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Libidoverlust in den Wechseljahren

Kategorie: Frauenheilkunde » Expertenrat Wechseljahre | Expertenfrage

20.08.2007 | 05:37 Uhr

Lieber Doc,
ich bin 53 Jahre alt, seit 33 Jahren verheiratet, habe zwei Kinder mit 17und 21 Jahren und hatte mit 48 Jahren meine letzte Periode. Seitdem leide ich unter Hitzewallungen, Schlafstörungen und depressiven Verstimmungen. Was mir jedoch am meisten zu schaffen macht, ist das völlige Verschwinden des Interesses an sexueller Aktivität obwohl ich meinen Mann nach wie vor sehr liebe. Bisher habe ich aus Angst vor den Nebenwirkungen keine künstlichen Hormone eingenommen. Inzwischen ist meine Ehe in Gefahr, da mein Mann sich nicht mehr von mir geliebt und begehrt fühlt. Bitte helfen Sie mir und geben Sie mir einen Rat, ob es irgendwelche Medikamente gibt, die meine Lust wieder aufleben lassen. Ich möchte meinen Mann auf keinen Fall verlieren.
Eine verzweifelte Ehefrau

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20.08.2007, 06:51 Uhr
Antwort

Hallo Anonym,
die Libido läßt bei sehr vielen Frauen in den WJ als Folge des Hormonmangels nach. Verantwortlich für die Libido ist das TESTOSTERON, eigentlich ein männliches Sexualhormon=Androgen, aber es wird auch von der Frau in Eierstöcken und Nebenniere gebildet. Nach den WJ steigt der Androgenspiegel eigentlich sogar an, aber es wird leider ein viel potenteres testosteron=Dihydrotestosteron gebildet, was die Libido eher noch mehr hemmt, aber statt dessen den Bauch dicker werden läßt.
Liebe und Sexualität hängen aber nicht nur von den Hormonen ab. Vieles im Leben wird zur Routine und verliert dadurch seinen Reiz.
Auch eine große Handvoll Testosteron-Gel für die Frau macht einen ungepflegten Mann nach der Spätausgabe der Tagesschau für 5 Minuten Sex vor dem Einschlafen nicht unbedingt attraktiv.
Sie sollten unbedingt mit Ihrem Mann gemeinsam eine Sexualberatung (zum Beispiel bei der proFamilia) aufsuchen, um auch wieder neue Wege der Partnerschaft zu finden.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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20.08.2007, 10:16 Uhr
Antwort

Guten Abend Herr Dr. Dossler,
für Ihre schnelle Antwort danke ich Ihnen sehr herzlich. Leider ist diese für mich nicht wirklich zufriedenstellend, da mein Mann sehr attraktiv und gepflegt ist und mich aufrichtig liebt. Wir haben bereits beschlossen eine Eheberatung aufzusuchen. Trotzdem wäre ich sehr glücklich, wenn es irgendetwas geben würde, was mir helfen würde. Mittlerweile würde ich sogar Hormone nehmen, wenn ich sicher wüßte, daß es mir dann besser gehen würde. Ich hatte vergessen zu erwähnen, daß ich auch noch an Scheidentrockenheit leide, was Sex nicht unbedingt lustvoller macht.
Ich bitte Sie noch einmal aus Ihrer reichhaltigen Erfahrung mir einen Rat zu geben.
Ganz lieben Dank und viele Grüße

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20.08.2007, 11:28 Uhr
Antwort

soweit hergeholt war die antwort von dr. dossler aber auch nicht. der ehealltag ist manchmal so bescheuerd, dass einem einfach die lust vergeht, egal ob der mann nun ungepflegt ist, einfach keinerlei verständnis aufbringt oder ungerecht herumfaucht. dies alles hemmt natürlich die sexualität. ein mann muss uns frauen auch mal so in den arm nehmen und uns im alltag zeigen, dass er uns liebt und auch begehrenswert findet. wenn dies alles fehlt, dann fehlt uns halt auch was.

