und Hilfe sucht , den ersten Schritt muss er machen.

Und man wartet oft viele Monate auf einen Platz in einer Psychosomatischen Rehaklinik, aber man wird meist arbeitsunfähig geschrieben, bis man die Therapie beginnen kann.

Gute Besserung, Dr. Beate Els

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10.09.2010, 01:37 Uhr
Antwort

Vielen Dank für diese schnelle Antwort!Ich denke zum Arzt werde ich ihn schon bekommen aber alleine in eine Reha-Klinik-niemals. Mir geht es eigentlich auch nicht besser,obwohl ich das von vielen so gelobte Studentenlebenführe.Bei mir ist es aber so weit dass ich mich teilweise nicht mehr dazu aufraffen kann zur Uni zu gehen,da ich all meine Kraft für den Haushalt,meinen Mann,etc. benötige-zumal er unbedingt sofort wieder möchte dass ich schwanger werde.Da ich ein absoluter Leihe bin,weiß ich nicht ob es die Möglichkeit geben würde zusammen eine Reha oder ähnliches anzutreten-können Sie mir dazu vielleicht noch Auskunft geben?
Lieben Dank!

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10.09.2010, 02:05 Uhr
Antwort

Hallo Charlotte,.

es geht sicher, dass man gemeinsam eine Reha beantragt, nur würde ich davon abraten.
Sie sollen ja in der Reha sich ganz auf sich konzentrieren können und auch durch räumlichen Abstand Raum gewinnen, nachzudenken, sich zu erholen , neue Kraft zu schöpfen, um dann das Leben in eine andere Richtung zu lenken. Wenn Sie miteinander dort sind, dann glaube ich, dass dies kaum gelingen kann. Ich bin aber kein Psychotherapeut und auch nicht derjenige, der einen Antrag ablehnt oder zustimmt, ich würde den Hausarzt fragen ( kennt sich i.d. R. aus mit diesen Anträgen) oder einen Therapeuten.

Für Sie wäre das gleiche Procedere aber wichtig, Sie schreiben es ja nun auch, was ich mir fast schon gedacht habe.
Eine erneute Schwangerschaft müssen Sie beide entscheiden, und ich glaube, man muss erst mal das Geschehene verarbeiten. Entscheiden Sie das vor allem, Sie sind dann die Mutter , lassen Sie sich niemals von einem Freund oder Mann zu einer Schwangerschaft drängen.
Ich glaube nicht, dass Ihr Mann das Ganze ohne ärztliche Betreuung verarbeiten kann, und Sie auch nicht.
Was Sie gemeinsam machen könnten, wäre eine Paartherapie beim Therapeuten, das ging gemeinsam.
Aber all das und ob das geeignet wäre, muss mit dem Therapeuten besprochen werden.
Ich würde mich erst an den Hausarzt wenden und mich , bzw, auch Ihren Freund, weiter überweisen lassen.
Über Reha Kliniken könnten Sie auch schon mal Auskünfte bei Ihrer Krankenkassse einholen, leider haben Sie keine freie Wahl, jede Kasse hat Verträge mit gewissen Kliniken.

Sie müssen Ihr Studium wieder konzentriert absolvieren und Ihr Freund muss seine Situation lösen oder lösen lernen, schnell eine neue Schwangerschaft herbeizuführen, ist meiner Meinung nicht der richtige Weg, aber letztendlich müssen Sie das entscheiden.
Ich kann Sie hier im Forum nur beraten und Ihnen ein paar Anregungen geben, so wie ich das aus meiner Erfahrung mit Patienen beurteile.

Herzliche Grüsse

Dr. Beate Els

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