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Prämenopause mit 41?

Kategorie: Frauenheilkunde » Expertenrat Wechseljahre | Expertenfrage

18.01.2021 | 12:23 Uhr

Guten Tag,

da ich über die letzten zwei Jahre vergeblich versucht habe, bei Gynäkologen beim Termin meine Fragen beantwortet zu bekommen, versuche ich es mit den aktuellen Beschwerden nun mal online:

Ich bin grade 42 geworden, schlank, Nichtraucherin, Nichttrinkerin, ernähre mich seit jeher vergleichsweise sehr gesund (nur Bio/Demeter, wenig Zucker, etc) mache seit vielen Jahren regelmäßig Sport und habe Normalgewicht.

Ich habe bis auf einen Versuch  ganz kurz vor 20 Jahren nie hormonelle Verhütung genommen, da ich die Hormone garnicht vertrage (ja, wirklich garnicht).Ich hatte bis letztes Jahr einen perfekten natürlichen Zyklus, konnte die Uhr danach stellen, (also immer 27-29 Tage), normale, schmerzlose Blutungen, keine Krämpfe, auch sonst keine Beschwerden, und verstand ehrlichgesagt deshalb nicht, warum mir so gut wie jeder Gyn bei dem ich war, sofort trotzdem die Pille regelrecht aufdrängen wollte. Als ich sie mit Anfang 20 kurz nahm (ca. 1 Jahr) hatte ich auch mit verschiedenen Präparaten all die Nebenwirkungen im Zyklus, die ich ohne Hormone eben nicht habe, also Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen bis zu extremen Migräneanfällen, plötzliche Panikattacken und depressive Schübe die ich so nicht kannte, Bauchkrämpfe, sehr starke Abbruchblutungen, usw. Zwei Monate nach Absetzen der Pille damals, und gegen den Rat des damaligen Gyn, waren alle diese Beschwerden wieder weg, der Zyklus wieder normal, die Stimmung wieder stabil, und die Lehre für mich daraus war, dass ich das wohl für mein Wohlbefinden eher selbst entscheiden muss. Ich hole nur so weit aus, weil ich klarmachen will, dass mein Körper künstliche Hormone wirklich nicht gut verträgt, und ich (wie leider auch auf andere Medikamente (bei Antibiotika hatte ich auch schon einen anaphylaktischen Schock and dem ich fast gestorben wäre, weil der zugehörige Arzt meine Warnung abgetan hat. Ich vertraute ihm, und das Ergebnis war fatal) deshalb sehr zurückhaltend bin, was Empfehlungen künstlicher Hormoneinnahme betrifft.

So, nun habe ich also seit letztem Jahr, also seit ich 41 war, plötzlich deutliche Beschwerden im Zykus, die ich so garnicht kenne. Ein-zweimal im Monat, immer zum gleichen Zeitpunkt im Zyklus (um den 20. Tag herum, und nach Beginn des neuen Zyklus in den ersten 3-4 Tagen) starke Stimmungsschwankungen und Gereiztheit. Auch wurde der Zyklus etwas unregelmäßiger, letztes Jahr war er dann ein-zweimal nur 23-24 Tage lang, jetzt letzten Monat dann plötzlich einmal 37 Tage lang. Und dieser letzte Zyklus nun war wirklich belastend, weil nun extremes Brustspannen und Brustschmerzen dazu kamen. Das kannte ich vom letzten Jahr schon ein paar mal in leichterer und aushaltbarer Version, immer in der zweiten Zyklushälfte bis zum Einsetzen der Blutung. Jetzt letzten Dezember war es aber extrem. Der Zyklus war eben sehr lang mit 37 Tagen, und ab ca. dem 20. Tag bis zum 37 Tag, hatte ich extrems Brustspannen, die Brustwarzen taten stark weh und juckten auch fürchterlich und das über volle 17 Tage. Das war neu. Auch wanderten die Beschwerden, ab dem 20 Tagen begannen sie in der linken Brust, dann wanderten sie in den nächsten Tagen auch in die rechte Brust blieben dann den vollen restlichen Zyklus in beiden Brüsten und nach Einsetzen der Blutung klagen sie auch nur langsam (erst bis zum 5. Tag des neuen Zyklus) wieder ab, und auch wieder erst einseitig, bis sie dann am 6. Zyklustag endlich ganz weg waren. Das hielt dann so schmerzfrei bis zum 14. Tag meines nun neuen Zykus, dann ging es wieder los,  (14.-16. Tag) leichter zwar, aber trotzdem. Dann wurde es zwei drei Tage wieder besser (17.-20. Tag) und die Beschwerden waren  weg,  nun seit 19. Tag gestern tut wieder alles extrem weh.