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21.08.2007, 09:06 Uhr
Antwort

Hallo Anonym,
meine Bemerkung mit dem *ungepflegten Mann* sollte nur allgemein verstanden werden.
Ich wollte damit sagen, dass nicht alles nur hormonell bedingt ist oder mit Hormonen zu regeln geht.
Wenn Sex zum Problem geworden ist (egal aus welchem Grund) und sich der eine Partner über die Unlust des anderen beschwert hat, dann gibt es schon mehr zu tun als eine Hormonanalyse oder einen Hormonbehandlung zu machen.
Sexuelle Unlust bei Frauen wird erst jetzt als Gesundheitsstörung angesehen, vielleicht demnächst auch von der WHO offiziell als Krankheit anerkannt und damit Teil der krankenkassenfähigen Behandlung in der Praxis. Über die Bedeutung des weiblichen Testosteron-Mangels als Ursache des Libidoverlustes gibt es bereits zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen.
Nach 30 Jahren Ehe- und Sexualberatung in meiner Praxis kann ich aber nur jedem Paar mit Sexualproblemen raten, professionelle Gesprächs-Hilfe zusätzlich in Anspruch zu nehmen. Ich habe es so oft erlebt, dass Ehepaare einige Monate nach Ende der Beratungen mir berichteten, dass sie jetzt ein glücklicheres, zufriedeneres und erfüllteres Sexualleben hätten, als je zuvor. Auch ganz ohne Hormonzugaben. Irgendwann werde ich vielleicht mal ein Buch drüber schreiben.
Aufgrund Ihrer Angabe, dass Sie über Scheidentrockenheit klagen, möchte ich Ihnen raten, sofort mit einer lokalen Behandlung mit HYALOFEMME (rezeptfrei) oder sogar mit einer lokal anzuwendenden Hormontherapie anzufangen.
Jeder beim Sex erlebte Schmerz hinterläßt Spuren und Erinnerungen und Angst vor dem *wieder-erleben-müssen*. Diese Angst macht es fast unmöglich, sich zu entspannen, was eine natürliche Reaktion bewirkt: Vermeidung. Reaktiv ist dann auch oft die Trockenheit der vaginalen Schleimhaut und der Verlust der Libido.
Mit freundlichen Grüßen und der Bitte, mir für meine Verallgemeinerung nicht böse zu sein, verbleibe ich
Ihr
TomDoc

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21.08.2007, 09:16 Uhr
Antwort

Hallo anonym,
Sie sprechen mir aus der Seele!
Das ganze Leben besteht aus dem Erlernen ganz bestimmter Verhaltens- und Ablaufmuster. Und der Tod jeder Beziehung ist und bleibt die Routine.
Männer machen sich oft mehr Mühe, die Fernbedienung ihres Fernsehers zu studieren, als die Bedürfnisse ihres Partners.
Dieses Gewöhnen an den Knopfdruck auf eine Fernbedienung wird in den Ehealltag übertragen, so, als würde ein Druck auf die linke Brustwarze pünktlich um 23 Uhr bereits das volle Programm ehelichen Glücks anlaufen lassen.
Wenn eine Beziehung wieder glücklich und harmonisch und für beide Seiten zufriedenstellend werden soll, müssen beide Seiten ihr Verhalten überdenken und neu lernen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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21.08.2007, 12:51 Uhr
Antwort

Lieber Herr Dr. Dossler,
diese Anrede wähle ich ganz bewußt, weil ich Ihnen von Herzen danken möchte, wie einfühlsam und verständnisvoll Sie auf jede Frage, die Ihnen in diesem Forum gestellt wird, antworten.

Sie haben natürlich völlig recht mit allem, was Sie zu diesem Thema sagen und ich habe nicht die geringste Veranlassung, über irgendetwas böse zu sein.

