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Coronavirus

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Coronavirus-Infektionen | Expertenfrage

11.10.2020 | 07:54 Uhr

Sehr geehrter Dr. Leidel, 

mein Vater 82 lebt im Pflegeheim. Wenn wir ihn besuchen gehen, tragen wir einen FFP2 Mundschutz, auch wenn wir bei ihm im Zimmer sind. Bisher haben wir das Fenster breit geöffnet oder gekippt, damit nochmal "frische Luft" ins Zimmer kommt, aber aufgrund sinkender Temperaturen wird das irgendwann nicht mehr so möglich sein. 

Wir selbst schränken unsere soziale Kontakte ein, bis auf die Arbeit und hier liegt das Problem. Es handelt sich dabei um Arbeitgeber, die keinerlei Maßnahmen durchsetzen, alle Vertreter mit Handschlag und Kaffeeplausch empfangen und in der Freizeit ständig in Gaststätten unterwegs sind und sich an nichts halten. Teilweise wurde auch schon Mobbing betrieben und wenn man was gesagt hat, wurde gesagt, dass man sich nicht so haben solle wegen "einem Schnupfen" und wenn irgendwelche alten Leute sterben, wird gesagt, sie würden eh sterben.....Selbst, dass man sich an das Gesundheitsamt gewandt hat, dass auf Arbeit keinerlei Regeln beachtet werden hat nichts gebracht...

Nun tragen wir Sorge, dass wir aufgrund dieser Vorkommnisse auf Arbeit unbemerkt bei unserem Vater im Pflegeheim was einschleppen könnten. Wie sicher sind das Tragen eines FFP2-Mundschutzes beim Besuch (hätten wir Symptome, würden wir natürlich nicht hingehen)?

Und noch eine ganz andere Frage: Ich habe gelesen, dass es schon vorgekommen ist, dass ein Antikörper-Test auf Corona falsch negative Ergebnisse gebracht hat, bei Patienten unter CD20 B-Zelldepletation. Kann das wirklich vorkommen, schließlich sind die Antikörper bei Autoimmunerkrankungen auch verschwunden, wenn man diese Medikamente anwendet und trotzdem leidet man an dieser?

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Experte-Leidel
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11.10.2020, 14:22 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

das ist eine schwierige Situation. Auf das Verhalten ihrer Arbeitgeber (sind es mehrere?) haben Sie wenig einfluss und Händeschüttlen sowie Kaffeeplausch sind nach den Corona-Regeln nicht verboten. Und ein Verbot des Besuchs von Gaststätten gibt es auch nicht, so lange bestimmte Regeln eingehalten werden, wofür der Gastwirt zuständig ist.

Ich weiß nicht, um was für einen Betrieb es sich handelt. Wieviele Angestellte gibt es? Existiert ein Betriebsrat, der Sie unterstützen könnte? Vielleicht sehen Sie ja auch zu schwarz.

Ein FFP-2-Mundschutz ist schon sehr sicher. Sollten Sie das Gefühl haben, dass bei Ihnen Symptome aufgetreten sind, sollten Sie besser Besuche bei Ihrem Vater bis zur Klärung mittels PCR (primär durch Hausarzt bzw. Hausärztin, evtl. Gesundheitsamt oder 116 117) unterlassen.

Der Antikörpertest auf Covid-19 ist für Ihr Problem (Früherkennung einer Infektion) nicht wirklich geeignet. CD20 ist vor allem wichtig für die Immunantwort der B-Zellen gegenüber T-Zell unabhängigen Antigenen. Wenn ich mich richtig erinnere, bekommen Sie Rituximab. Wie sehr sich das auf die immunantwort gegen SARS-CoV-2 auswirkt, kann ich nicht sagen. 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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13.10.2020, 07:59 Uhr
Kommentar

Sehr geehrter Dr. Leidel, 

die Arbeitgeber sind Corona-Leugner. In der Firma ist es mittlerweile so, dass die Corona-Leugner, die Risikogruppen mobben. Es kommen Sprüche, wie, dass man psychisch labil wäre und sich wegen einem Schnupfen aufregt usw. 

Das Problem ist, dass sich niemand zuständig fühlt. Einen Betriebsrat gibt es nicht und selbst Gesundheitsamt und Arbeitsschutzbehörde hat es nicht interessiert. 

Dabei handelt es sich um einen Geschäft wo ständig Publikumsverkehr ist. Dieses Geschäft hat 3 Filialen, wo die Mitarbeiter hin und her fahren.

