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Microgynon

Kategorie: Frauenheilkunde » Expertenrat Wechseljahre | Expertenfrage

31.05.2010 | 10:24 Uhr

Sehr geehrter Herr Doktor,

ich bin 42 Jahre alt, BMI 21, Blutdruck 120/70, keine Kinder, keine Medikamente oder Erkrankungen ausser einer Mastophatie.

Bis vor zwei Jahren habe ich mit der Pilli Biviol verhütet, diese aber aus Altergründen abgesetzt und mir eine Kupferspirale legen lassen. Leider vertrug ich die Kupferspirale gar nicht gut und lies mir diese nach 8 Monaten wieder ziehen. Anfang dieses Jahres bekam ich plötzlich massive Beschwerden: Schlaflosigkeit (wenn ich Glück hatte 4-5 Std. Schlaf), mir flogen nur so die Haare vom Kopf, plötzliche Traurigkeit, Schwindel und ein Gefühl völlig neben der Kappe zu sein, dass ich schon Angst im meine Arbeitsfähigkeit hatte. Ich bin eine Frau, die nichts leicht umhaut und solche Befindlichkeiten waren mir völlig fremd.

Daraufhin wurde die Schilddrüse untersucht und nichts festgestellt, der Frauenarzt machte einen Hormonspiegel und verkündete mir lächelnd dass ich mich in den Wechseljahren befinde, da mein Estriadiol völlig im Keller sei und ich mich auf solche Beschwerden psychisch einstellen soll. Meine Schwester gab mir den Tipp Mönchspfeffer zu nehmen, was ich ausprobierte und es half auch.

Zwei Monate nach der Wechseljahresdiagnose geschah etwas, was mein Mann und ich für unmöglich hielten: Trotz zuverlässiger Kondomverhütung hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in Händen. Wir waren beide völlig geschockt und haben uns nach reiflicher Überlegung für einen Abbruch entschieden, der vor zwei Wochen in der 6.SSW durchgeführt wurde. Mein Mann möchte noch dieses Jahr eine Vasektomie durchführen lassen.

Mir geht es körperlich und auch seelisch soweit wirklich gut. Der Arzt der den Abbruch durchführte, gab mir ein Rezept für die Pille Microgynon mit, damit der Hormonabfall nicht zu heftig ausfallen würde. Diese nehme ich jetzt seit 2 Wochen. Mein neuer Frauenarzt (ich fühlte mich nach der Wechseljahresgeschichte bei meinem alten FA nicht mehr wirklich wohl) meinte, ich könne Microgynon ruhig nehmen, schwärmte allerdings in den höchsten Tönen von der Mirena-Hormonspirale. Das sei die Beste Verhütungsmethode für mich, schon allein weil es nur eine geringe Hormonabgabe sei, die nur in der Gebährmutter wirke.

Im Internet habe ich gelesen, dass allerdings wohl viele Frauen auch Probleme mit dieser Hormonspirale haben. Mit der Kupferspirale habe ich ja keine guten Erfahrungen gemacht. Außerdem frage ich mich, ob ich dann nicht wieder in ein Östrogenloch falle?

Andererseits: Wie lange kann ich guten Gewissens die Microgynon angesichts meines Alters noch nehmen? Oder bessere eine andere, wie z.B. die Qlaira?

Oder einfach die 3-Monats-Packung Microgynon nehmen, danach nichts mehr und kucken was passiert?

Ich möchte auf keinen Fall, dass es mir wieder so schlecht wie Anfang des Jahres geht, es war wirklich die Hölle und ich der Verzweiflung nahe. Am liebsten wäre mir natürlich, dass es mir ohne zusätzliche Hormone gut geht.

Was würden Sie mir raten?

Es ist leider ein langer Text geworden und ich hoffe Sie haben sich trotzdem die Mühe gemacht, ihn zu lesen. Vielen lieben Dank.

