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5-HTP und Trevilor / Venlafaxin

Kategorie: Leben-Familie » Expertenrat Depression - Burnout - Stress | Expertenfrage

04.05.2010 | 11:30 Uhr

Sehr geehrte Frau Dr. Els, ich habe einige Zeit 5-Hydroxytryptophan (5-HTP/Griffonia) als Rezepturarzneimittel aus der Apotheke genommen. Da dieses nicht die erwünschte Wirkung hatte, habe ich es dann für eine gute Woche von 100 mg auf 50 mg ausgeschlichen und vor 3 Tagen schließlich ganz abgesetzt. Nun empfiehlt mir mein Arzt stattdessen Trevilor / Venlafaxin in einer Dosis von 37,5 mg täglich. Wissen Sie, ob ich damit schon jetzt beginnen kann oder muss ich noch länger warten, so dass es garantiert nicht zu einem Serotoninsyndrom kommen kann? Ich kann keine Informationen im Internet darüber bekommen, wie schnell das 5-HTP sozusagen aus dem Körper ist bzw. ob der Serotoninspiegel nach Absetzen schnell abfällt. Vielen Dank für Ihre Hilfe! MfG Alex

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04.05.2010, 01:06 Uhr
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Hallo Alex,

danke vielmals für Ihre Anfrage an mich hier im Forum, die ich gerade gelesen und Ihnen auch gleich beantworten möchte.

Ein Serotonin Syndrom bekommen Sie nur, so denke ich, wenn Sie hohe Dosen von Venlafaxin einnehmen und dann 5 HTP dazu in hohne Dosen. Meines Wissesn beträgt die HWZ von 5-HTP zwischen 5 und 10 Stunden , d.h. dann ist 50 % des Spiegels abgebaut...usw. 100 mg oder zuletzt 50 mg sind sehr niedrige Dosen, daher denke ich, dass es gar kein Problem geben düfte, wenn Sie mit Trevilor starten nach 3 Tagen Pause. Die Dosen sind zu gering, ein Serotonin-Syndrom auslösen zu können. Hinzu kommt , dass 5-HTP nur die Vorstufe zu Serotonin ist.

50mg bzw. 100 mg ist aber eine viel zu niedrige Dosis, eine Depression zu therapieren, da kann sich kein Erfolg einstellen!

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass manche Menschen 300 mg und mehr benötigen, das erkennt man sehr genau, wenn man es durch eine Spiegelkontrolle ( Labor ) misst und kontolliert im Verlauf.

Trevilor anzusetzten, weil 5 HTP nicht wirkt, ist meiner Meinung ein nicht ganz so glücklicher Ansatz, Ihre 5 HTP Dosis war viel zu niedrig eingestellt.

Um Ihre Frage noch mal zusammenfassend zu beantworten, ich würde mir keine Gedanken machen, das neue Präparat anzusetzten, nachdem HTP abgesetzt wurde.
Ich würde Ihnen aber empfehlen, diese Information auch Ihrer behandelnden Ärztin zu geben, dass Sie 5-HTP eingenommen haben.
Letztlích trägt sie ja die Verantwortung für Sie als Patientin.

Gute Besserung und viele Grüße

Dr. Beate Els

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04.05.2010, 02:14 Uhr
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Sehr geehrte Frau Dr. Els, recht herzlichen Dank für Ihre Antwort. Darf ich hierzu noch eine Nachfrage stellen? Ich hatte zunächst auf 200 mg 5-HTP zur Nacht gesteigert, dann aber eher eine ungünstige Wirkung auf meinen Schlaf festgestellt. Dann hatte ich auf 2x100 mg (1 am frühen Nachmittag und 1 am Abend) umgestellt. Doch auch diese Dosis hatte nach Wochen weder eine schlaffördernde noch eine deutliche stimmungsaufhellende Wirkung. Daher habe ich dann das Präparat ausgeschlichen. Wie gesagt, war die Tendenz nicht positiv, d.h. die Wirkung kam mir nicht zu schwach vor, sondern ich verspürte keine deutliche Wirkung. Daher entschloss ich mich, die Dosis nicht weiter zu steigern. Ich habe nun eine Serotoninbestimmung machen lassen, deren Ergebnis ich im Laufe dieser Woche erhalte. Können Sie mir hier evtl. einen Anhaltspunkt geben, wie die Werte nach insgesamt ca. 100x100mg in den letzten Wochen sein sollten, um von einer positiven Wirkung zu sprechen? Bei mir stehen übrigens somatisierte Beschwerden wie chronische Nacken- Schulter und Rückenschmerzen, muskuläre Verspannungen, Stoffwechselprobleme etc. stark im Vordergrund. Auch dies ist vielleicht im Hinblick auf 5-HTP mit zu berücksichtigen. Vielen Dank nochmals für Ihren Rat!

