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Wieder Blutung nach zehn Monaten Pause

Kategorie: Frauenheilkunde » Expertenrat Wechseljahre | Expertenfrage

13.03.2007 | 10:22 Uhr

Lieber TomDoc,

ich bin die 55jährige die nach zehn Monaten Pause wieder eine Blutung hatte. Sie hatten mir geraten, zum Gyn zu gehen und per Ultraschall die Schleimhaut dicke messen zu lassen. Das habe ich zwischenzeitlich gemacht. Das Ergebnis´: Schleimhaut sei im Grünen Bereich, d.h. eine Ausschabung ist - Gott sei Dank - erst mal nich vonnöten.

Mein Gyn hatte dieselbe Erklärung für die wieder aufgetretene Blutung wie Sie (noch zuviel Östrogen und zuwenig andere Hormone). Damit sich alles wieder beruhige hate er mir nun Hormone verordnet Cycloöstrogynal. Die seien relativ gering dosiert und ich solle sie nun erst einmal so ein Jahr nehmen. Damit würde dann die Gebärmutter wieder zur Ruhe kommen. Blutungen dann allerdings wieder monatlich, abe rkeine Gefahr mehr für evtl. Schleimhautvergrößerungen.

Nun meine Frage: Eigentlich möchte ich nicht so gerne Hormone einnehmen, da meine Mutter mit 49 an Brutskrebs gestorben ist und die Hormone ja nun einmal das Britskrebsrisiko erhöhen. Auch komme ich ohne Hormone im Prinzip ja sehr gut zuRecht. Habe ja schließlich weiter keine nennenswerten WJ-Beschwerden. Nur hier und da Schweißausbrüche! D.h. Soltle man nicht erst einmal abwarten, ob ich überhaupt wieder Blutungen bekommen und ob sich die Schleimhaut nicht auch so im Zaum halten lässt? Falls nicht dann kann man ja immer noch was nehmen.
Er gibt mir die Hormone ja quasi prohylaktisch!.
Was meinen Sie?

Herzlcihen Dank bereits im voraus und viele Grüße,
Antonie

Anbei noch einmal Ihre Antwort auf meine Ursprungsfrage: (damit Sie nicht scrollen müssen!):
Hallo Antonie,
eigentlich ist Ihre Geschichte recht typisch für eine Besonderheit in den WJ: nämlich dass die Eierstöcke in der Lage sind, noch über längere Zeit in geringen Mengen Östrogene zu bilden, aber der Eisprung und die nachfolgende Gelbkörperhormonbildung ausbleibt. dadurch wird die Schleimhaut langsam aber sicher viel dicker als je zuvor und blutet ganz plötzlich und recht schmerzhaft ab, manchmal gehen richtige Stücke mit ab.
Es ist jetzt wichtig, dass Sie einen Ultraschalltermin beim FA machen, um die Dicke der Schleimhaut überprüfen zu lassen. Falls diese Schleimhaut nämlich nicht komplett abgeblutet ist, dann MUSS sicherheitshalber die Gebärmnutter sauber gemacht werden=Ausschabung.
Rotkleeextrakte (genau wie Soya u.a.) haben östrogene Wirkungen. Ob Ihr Rotkleepräparat dieses Schleimhautwachstum ausgelöst oder beschleunigt hat, waage ich zu bezweifeln.
Auf jeden Fall ist eine Untersuchung beim Gyn. notwendig!
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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13.03.2007, 06:19 Uhr
Antwort