LG Hanna

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31.05.2010, 05:47 Uhr
Antwort

Hallo Hanna,
zum Thema MIRENA gibt es hier jede Menge Briefwechsel.
Allerdings werden sich hier kaum Frauen melden, die mit der Methode super-zufrieden sind, sondern nur diejenigen, die Probleme damit haben.
Ich habe meine eigene Meinung zu dieser Methode und lehne die Hormonspirale ab.
Ich will Ihnen ehrlich und ausführlich sagen, warum:
Zunächst ist es sehr wahrscheinlich so, dass tatsächlich die meisten Frauen mit der Methode, für die immerhin oft mehr als 500,- Euro auf den Tisch zu legen sind, gut zurechtkommen.
Bevor die MIRENA gelegt wird, muss die Patientin ausführlich über Wirkung und mögliche Nebenwirkungen informiert werden, da die Nebenwirkungen (auch wenn sie selten sein mögen) heftig sein können.
Dieses Gespräch darf nicht auf dem gynäkologischen Stuhl praktisch während der Einlage geführt werden, sondern muss ein ruhiges, fachlich und sachlich verständliches Einzelgespräch sein ohne jeden Verkaufscharakter- das dürfte auch für 500,- Euro nicht zuviel verlangt sein!
Übrigens verlangt die Herstellerfirma ausdrücklich dieses Gespräch, das sich am einfachsten führen läßt, wenn man den Beipackzettel gemeinsam mit der Patientin durcharbeitet. Und zwar Punkt für Punkt.
Immer wieder höre ich hier von Frauen, dass sie weder dieses Gespräch geführt haben, noch den Beipackzettel erhalten, geschweige denn durchgesprochen haben, sodass sich manchmal der Eindruck ergibt. dass manchen Patientinnen die Methode regelrecht aufgeschwätzt wird.
Ob dies in Einzelfällen wegen der relativ hohen Gewinnerwartung erfolgt - ich will hier keinem etwas unterstellen - kann ich nicht beurteilen; aber dieser Eindruck drängt sich manchmal auf.
Besonders dann, wenn ich hier immer wieder lese, dass Beschwerden unter MIRENA oft nicht ernst genommen werden und regelmäßig abgewürgt werden:
Habe ich noch nie im Zusammenhang mit Mirena gehört!
Kann garnicht von Mirena kommen
Das bilden Sie sich nur ein
Dann wären Sie die erste auf der ganzen Welt, die diese Beschwerden durch die Hormonspirale bekommen hätte! usw. usw.
Aufgrund meiner kritischen und immer negativen Haltung zu dieser Methode habe ich zwar viele Gespräche zu Mirena gefürht; aber in meiner Praxis nur ganz, ganz selten gelegt.
Meine Einstellung sprach sich in der Stadt, in der ich praktiziert habe, schnell rum, sodass sich bald in meiner Praxis dann auch die Fälle (auch aus weitem Umkreis) häuften, die unter MIRENA Beschwerden hatten; aber von ihren Ärzten nicht ernst genommen wurden.
Warum werden insbesondere Patientinnen mit MIRENA nicht so ernst genommen, wenn sie Beschwerden bekommen?
Auch da könnte man als einen möglichen Grund vermuten, dass sich vielleicht der Arzt sogar ein wenig schämt, jemandem etwas sehr Teures aufgeschwätzt und gelegt zu haben (übrigens: keine andere Spirale läßt sich so einfach und problemlos legen wie die Mirena!), um es dann wieder zu entfernen und in den Müll zuwerfen.
Ein anderer Grund ist der, dass die möglichen Nebenwirkungen dem Arzt selber garnicht bewußt sind und er tatsächlich vor lauter MIRENA-Legen und glücklichen Kunden den Blick für das Seltenere völlig verloren hat und daher negative Effekte aktiv verneint (das ist der psychologische Prozess der Verdrängung).
Ich habe es heute noch schwerer als früher, mich mit der Mirena irgendwie anzufreunden, alleine aus der Tatsache, hier auch so viele Briefe bekommen zu haben mit Beschwerden, die sich z.T. erst besserten, als die Mirena wieder entsorgt war.
...
Dass Empfängnisverhütung weiterhin (bis etwa 1 Jahr nach der Vasektomie) sinnvoll ist, ergibt sich aus Ihrer Geschichte.
Dass in Ihrem Lebensalter das bekannteste Hormon der Pille, nämlich das Ethinylöstradiol, nicht mehr sinnvoll ist, da mit zunehmendem Lebensalter bei jeder Frau das Risiko für Gefäßerkrankungen zunimmt und dies durch das Ethinylöstradiol gefördert wird, ist eigentlich auch die Micropille MICROGYNON ungeeignet.
QLAIRA ist insofern etwas völlig Neues (allerdings schon wieder mal teurer als alles andere, was sich Pille nennt), als hier zum ersten Mal das natürliche Östrogen Verwendung findet.
Das wäre in Ihrem Fall eine ganz gute Alternative.
Aber besprechen müssen Sie das mit Ihrem FA!
Sorry - jetzt ist auch mein Brief sehr, sehr lang geworden.
Ich hoffe, Sie haben bis zum Schluss durchgehalten und können ihn überhaupt für sich verwenden.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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01.06.2010, 08:19 Uhr
Antwort