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04.05.2010, 06:58 Uhr
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Guten Abend,

danke für Ihren erneuten Beitrag.

Es kann schon mal sein, dass man paradox reagiert auf ein Medikament, bzw. auf AS oder Nahrungsergänzung. Ich habe es aber selten erlebt bei Patienten.
Dass Sie einen Serotonin Spiegel haben bestimmen lassen, finde ich gut, Sie müssen einfach Ihren eigenen Wert im Vergleich zumm Referenzbereich des jeweiligen Labors, dann sehen Sie, wie Sie liegen.
Ein kombinierter Noradrenalin-Serotoninwiederaufnahmehemmer kann Ihnen sicher helfen bei Ihren kombinierten Beschwerden aus Depressionen und Schmerzen.
Stoffwechselprobleme kann man nur mit konsequenter Ernährungsumstellung in den Griff bekommen. Ein gesunder oder auch kranker Darm ist für die meisten Beschwerden verantwortlich.

Viele Grüße

Dr. Beate Els

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08.05.2010, 01:00 Uhr
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Sehr geehrte Frau Dr. Els, ich habe nun die Laborwerte erhalten und würde gerne noch einmal Ihren Rat in Anspruch nehmen. Dramatisch bis deutlich erniedrigt sind: Serotonin (35 ng/ml, Norm 120-400), Noradrenalin (14,96 mikrogramm/g, Norm 32-58), Dopamin (115 mikrogramm/g, Norm 150-280). DHEA ist morgens stark erhöht und abends erniedrigt. Kalium, Kupfer und Zink sind vermindert. Cortisol, Glutamat und GABA sind ok. Ich muss nun die für mich schwere Entscheidung treffen, ob ich einen Selektiven Serotonin Nordrenalin Wiederaufnahmehemmer (Cymbalta oder Trevilor) nehme oder es doch noch einmal mit 5HTP zusammen mit L-Phenylalanin/Tyrosin und Supplementierung der Mineralien versuche. Im Hinblick auf 5 HTP hatte ich ja bereits ausgeführt, dass ich über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis zu 200 mg täglich eingenommen hatte, aber keinen merklichen Effekt verspürte. Der Serotoninwert scheint ja auch eher dafür zu sprechen, dass das 5HTP keinen maßgeblichen Effekt hatte. Mir ist bewusst, dass mir niemand die Entscheidung abnehmen kann. Trotzdem würde mir Ihre Einschätzung sehr helfen, ob Sie es für möglich halten, dass ich auf Grund der Gegebenheiten innerhalb halbwegs überschaubarer Zeit mit den Serotonin- und Nordrenalin-Vorstufen einen deutlichen Effekt erzielen könnte. Vielen Dank nochmals! MfG Alex

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09.05.2010, 07:36 Uhr
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Hallo Alex,

der Text ist ähnlich , wie der erste , auf den ich schon geantwortet habe, trotzdem möchte ich sicher sein, dass die Antwort richtig ankommt bei Ihnen.

Die Entscheidung, ob Antidepressiva oder den natürlichen Weg zu gehen, kann und darf ich Ihnen nicht abnehmen.
Ich kenne Sie nicht als Patientin und diese Entscheidung sollte unter Begleitung Ihres Arztes vor Ort getroffen werden.

Wenn Sie 5 HTP 200 eingenommen haben und der Spiegel so niedrig ist, dann sprechen Sie entweder nicht an auf das Mittel ( was ich eher für unwahrscheinlich halte) , oder aber die Dosis war viel zu niedrig.

Es lohnt sich aus meiner Erfahrung, die Kombination zu versuchen ( 5 HTP mind. 300 mg am Abend plus L-Tryptophan plus Zink)
Und dann schauen unter Spiegelkontrolle , wie der Verlauf und die Besserung Ihrer Symptome sich sind.

Wenn aber Ihre Beschwerden und Ihr Leidensdruck so hoch sind, dann hat ein Antidepressiva sicher seine Berechtigung, Sie müssen es sehen wie ein Gips für Ihre Seele. Sind Sie dann schnell stabiler und nach gewisse Zeit könnte man das Antidepressiva ausschleichen und wieder mit der AS einsteigen.

Bitte sprechen Sie aber mit Ihrem Arzt vor Ort darüber, solche Entscheidungen sollte man nicht alleine treffen als Patient.

Ich kann und darf Ihnen diese Entscheidung nicht abnehmen, ich habe versucht, Ihnen noch mal kurz beide Therapiekonzepte zu schildern, ich würde es abhängig machen von Ihrem Leidensdruck.

Gute Besserung und viele Grüße

Dr. Beate Els

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