Weiter hinzu kommen in der zweiten Zyklushälfte plötzliche starke Hitze im Gesicht (kein Fieber), Kreislaufschwankungen mit immer wieder mal Herzstolpern und Herzrasen, das dann auch einfach wieder abklingt (und ich bin eigentlich sportlich und fit) und im letzten Jahr trotz unveränderter Essgewohnheiten eine Gewichtszunahme von fünf Kilogramm. (ich wog seit ich 18 bin, immer 65-67kg bei einer Größe von 1,70m, nun sind es plötzlich 72kg, und die bleiben da auch, egal ob ich die Sportfrequenz  etwas erhöhe oder Entschlackungstage einbaue, sie sitzen da)

(meine letzte Ultraschalluntersuchung und Brustuntersuchung hatte ich vor gut einem Jahr (Coronabedingt war bisher kein weiterer Termin möglich), und da war alles topp, keine Myome, Zysten etc. Brüste weich, nichts tastbar, alles ok)

Nun, da mir die letzten Gynäkologen bei live-Terminen ohnehin sagten, das könne mit Anfang 40 'noch nicht der Wechsel sein, wenn die Blutungen noch so relativ regelmäßig kommen' oder mich gleich abwürgten, und garkeine 'nervigen' Fragen hören wollten (Ja, dafür zahlen mein Mann und ich als freiwillig Versicherte doch total gern über 1000.- Euro im Monat an die Krankenkasse, dass meine Termine dann über die letzten Jahre ständig so liefen Oo Und ich freu mich auch jedesmal, dass ich nun garnicht erst zu einem neuen Gynäkologen gehen kann, da am Telefon entweder gleich kommt es gäbe 'Terminstopp' (gesetzlich nicht gedeckt, aber macht nichts) oder ich könne dann in 7-9 Monaten mal einen Termin haben. Deshalb nun mein mittlerweile recht gefrusteter Versuch, hier Antworten zu bekommen. Meine Fragen zusammengefasst:

1. Ja, ich bin 'erst' 42, aber ich meine durchaus, dass meine Beschwerden auf die Prämenopause hindeuten. Ich wüsste erstmal gerne ob es für diese Phase keine deutschsprachige Fachliteratur gibt, denn ich finde dazu NICHTS. Ja, es gibt tonnenweise Bücher über die Menopause ab 45 und aufwärts, (die immer besagt. ab 45, im Druschnitt am 47,5 Jahren Beschwerden etc.)  aber nichts für die Phase vorher. Ich habe mir nun englischsprachige Literatur dazu besorgt, die sehr wohl besagt, dass man auch schon mit 40 die ersten Symptome des Wechsels, auch deutlich, spüren kann, was sagen Sie dazu?

2.Passen meine genannten Symptome zu den Wechseljahren?

3. Sind die von mir beschreibenen starken und teilweise wanderenden Brustschmerzen im normalen Bereich wenn es Wechselbeschwerden sind und was kann ich dagegen tun? Ich habe nun begonnen Tee mit Rotklee zu trinken und meine, das bringt eine leichte Linderung, gibt es nochwas, das ich tun kann?

Ich wäre äußerst dankbar für eine Antwort!