Herzlichen Dank für Ihre Mühe, Herr Dr. Dossler!

Und natürlich kann ich damit für mich etwas anfangen!

Mir ist diese Hormonspirale auch nicht wirklich sympathisch, zumal ich mit der Kupferspirale ja schon heftige Probleme hatte und hier auch nach 8 Monaten 150,- Euro in den Abfall werfen lies.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist Microgynon keine geeignete Pille für mein Alter? Würden Sie dann überhaupt empfehlen, die zwei verbliebenen Blister noch zu nehmen? Ich verstehe das mittlerweile leider nicht mehr. Dieser Arzt wusste doch auch genau wie alt ich bin?

Gibt es außer der Qlaira noch Alternativen für Frauen in meinem Alter?
Falls mein neuer FA diese eventl. gar nicht verschreibt? Ich fürchte er möchte mich weiterhin von der Mirena überzeugen und ich werden dementsprechend stur bleiben müssen.

Ich gebe zu, ich habe große Angst wieder in diese starken Wechseljahresbeschwerden wie zu Anfang des Jahres zu fallen. Zwar möchte sich mein Mann im Herbst unters Messer legen lassen (was mir ehrlich gesagt gar nicht so recht ist) und eine Verhütung wäre dann in absehbarer Zeit nicht mehr notwendig, aber ich habe richtig Bammel einfach gar nichts mehr zu nehmen.

Halten Sie diese Angst für übertrieben? Kann es sein, dass es mir trotzdem gut ginge und ich es einfach ausprobieren soll?

Die letzten 5 Monate waren eine richtige Achterbahnfahrt für mich und natürlich auch meinem Mann. Er erkannte mich zum Teil gar nicht wieder. Ich möchte einfach nur normal und in Ruhe weiterleben können. Ich bin doch erst 42.

Mit freundlichen Grüßen Hanna

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01.06.2010, 12:48 Uhr
Antwort

Hallo Hanna,
diese Empfehlung, ab 40 möglichst kein Ethinylöstradiol mehr anzuwenden, ist noch nicht so alt!
Sie bezieht sich auch vor allem auf Frauen, die eine längere Pillenpause hinter sich haben und wieder mit der Pille neu beginnen.
Der verordnende Arzt muss die Patientin auf ein etwas höheres Gefäßrisiko vor allem in den ersten Einnahmemonaten hinweisen.
Und sich das am besten sogar schriftlich bestätigen lassen.
Meine eigene Frau hat bis 54 ohne irgendein Problem eine Ethinylöstradiolhaltige Micropille angewendet; aber wie gesagt, sie hat nie eine Pause gemacht. Und dann haben wir der Natur vertraut und meine Frau nimmt seitdem (sie wird dieses Jahr 62) eine HT ein, unter der sie sich bestens fühlt - mindestens 50 Jahre jünger als ich ;-)
Wenn Ihr Mann eine Vasektomie machen lassen möchte, dann sollte diese OP nur dann gemacht werden, wenn sie beide diesen Schritt bejahen.
Die QLAIRA ist insofern ein Mittelding zwischen sicherer Pille und HT.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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