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Schlaflosigkeit ohne Progesteron?

Kategorie: Frauenheilkunde » Expertenrat Wechseljahre | Expertenfrage

15.09.2022 | 04:47 Uhr

Hallo,

50 Jahre, Hysterektomie unter Belassung der Cervix und der Eierstöcke vor 6 Jahren. Hormontests (1x Speichel 1x Blut) vor der Hormongabe zeigten normales bis (im speichel) hohes Östrogen und etwas niedriges (speichel) bis normales (blut) Progestero.

ich bekomme seit etwas mehr als drei Monaten Hormonersatztherapi, um einer starken inneren Unruhe und Ängsten entgegenzuwirken. Wegen starker Brustschmerzen wurden die zwei Hübe Gynokadin auf einen Hub herabgesetzt, dazu 200mg Progesteron. Beides durchgängig. 

Schlafstörungen sind auch stark vorhanden.

Da die Ängste nicht besser wurden und ein möglicher Zusammenhang mir Progesteron vermutet wurde, nehme ich das Progesteron jetzt zyklisch, zwei Wochen, den einen Hub gynokadin durchgängig.

Die ängste und unruhe werden stärker mit Progesteron. Dafür kann ich gut einschlafe, allerdings schlecht durchschlafen.

Nun bin ich seit drei Tagen in der progesteronfreien Zeit. Die Ängste sind etwas besser, aber ich kann nicht mehr einschlafen.

Hitzewallungen habe ich noch, Gelenkbeschwerden sind etwas besser geworden.

Mir erzählen andere Frauen, ich hätte bestimmt eine Östrogendominanz und das zusätzliche Östrogen wäre falsch. Gibt es dieses Phänome? Meine Frauenärztin hat nichts derartiiges erwähnt.

Kann man während einer Hormontherapie testen, ob die Gabe richtig ist? Wieviele Tage muss man die Präparate absetzen, um wieder natürliche Werte zu erhalten?

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Expertin-Grüne
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15.09.2022, 06:54 Uhr
Antwort von Expertin-Grüne

Hallo ChrisWeides,

eine Hormonbestimmung unter Therapie ist möglich, aber immer auch nur eine Momentaufnahme.
Eine relative Östrogendominanz kommt vor, wenn die Eierstöcke unkoordiniert arbeiten, Follikel heranreifen, aber nicht zum Eisprung kommen. Absolut gesehen sind die Werte meist nicht zu hoch, jedoch fehlt das Progesteron.
Durch eine Hormongabe hemmt man die Eierstockaktivität in Teilen, so dass gleichmäßigere Spiegel entstehen.
Wenn es Ihnen jedoch mit und ohne Therapie nicht wirklich gut geht, ist zu überlegen, ob nicht andere Behandlungsmöglichkeiten für Ängste und Schlafstörungen denkbar sind. Was sagt der Hausarzt?

viele Grüße
Dr. Grüne

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15.09.2022, 07:01 Uhr
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Vielen Dank für die schnelle Antwort!

Der Hausarzt hat die Schilddrüsenwerte kontrolliert, da ich Hashimoto habe, alles war im Rahmen, und mich ansonsten zum Psychiater geschickt. Der hat es mit Antideppresiva versucht, die ich zur Zeit ebenfalls einnehme. 

Nach einem desasteösen Versuch mit zwei SSRI, die zu massiver Verschlechterung geführt haben, nehme ich jetzt etwas was sich Moclobemi nennt.

Alle sind etwas ratlos einschließlich mir. Aber es muss mir doch irgendwer helfen können.

Viele Grüße und vielen Dank!

 

 

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15.09.2022, 07:02 Uhr
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Antidepressiva natürlich...Brille zu Hause vergessen 

Expertin-Grüne
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15.09.2022, 21:26 Uhr
Antwort von Expertin-Grüne

Hallo ChrisWeides,

in solchen Fälle ist häufig eine Reha Maßnahme sinnvoll, um aus diesem Teufelskreis heraus zu kommen und zu lernen, wie man sich selbst helfen kann.

Man könnte versuchsweise noch auf eine Hormontherapie umstellen, die die Eierstöcke noch etwas stärker hemmt. Das wäre dann eine kombinierte Gabe in Tablettenform. Vielleicht sieht Ihr behandelnden Arzt darin eine Möglichkeit.

viele Grüße
Dr. Grüne

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17.09.2022, 05:52 Uhr
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Heute Nacht waren es wieder nur ca 1 stunde schlaf.

Dauerhafte Progesterongabe möchte ich nicht da ich gelesen habe, dass dies (erstmal nur bei Mäusen) Demenz begünstigt. Davor habe ich furchtbare Angst weil ich ein genetisch erhöhtes Risiko habe.

Ich habe mich bereits in die psychiatrische tagesklinik begeben. Mehr geht wohl nicht. Trotzdem geht es mir noch sehr schlecht.

Kann meine furchtbare Schlaflosigkeit, die jetzt besonders in der progesteronfreien Zeit ist, durch zu viel Östrogen kommen? Kann ich dann hofen, dass sich das bei kontinuierlich gleicher Gabe legt? Wie lange ist denn da der Zeitraum?

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17.09.2022, 06:12 Uhr
Kommentar

Ach ja und noch eine wichtige Frage: Stimmt es, dass Gynokadin abends angewendet schlaffördernd wirkt und wenn ja, wann vor dem schlafengehen soll es angewendet werden?

Expertin-Grüne
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17.09.2022, 11:53 Uhr
Antwort von Expertin-Grüne

Hallo ChrisWeides,

nein, Östrogene wirken nicht schlaffördernd. Diese Wirkung hat das Progesteron aber auch nur was das Einschlafen angeht, nicht das Durchschlafen.
Was ist mit einem klassischen Schlafmittel?
Ich glaube nicht, dass Hormone Ihr Problem lösen können.
 
viele Grüße
Dr. Grüne
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17.09.2022, 13:08 Uhr
Antwort

Vielen Dank. Es wird bisweilen behauptet, dass Östrogen den Tiefschlaf fördert. Das hat mich auch immer gewundert, da es ja dann morgens angewendet müde machen müsste - habe ich nie beobachtet.

Ein klassisches Schlafmittel werde ich probieren - ungern. Da ich ein genetisch erhöhtes Demenzrisiko habe, nehme ich solche MIttel nicht gern. Aber bevor es jetzt so weitergeht mit 2-3 Stunden Schlaf (6-7 sind es viele Jahre gewesen und damit komme ich auch klar)...muss es wohl eine Weile sein.

Ich denke, meine Probleme sind nicht verursacht aber verstärkt durch Hormonprobleme.

 

Expertin-Grüne
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17.09.2022, 14:35 Uhr
Antwort von Expertin-Grüne

Hallo ChrisWeides,

ja, so sehe ich das auch.
Dauerhafter Schlafmangel führt definitiv zu Konzentrations- und Gedachtnisproblemen.
Im Schlaf werden die Eindrücke des Tages verarbeitet und gespeichert.
 
Und wie gesagt: Schlaflabor und Reha halte ich für überdenkenswert.

viele Grüße
Dr. Grüne

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