Hallo Antonie,
ich bin der sicheren Meinung, von Ihnen bereits gestern eine Mail bekommen zu haben und diese auch sehr ausführlich beantwortet zu haben. Aber irgendein Pumuckl-Gespenst hat diese Mail samt Antwort verschwinden lassen. Ich habe sogar noch den Original-Text von Ihnen, aber im board taucht weder Ihr Brief, noch meine Antwort auf. Höchst eigenartig!
Da ich meine Mails online beantworte, habe ich natürlich meinen Antworttext nicht mehr parat ? er war sehr ausführlich. Ärgerlich.
Deswegen heute ein neuer Versuch.
Zunächst einmal zu Ihrer Angst bezüglich Brustkrebs.
Es ist überhaupt nicht vorhersehbar, ob Sie Brustkrebs bekommen werden. Neben einer genetischen Variante (das könnte festgestellt werden, wenn man genau den Brustkrebs Ihrer Mutter kennen würde), gibt es zahlreiche Ursachen. Auffallend ist aber, dass Brustkrebs nach wie vor nach den Wechseljahren viel häufiger auftritt als vorher. Auffallend ist, dass Übergewicht eine große Rolle zu spielen scheint bei der Brustkrebsentstehung ? und viele Frauen nehmen in den WJ deutlich an Gewicht zu (und bei Frauen ohne HET ist die Gewichtszunahme sehr viel ausgeprägter). Diabetikerinnen haben ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Der Typ-II-Diabetes tritt recht häufig im Verlauf der WJ auf und zwar wieder bei Frauen ohne HET deutlich häufiger. Und auch auffallend ist, dass Brustkrebs bei Frauen, die eine HET machen, viel früher erkannt wird (wahrscheinlich durch die regelmäßige Vorsorge-Mammografie bei HET-Patienten), so dass auch eine bessere Überlebenschance dieser Erkrankung besteht.
Nehmen Sie aber in der Diskussion des Krebsrisikos auch mal auf die andere Seite der Waage die vielen positiven Schutzeffekte des Östrogens: wesentlich seltener Darmkrebs, wesentlich seltener Ovarialkrebs (wir wissen, dass Pillenanwenderinnen bereits ein niedrigeres Ovarialkarzinom-Risiko haben als Frauen, die nie die Pille genommen haben). Ausgeprägter Schutz vor Osteoporose. Herzinfarktschutz bei herzgesunden Frauen. Weniger Gelenkschmerzen (ganz interessant: Frauen, bei denen der Östrogenspiegel künstlich gesenkt wird, z.B. bei Endometriose-Patienten oder die einen Östrogenblocker bekommen wegen einer Brustkrebserkrankung) klagen in mehr als 25% über Gelenkschmerzen, die beim Absetzen der Therapie oder Normalisierung des Östrogenwertes völlig verschwinden.
Die Diskussion, welches Medikament für Sie jetzt richtig wäre, ist müßig. Sie haben einen guten Frauenarzt, der m.E. genau so denkt wie ich (was allerdings kein Qualitätsmerkmal sein muß!!!). Auf jeden Fall bildet Ihr Körper noch Östrogene und kein Progesteron mehr, sodass sich die Blutungen wiederholen werden ? und zwar solange in unregelmäßigen Abständen, bis die Östrogenproduktion erloschen ist. Zumindest eine 12 tägige Gelbkörperhormonbehandlung sollten Sie unter Ultraschallbeobachtung alle paar Monate machen, damit keine Wucherungen in der Gebärmutter entstehen (die nicht unbedingt auf Dauer harmlos bleiben).
Ob Sie Hormone nehmen wollen oder nicht, müssen und können Sie selbst entscheiden. Sie müssen selbst den Stellenwert Ihrer Beschwerden richtig einordnen, dann werden Sie auch das Richtige tun.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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14.03.2007, 11:00 Uhr
Antwort

Lieber TomDoc,

ganz herzlichen Dank für Ihre so ausführliche Antwort. Tut mir furchtbar leid, dass Sie doppelt schreiben mussten und so viel Arbeit mit mir hatten. Ja, das Internet ist manchmal ein wahrer vitueller Orkus mit einem gewissen unkontrollierbarem Eigenleben. Erstaunlich finde ich übrigens, dass bei Ihnen eine Mail von mir angekommen ist. Ich habe Ihnen nämlich gar keine geschickt, sondern dass nur hier in den Board gestellt. Bei den ANgaben unten hatten ich allerdings meine Mailadresse angegeben. Vielleicht ist das die Erklärung.

Zum Brustkrebsrisiko: Ich gebe zu, hier habe ich so etwas wie eine Macke. Das hat wohl damit zu tun, dass ich erst 13 Jahre alt war als meine Mutter daran starb. (Liegt also mehr als 40 Jahre zurück, insofern kann man auch nicht mehr festellen, was für eine Art BK sie hatte.) Uns Kinder wollte man damals schonen, d.h. man sagte uns, sie habe eine Rippenfellentzündung. Ich hatte allerdings zufällig ein Telefongespräch meines Vaters belauscht, bei dem er einer Verwandten mitteilte, dass sie unheilbar Krebs hat und nur noch ein paar Monate zu leben hatte. Ich bin daraufhin ohnmächtig geworden und man fand mich dann auf dem Dielenboden. Allerdings habe ich mich nicht getraut, irgendjemandem zu sagen, was ich nun wusste und habe es mit mir alleine ausgemacht. Kurz darauf ist meine Mutter dann auch gestorben. Langer Rede kurzer Sinn: emotional habe ich wohl jetzt noch eine Macke! Bei Brutskrebs sagt mir mein Gefühl einfach, wird er diagnostiziert, dann ist das das Todesurteil. Rational weiß ich natürlich, dass es Quatsch ist und je früher man es erkennt um so besser die Heilungsaussichten. Daher aber meine Bedenken bezügl. der HET.

