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Angstzustände und Arzneimittelumstellung

Kategorie: Leben-Familie » Expertenrat Depression - Burnout - Stress | Expertenfrage

18.12.2019 | 06:50 Uhr

Hallo, ich leide seit Jahren unter depressiven Episoden mit Angst und Unruhe, zudem Anteile der histrionischen Persönlichkeit.Habe bereits die kognitive und schematische Therapie durchgeführt. Meine Beschwerden sind damals in den 80er und 90 er Jahren durch eine 20jährige Ehe mit einem Narzisten entstanden, der mich verbal  und auch körperlich (Zusammengeschlagen, Vergewaltigungen)misshandelt hat. Das ist aber jetzt schon viele Jahre her und trotzdem zeigt sich oft noch die o.a. Symptomatik. Habe es geschafft, mein leben sehr gut zu strukturieren.Es gibt kaum Probleme, habe einen sehr lieben fürsorglichen Ehemann, liebevolle Familie und viele Freundinnen. Begleitet hat mich Amitryptilin retard  seit nunmehr 20 Jahren mit 100 mg abends. Da noch ein Traumata auf Urlaubsreisen gibt, woran ich arbeite, wurden mir zusätzlich  ab 2017 morgens Venlafacin 75 mg und 37,5 mg verabeicht, die aber nicht halfen, geholfen hat nur die Absage der Reise.Leider habe ich das Venla bisher nur leicht ausgeschlichen und bin nun auf 75 mg morgens. Jetzt mein Problem: da es mir recht gut ging, sollte ich das Amitryptilin runtersetzen. Habe ich ausgeschlichen auf 50 mg. Es ging ganz gut. Ich fühlte mich aber nicht mehr so sicher. Weihnachten war früher auch immer sehr hart mit meiner Psyche(Traumata), aber in den letzten Jahren wurde es besser und letztes Jahr sehr gut.Ab November habe ich erfahren, dass es keine Amitryptilin Retard mehr gibt.Ich musste umstellen, Habe zuerst 25 mg abends auf unretardiert gesetzt, dazu hatte meine Ärztin geraten. Sie ist krank, aber ich konnte noch nicht wechseln, ich traue ihr nicht.Dabei habe ich dann einen kalten Entzug mitgemacht, da der Wirkstoff am Tag fehlte. Das erfuhr ich von der apo. Meine Ärztin hat dann 3 x 25 mg unretatierd verteilt auf den Tag angeordnet. Leider ist da ja auch noch Venlafacin mit 75 mg morgens mit Wechselwirkungen, aber darauf ist sie garnicht eingegangen, ich mach das jetzt seid 1 1/2 Wochen, mir geht es immer schlechter, Klinik kann mich momentan nicht aufnehmen. Wurde auf Tavor 1,0 mg gesetzt, alle 2 Tage, die gestern wenig Wirkung hatte. Ich halte kaum den Tag durch, wahnsinnige Panikattacken, kann kaum alleine sein. Wahnsinnige Stimmungsschwankungen, sowas kannte ich garnicht mehr. Ich weiss nicht mehr weiter!!!!!Ich habe so eine Angst!!!!Man sagte mir auch in der Klinik, dass ich keine Depression habe, eben Angstattacken und ich lernen müsste, sie durchzustehen. Aber es geht nicht...versuche es immer wieder. Haben Sie einen Rat für mich, ich bin am Ende.LG Nellie

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Bisherige Antworten
Lifeline Gesundheitsteam
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29.12.2019, 10:51 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo Nellie,

leider dürfen wir über das Internet keine Therapieempfehlung geben. Medikamentös können wir Ihnen also leider nicht weiterhelfen. Letztlich ist es aber richtig, dass die Konzentration im Körper auch bei Nicht-Retard-Präparaten relativ wenig schwankt, da die Halbwertszeit so lange ist. Damit gilt trotzdem, dass Sie bei einer niedrigeren Dosis eine Art Entzug hatten. Es kann sein, dass das erneute Einschleichen des Medikamentes noch etwas dauert, eben auch aufgrund der erhöhten Halbwertszeit.
Von einem psychotherapeutischen Standpunkt aus wollen wir Ihnen noch etwas über die Therapie von Angst- und Panikstörungen sagen. Die wichtigste Information bezüglich Angstattacken ist, dass zwar Angst vorliegt, aber kein echtes auslösendes Korrelat, also kurz gesagt, keine Lebensgefahr besteht. Auch die Stimmungsschwankungen werden wieder weggehen. Diese Information ist eine Voraussetzung der Behandlung. Da das offensichtlich bereits abgeklärt wurde, sollten Sie das auch im Hinterkopf behalten können.
Eine weitere Säule der Behandlung ist die sogenannte Exposition, das heißt das bewusste Wahrnehmen der Angst und der zugehörigen Symptome in Begleitung einer vertrauten, am besten behandelnden Person. Wichtig ist einerseits, mit deser PErson vorzubesprechen, was in der Situation passieren wird, dass diese PErson bei Ihnen ist, aber die Situation nicht abbricht. Außerdem sollten die Erwartungen an die Angstsituation besprochen werden und im Anschluss die tatsächlich eingetroffenen Befürchtungen aber auch das "Geschaffte/Ausgehaltene". Dadurch kann normalerweise der Patient sich selbst erst einmal aufzeigen, dass seine Angst und Befürchtungen nicht der Realität entspricht. Damit verlieren vor allem die Symptome ihre verstärkende Funktion.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen damit etwas weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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31.12.2019, 09:22 Uhr
Kommentar

Liebes Lifeline Team, vielen Dank für Ihre Antwort. Ihre Antwort hat mir recht gutgetan. Ich war vor Weihnachten noch 2 x in der Ambulanz der Klinik, man hat mich aber nicht stationär aufgenommen, da ich kein Notfall war. Habe die Tavor als Notfallmedikament erhalten. Aber ich bin sehr achtsam, da Tavor abhängig macht. Habe sie nur am Heiligenabend genommen, ansonsten hab ich es so geschafft mit den AD. Aber richtig gut gehts mir noch nicht.Am 7.01. habe ich einen Termin in der Klinikambulanz, da wird alles besprochen mit der AD Umstellung.Gestern habe ich 25 mg Amitryptilin weggelassen, da ich es immer mit dem Venlafaxin morgens einnehmen sollte. Und das ist meine grosse Angst, denn die Medikamente haben Wechselwirkungen. Meiner Ärztin kann ich da nicht mehr vertrauen, deshalb ists gut mit der Ambulanz der Klinik nächste Woche. Eine neue Ärztin hab ich bereits, kann aber erst Ende  Februar dorthin.Ich verstehe auch, dass Sie keinen Rat geben können wg. der Medikamente.Mein Mann steht hinter mir und sollte es schlimmer werden, kann ich das AD morgens wieder nehmen.  Bisher habe ich wirklich alles gut geschafft, nur 1 x Tavor.Die Angst ist wirklich unbegründet, dass weiss ich vom Verstand her, aber diese alten Traumate werden leider manchmal noch recht lebendig, bedingt auch durch mein Dramatisieren (histrion.).Daran arbeite ich momentan, Kopfarbeit ist angesagt.  Ich wünsche Ihnen einen Guten Rutsch. LG Nellie

Lifeline Gesundheitsteam
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31.12.2019, 19:33 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo Nellie,

damit scheinen Sie auf einem sehr guten Weg zu sein. Es ist auch gut, dass Ihr Mann hinter Ihnen steht. Mti Ihrer Einstellung sollte eine Therapie sehr gut möglich sein.

Wir wünschen Ihnen ebenfalls einen guten Rutsch - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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