Freundliche Grüße,

Torvi

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Bisherige Antworten
Expertin-Grüne
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18.01.2021, 13:30 Uhr
Antwort von Expertin-Grüne

Hallo Torvi,

da scheint sich ja einiger Frust bei Ihnen angesammelt zu haben.

die Wechseljahre sind ein mehrjähriger Umstellungsprozess, häufig beginnend mit einem zunehmenden prämenstruellen Syndrom.
Die zyklisch hormonellen Abläufe funktionieren nicht mehr so verlässlich wir früher. Häufiger bleibt in dieser Phase (> 40 Jahre) der Eisrpung aus. Es entwickeln sich funktionelle Zysten, die zu einer Östrogendominanz führen, die Zyklensdauer wird davon beeinflusst. Diese Zysten verschwinden wieder und sind rückwirkend nicht nachweisbar.
Das führt zu vielerlei Beschwerden, die sich von Zyklus zu Zyklus unterscheiden können.

Am wirkungsvollsten behandelt man solche Beschwerden hormonell, da dann die Schwankungen ausgeglichen werden. Schwierig, wenn Sie das für sich von Vornherein aufgrund von früheren Erfahrungen, die sich auf die jetzige Situation vermutlich nicht übertragen lasen, ausschließen. Manchen Frauen hilft nach meiner Erfahrung zunächst eine hormonelle Unterstützung der Gelbkörperphase mit naturidentischem Progesteron in der zweiten Zyklushälfte.

Selbstverständlich können auch pflanzliche Mittel mit Erfolg eingesetzt werden.

Informationen - im Anhang auch weitere Literatur finden Sie hier:

https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/praemenstruelles-syndrom-pms/

viele Grüße
Dr. Grüne

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18.01.2021, 14:06 Uhr
Kommentar

Hallo Frau Dr. Grüne,

 

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort, und verzeihen Sie bitte meinen Frust, ja, der hat sich nun über längere Zeit angestaut und lässt sich bezüglich eines passenden Gynäkologen derzeit auch nicht auflösen.

Sie bestätigen mir aber nun, dass es sich sehr wahrscheinlich um die Prämenopause mit den von Ihnen genannten, verstärkten PMS-Symptomen handelt, anders kann ich mir die wechselnden Symptomatik auch nicht wirklich erklären. (verstehe dann allerdings noch weniger, warum bis letztes Jahr die Gynäkolgen die ich aufgesucht hatte, die Beschwerden immer sofort als 'sicher nicht mit den Wechseljahren zu tun' abgetan haben, und dadurch bei mir auch noch sonstwelche Befürchtungen ausgelöst haben)

Meine Ablehnung bezieht sich auf künstliche Hormone. Eine Behandlung mit Phytohormonen (naturidentisches Progesteron ist doch ein Phytohormon aus irgendeiner Wurzel? (ich müsste es erst nachschlagen) würde ich unter guter Anleitung und Aufklärung durchaus in Erwägung ziehen.

Sind Produkte mit diesem Wirkstoff frei verkäuflich oder verschreibungspflichtig?

Vielen Dank auf jeden Fall für Ihre Ausführungen, auch wenn mich die Symptomatik teilweise stark belastet, klingt es nun wie eine Bestätiung meiner Vermutung, dass auf die Wechseljahre zugehend auch mit Anfang 40 einfach solche Beschwerden in unterschiedlicher Stärke und Ausprägung auftreten können.

freundliche Grüße,

Torvi

Expertin-Grüne
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18.01.2021, 20:51 Uhr
Antwort von Expertin-Grüne

Hallo Torvi,

freut mich, wenn die Informationen hier Ihnen weiter helfen. Eine Diagnose lässt sich natürlich nciht aus der Ferne stellen.
Progesteron wird aus der Yamswurzel gewonnen - es ist trotzdem in verschreibungspflichtiges Hormon.
Von daher ist ein erneutes Beratungsgespräch bei Ihrem Arzt unerlässlich, um zu klären, ob das für Sie geeignet ist.

viele Grüße
Dr. Grüne

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