Wie hoch mein Risiko ist, weiß ich natürlich nciht. Bin keine Diabetikerin, Blutzuckerwerte bei allen bisherigen VorsorgeU immer sehr niedrig. Übergewicht habe ich auch keins: relativ konstant 58 Kg bei 1,67. Mal einen Kilo weniger, um Wiehnachten dann auch mal ein Kilo mehr. Vor den WJ habe ich auch nur marginal weniger gewogen. Zur Mammographie: bisher alles i.O. und das Gewebe sei schön weich und völlig unauffällig. Der Mammo-Facharzt sagte bei der ersten Untersuchung ich solle in 5 Jahren wiederkommen. Mein Gyn fand das allerdings unverantwortlich und besteht auf einmal im Jahr und das mache ich auch brav. Insofern werde ich auch gut beobachtet.

Also werde ich es mit dem Hormonen wohl machen, denn Wucherungen in der Gebärmutter das ist natürlich auch nicht schön. Und mein Gyn sagte ja auch, dass dieses Präparat nicht hoch dosiert ist. Ausserdem sei es ja erst einmal nur für ein Jahr und das würde das Risiko für BK sowieso nicht erhöhen?!.

Also schaun mer mal! Ihnen ganz herzlichen Dank und eine großes Kompliment für Ihre tolle Arbeit hier!
Herzliche Grüße, antonie

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14.03.2007, 13:43 Uhr
Antwort

Hallo Antonie,
hier in Kopie die beiden Briefe; ich werde gleich auf Ihre heutige mail antworten
TD
......................

Thema: Wieder Menstruation nach 10 Monaten Pause
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Beitrag: #18 (E-508890) - aktiv
Datum: 12.03.2007, 12:20:18 Uhr
Name: antonie
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Lieber Dr. Dossler,

hatte am Freitag meinen Termin beim Gyn. Ultraschall untersuchung ergab, dass die Dicke der Schleimhaut im grünen Bereich sei. D.h. erst mal sei - Gott sei Dank - keine Ausschabung vonnöten.
Meine Gynäkologe hatte übrigens die gleiche Erklärung für die wieder aufgetretene Blutung wie Sie.

Nun meinte er aber, es sei sinnvoll wenn ich ein Kombihormon einnehmen würde und hat mir das Präparat Cycloöstrogynal verschrieben. Halten Sie das auch für sinnvoll?
Ich würde wie bisher eigentlich lieber auf Hormone verzichten wollen, da meine Mutter bereits mit 49 Jahren an Brutskrebs gestorben ist und die Hormone ja nunmal das Brutkrebsrisiko erhöhen. Auch habe ich ja sonst weiter keine nennenswerten Problem mit den WJ.
Wäre es nicht vielleicht sinnvoller erstmal abzuwarten, ob ich überhaupt wieder Blutungen bekomme, bzw. die Schleimhaut sich überhaupt wieder verdickt - auch falls keine weitere Blutungen auftreten sollten, was ich durchaus begrüßen würde?
Was meinen Sie?

Ganz herzlichen Dank für einen Antwort bereits im voraus und
viele Grüße,
Antonie

Thema: Wieder Blutung nach zehn Monaten Pause
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Beitrag: #1 (E-509158) - aktiv
Datum: 13.03.2007, 10:22:28 Uhr
Name: antonie
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Lieber TomDoc,

ich bin die 55jährige die nach zehn Monaten Pause wieder eine Blutung hatte. Sie hatten mir geraten, zum Gyn zu gehen und per Ultraschall die Schleimhaut dicke messen zu lassen. Das habe ich zwischenzeitlich gemacht. Das Ergebnis´: Schleimhaut sei im Grünen Bereich, d.h. eine Ausschabung ist - Gott sei Dank - erst mal nich vonnöten.