Mein Problem ist, und damit antworte ich auch der anonymen Schreiberin, daß ich einen überaus liebevollen und verständnisvollen Partner habe, auf den ich mich immer voll und ganz verlassen konnte, der wirklich alles für mich getan hat, der mir auch Komplimente machte und mir Blumen mitbrachte. Der auch Sex mit mir haben wollte, aber ich hatte noch nie viel Lust darauf. Wenn wir allerdings miteinander geschlafen haben, habe ich es fast immer als sehr schön erlebt. Mein Mann war aber immer rücksichtsvoll und hat es akzeptiert, wenn ich nicht wollte. Wahrscheinlich war er zu rücksichtsvoll und konnte nun so nicht mehr weiterleben. Ich habe viele Jahre die Bedürfnisse meines Mannes nicht wirklich wahrgenommen und den Kopf in den Sand gesteckt. Das kann ich nun nicht mehr, da mein Mann mich gefragt hat, ob ich damit leben könnte, wenn er seine sexuellen Bedürfnisse mit einer anderen Frau, die er inzwischen kennengelernt hat, ausleben würde. Nun ist mein Kartenhaus zusammengebrochen, das darauf basierte, daß ich glaubte, mein Mann würde mich so lieben wie ich bin. Eben auch mit meinen Behinderungen, für die ich doch eigentlich nichts kann. Ich habe doch leider keinen Schalter, auf den ich drücken kann, um das Sexprogramm einzuschalten. Daher kommt meine Bitte, ob man mit Medikamenten - was auch immer - helfen kann.

Mein Mann und ich haben nach vielen Jahren endlich wieder ganz offen miteinander gesprochen. Für mich ist eine offene Ehe nicht denkbar, aber er möchte mich auch nicht verlieren. Wir wollen nun beide an unserer Beziehung arbeiten und uns beraten lassen. Aber, es fällt mir sehr schwer so offen hier zu sein, bei dem Gedanken an eine Sexualtherapie krampft sich in mir schon alles zusammen. Da Sie, lieber Herr Dr. Dossler, aber schreiben, daß Sie schon vielen Paaren helfen konnten, werde ich die Hoffnung nicht aufgeben, daß auch mein Mann und ich noch eine Chance haben.

Meinen aufrichtigsten Dank für alles!!!

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21.08.2007, 12:56 Uhr
Antwort

Hallo,

vielleicht kannst du so testen, ob bei dir noch Regungen vorhanden sind:

Ein erotisches Buch lesen oder einen erotischen Film, evtl. auch einen, bei dem wirklich alles gezeigt wird (es gibt Filme, die gar nicht abstoßend sind), gemeinsam mit deinem Mann angucken oder auch zuerst alleine.

Oft kann man als Frau nicht vom Alltag und Trott abschalten und in Stimmung kommen, durch ein Gläschen Sekt und einen schönen Film o. ä. kann durchaus das Verlangen wieder erwachen, was vorher schlummert...
LG
Daniela

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21.08.2007, 14:51 Uhr
Antwort

sorry, das ist wieder so eine pauschalisierung die mich nervt. natürlich ist oft etwas wahres dran.
aber es liegt doch immer am ehealltag oder daran, dass Mann ungepflegt ist oder kein verständnis aufbringt o.ä.

ich hatte hier auch diesbezüglich auch schon einmal um rat gefragt, und ich habe keinen bescheuerten ehealltag o.ä., sondern bin noch relativ frisch verliebt, mein freund ist attraktiv und gepflegt, und er hat verständnis und trägt mich auf händen.

trotzdem habe ich seit dem eintritt der wechseljahre keine oder kaum noch eine libido. vorher war das ganz anders, selbst in meiner ex-beziehung hatte ich nach 15 jahren immer noch lust auf sex.
ich bin unglücklich und gefrustet, weil mir so die lust vergangen ist.

ich habe testogel ausprobiert, es hat auch ein wenig geholfen. aber ich habe angst vor den nebenwirkungen, die irreversibel sind. darum nehme ich nur iab und zu eine kleine menge, die eigentlich nicht ausreicht.

gefrustete grüße
ingrid

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21.08.2007, 14:53 Uhr
Antwort

es sollte natürlich heissen:

es liegt doch NICHT immer am ehealltag ..............

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