Die Gaststätten und selbst auch Arztpraxen vor Ort halten sich auch nicht an die Regeln. Ich selbst habe deshalb monatelang meine Hausarztpraxis nicht mehr von innen gesehen....und habe mir alles beim Nephrologen besorgt (Rezepte, B12-Spritze....). 

Heute habe ich schon ein Problem. Ich habe Besuch im Pflegeheim angemeldet, den ich nun wieder absagen muss. Ich habe das Gefühl, dass sich eine Erkältung anbahnt. Es drückt schon in der Nase und leicht um die Augenhöhlen, als ob vermeintlich Schnupfen festsitzt. Bis jetzt musste ich aber noch nicht die Nase schnauben. Wie muss ich mich auch selbst als Risiko mit Rituximab verhalten? Bei Husten und Fieber zum Hausarzt und einen Test machen lassen? Was ist bei Schnupfen allein? Und vom Grund müsste man ja dann 2 Tests machen auf Influenza und Corona? 

Kann ich meinen Freund heute ins Pflegeheim anstelle von mir schicken, oder ist das auch gefährlich? Wir wohnen ja zusammen, aber ich habe aufgrund meiner anfänglichen Schnupfensymptome gesagt, dass wir uns räumlich trennen und ich habe im Bürozimmer geschlafen. Er hat keinerlei Symptome, auch keinen Schnupfen. Er selbst zählt mit einer Lungenerkrankung auch zur Risikogruppe und setzt im Pflegeheim auch eine FFP2-Maske auf. 

Zum Thema Rituximab: ich habe vom 5.10.2020 folgenden Artikel gefunden: "Möglicherweise haben MS-Patienten mit einer Antikörpertherapie gegen CD-20 ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID19-Verlauf. Hinweise darauf liefert eine globale Studie vor allem für Rituximab."

Dieser Artikel ist leider verschlüsselt, weil nur medizinisches Personal ihn vollständig lesen kann. Veröffentlicht in einem großen Magazin....Zwar für MS-Patienten, aber ich bekomme es ja auch, nur wohl schwächer dosiert, und eben nicht für MS. 

Wie sieht das mit möglichen Impfungen gegen Covid19 aus? Die werden ja nur an gesunden Menschen getestet? Wer will dann genau wissen, was sie bei chronisch kranken Menschen verursacht? Und gerade Menschen mit Vorerkrankungen sollen ja auch zuerst geimpft werden....Ich bin da noch skeptisch. Insgesamt bin ich aber kein Impfgegner und besitze alle herkömmlichen Impfungen. Nur diesmal die Influenza-Impfung nicht, da sie laut meinem Nephro momentan nicht wirken würde wegen frisch verabreichter Rituximab-Infusion. Ich kann mich erst später impfen lassen, wenn es noch Impfstoff gibt. Meine Hausärztin wollte mir eine Dosis aufheben, ob das dann wirklich so ist, werde ich sehen. 

 

 

 

 

Experte-Leidel
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13.10.2020, 10:46 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

ja, da sind Sie in einer schwierigen Situation am Arbeitsplatz. Unter folgendem Link finden Sie einige Hinweise zum Arbeitschutz unter Covid-19-Bedingungen:

https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Informationen-Corona/Arbeitsschutz/arbeitsschutz.html

Vielleicht kann Ihnen etwas davon helfen.

In manchen Seniorenheimen werden mittlerweile Antigen-Schnelltests auf Covid-19 angeboten. Die haben den Vorteil, dass das Ergebnis nach einigermaßen kurzer Zeit vorliegt.

Solange sich die Symptome bei Ihnen nicht verschlechtern, Sie eine FFP2-Maske tragen und Abstand halten, kann eigentlich nicht viel passieren. Aber natürlich können Sie auch Ihren Partner bitten, den Besuch durchzuführen. Außerdem würde ich im Zimmer Ihres Vaters lüften. Noch ist es ja nicht so ganz schlimm kalt.

Die Bedeutung Ihrer Behandlung mit Rituximab für eine etwaige Covid-19-Erkrankung vermag ich nicht abzuschätzen. Da müssten Sie Ihren Nephrologen fragen. Zur Frage des Impfens bei Immunsuppression und insbesondere Autoimmunerkrankungen gibt es für Fachleute gute Hinweise der STIKO auf auf deren Website: www.stiko.de.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und dass Sie eine Infektion vermeiden können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

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