Mein Gyn hatte dieselbe Erklärung für die wieder aufgetretene Blutung wie Sie (noch zuviel Östrogen und zuwenig andere Hormone). Damit sich alles wieder beruhige hate er mir nun Hormone verordnet Cycloöstrogynal. Die seien relativ gering dosiert und ich solle sie nun erst einmal so ein Jahr nehmen. Damit würde dann die Gebärmutter wieder zur Ruhe kommen. Blutungen dann allerdings wieder monatlich, abe rkeine Gefahr mehr für evtl. Schleimhautvergrößerungen.

Nun meine Frage: Eigentlich möchte ich nicht so gerne Hormone einnehmen, da meine Mutter mit 49 an Brutskrebs gestorben ist und die Hormone ja nun einmal das Britskrebsrisiko erhöhen. Auch komme ich ohne Hormone im Prinzip ja sehr gut zuRecht. Habe ja schließlich weiter keine nennenswerten WJ-Beschwerden. Nur hier und da Schweißausbrüche! D.h. Soltle man nicht erst einmal abwarten, ob ich überhaupt wieder Blutungen bekommen und ob sich die Schleimhaut nicht auch so im Zaum halten lässt? Falls nicht dann kann man ja immer noch was nehmen.
Er gibt mir die Hormone ja quasi prohylaktisch!.
Was meinen Sie?

Herzlcihen Dank bereits im voraus und viele Grüße,
Antonie

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14.03.2007, 14:23 Uhr
Antwort

Hallo Antonie,
jetzt meine Antwort.
Ich stamme selbst aus einer stark Krebs belasteten Familie: meine Großmutter und alle ihre Geschwister sind an Darmkrebs oder Nierenkrbs verstorben, meine andere Großmutter an Brustkrebs, meine eigene Mutter hatte 2 mal Brustkrebs erfolgreich besiegt und ist an einem Bauchspeicheldrüsenkrebs (innerhalb von 4 qualvollen Wochen) verstorben.
Wenn solche Ereignisse in der Nähe passieren, dann ist der Grad der Betroffenheit extrem. Entweder reagiert man dann für den rest des Lebens übervorsichtig, macht sämtliche Tests mit, die es gibt, aus lauter Angst, um Himmels Willen nichts zu versäumen. Oder man steckt den Kopf in den Sand, sagt: muss ja nicht jeden treffen in der Familie und lebt mehr oder weniger nachlässig mit sich selbst vor sich hin und ist dann doch plötzlich überrascht, wenn plötzlich ein Tumor einen in die Knie zwingt.
Wir müssen mit Krebs leben lernen, denn er gehört zum Leben dazu.
Angst vor dem Sterben haben wir alle; aber nicht vor dem Sterben an sich, sondern vor den möglichen Schmerzen und dem Verlust an Würde und der Hilflosigkeit an unserem Lebensende.
Krebs ist kein Todesurteil, wenn er rechtzeitig entdeckt wird.
Unser Todesurteil selbst ist bereits mit unserer Zeugung ausgesprochen worden; denn seitdem läuft unsere Zeit ab. Wir wissen alle um unser Ende, aber wir wissen nicht die Stunde.
Solange wir jung sind, gelingt es uns mehr oder weniger gut, die Angst vor dem Lebensende aktiv zu verneinen und wegzuschieben, aus unserem Alltag zu verdrängen - so wie alte Menschen jahrzehntelang von und aus der Gesellschaft an den schönen Waldrand am Ende der Stadt verdrängt wurden.
Die Lebensmitte, in der Frauen so abrupt die WJ erfahren, ist der Moment der neuen Chancen: es ist der Augenblick, wo sich alles ändert, wo man nachdenken und sich einen neuen Sinn verleihen muß - in wahrster doppelter Bedeutung: sich besinnen.
Legen Sie jetzt alle Ihre Beschwerden, Ängste und Gedanken in einen großen Korb, den sie von außen ganz neutral betrachten.
Und dann treffen Sie Ihre Auswahl der Therapie.
Ich bin sicher, Sie werden es richtig machen!
Ihr
TomDoc

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15.03.2007, 02:28 Uhr
Antwort

Lieber Dr. Dossler,

ganz, ganz herzlichen Dank für Ihre so weisen Worte!
Sie haben ganz recht, ein risikofreies Leben gibt es nun mal nicht!
Ich denke auch, in weiß jetzt was ich tue. Werde es mit den Hormonen mal probieren! Sie haben mir auf jeden Fall sehr geholfen:)

Ihnen alles, alles Gute und frühlingssonnige Grüße,
Antonie

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