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Gebärmutterschleimhaut und Ausschabung

Kategorie: Frauenheilkunde » Expertenrat Wechseljahre | Expertenfrage

24.02.2010 | 06:06 Uhr

Hallo Herr Dr. Dossler,

ich wende mich heute an Sie, da ich mir unheimliche Sorgen um meine Frau mache. Bei meiner Frau wurde im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung mit Ultraschall gestern eine Verdickung der Gebärmutterschleimhaut diagnostiziert. Da diese Verdickung ungleichmäßig ist, hat der Arzt zu einmer Ausschabung geraten, da er eine Gewebprobe zur Untersuchung einschicken will. Meine Frau ist 53 Jahre alt. Sie hatte bereits vor ziemlich genau 2 Jahren eine Ausschabung und eigentlich seither keine Regelblutung mehr gehabt. Bei der Vorsorgeuntersuchung vor einem Jahr war auch noch alles OK. Wir wollen in 2 Wochen in den Urlalub fahren. Der Frauenarzt meinte, er würde die Ausschabung nicht auf die lange Bank schieben, aber Mitte März wäre noch OK. Ein Termin für die Ausschabung ist jetzt für die Woche vor Ostern angesetzt. Ich würde lieber nicht in Urlaub fahren und hätte lieber Gewissheit, was bei der Untersuchung der Schleimhaut herauskommt. Meine Frau möchte aber in den Urlaub fahren und freut sich auch schon sehr darauf.
Was würde Sie raten und gibt es Erfahrungswerte, in wieviel % eine Verdickung der Gebärmutterschleimhaut gut- oder bösartig ist. Ich mache mir ganz große Sorgen und habe heute Nacht die ganze Zeit kein Auge zugetan. Was sollen wir nur machen??

Viele Grüße
Paganini

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24.02.2010, 10:26 Uhr
Antwort

Hallo,
falls Sie das Ergebnis der letzten Ausschabung zur Verfügung haben, dann kopieren Sie doch mal den Inhalt hier in den nächsten Brief.
Da Ihre Frau keine Blutungen oder sonstige Beschwerden hat, sollte sie tatsächlich das ganze auch ruhig angehen und das fürsorgliche Vorgehen (die Sichereheitsausschabung) beim FA nach dem Urlaub durchführen lassen. Einen Grund zu ganz besonderer Eile sehe ich auch nicht, außer, dass mit einer sofortigen Abrasio auch der ganze Druck weg sein wird und sie beide den Urlaub mehr genießen könnten.
Bei sehr vielen Frauen besteht in den WJ über einen längeren Zeitraum eine so genannte Östrogendominanz, über die ich hier fast täglich, manchmal sogar mehrfach, schreibe.
Ich will Ihnen das kurz erklären, weil diese Ö-Dominanz die häufigste Ursache für Schleimhautstörungen in der Gebärmutter ist.
...
Die weiblichen Eierstöcke bilden 2 Hormone, die sehr unterschiedliche Aufgaben haben.
Das Östrogen bewirkt die Ausreifung eines Eies und verursacht die Zellteilung und das Wachstum (durch Zellteilung) der Gebärmutterschleimhaut.
Mit dem Eisprung wird im Eierstock zusätzlich das Gelbkörperhormon, Progesteron, gebildet. Dieses Hormon hemmt das weitere Wachstum der Schleimhaut, bewirkt aber eine starke Aktivitätszunahme der Schleimhaut: sie wird stärker durchblutet und dadurch dicker und tut das, weswegen sie Schleimhaut heißt: sie bildet Schleim. Dies hat den Zweck, ein eventuell befruchtetes Ei auszunehmen und einzunisten.
Kommt es nicht zu einer Befruchtung, dann bricht die Gelbkörperhormonbildung ab, die Schleimhaut wird nicht mehr richtig durchblutet und ernährt und löst sich als Menstruation ab.
Mit den WJ fällt im weiblichen Zyklus zunächst als Zeichen der jetzt endenden Fruchtbarkeit die Gelbkörperhormonbildung aus.
Auch die Östrogenbildung lässt nach, sodass der Eisprung wegbleibt.
Aber die Östrogenbildung bleibt immer noch, oft über viele Jahre, gering erhalten, sodass die Schleimhaut ganz, ganz langsam wieder heranreift, was man im Ultraschall recht gut erkennen kann. Manchmal findet dieses Wachstum nur an einigen Stellen in der Gebärmutter statt, weil die Östrogenrezeptoren der Schleimhaut auch im Laufe der Zeit ihre Funktion einstellen, sodass die Schleimhaut nur noch an den Stellen wächst, an denen diese Rezeptoren sich noch befinden. Das imponiert dann im Ultraschall als Unregelmäßigkeit.
Da das Gelbkörperhormon fehlt, kann die Schleimhaut nicht ausreifen und abbluten und wächst langsam aber sicher immer weiter heran.
Diesen Zustand nennt man Östrogendominanz (der im übrigen für viele Störungen der WJ verantwortlich ist).
Dass der FA Ihrer Frau aufgrund seines aktuellen Ultraschallbefundes zu einer Sicherheitsausschabung rät, finde ich wirklich ausgezeichnet, weil aus unregelmäßigen Schleimhautentwicklungen Wucherungen, Polypen und auch in seltenen Fällen eine oberflächliche Schleimhautentartung (aus der sich Gebärmutterschleimhautkrebs entwickeln kann) resultieren können (deshalb wäre das alte feingewebliche Ergebnis der früheren Ausschabung zur Information jetzt wichtig).
Bösartige Veränderungen der Schleimhaut machen sich fast immer durch unregelmäßige, oft nur leichte Schmierblutungen bemerkbar, die Ihre Frau aber ganz offensichtlich garnicht hat.
Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort etwas weiter geholfen zu haben!
Ihr
TomDoc

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24.02.2010, 10:29 Uhr
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sorry, soll natürlich heißen:
ein eventuell befruchtetes Ei aufzunehmen und einzunisten.
und nicht:
ein eventuell befruchtetes Ei auszunehmen und einzunisten.
Ihr
TomDoc

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24.02.2010, 13:52 Uhr
Antwort

Sehr geehrter Herr Dr. Dossler,

recht herzlichen Dank für die schnelle, sehr ausführliche und vor allen Dingen auch verständliche Antwort. Da haben Sie mir wirklich einen Stein vom Herzen genommen. Offenbar ist diese Diagnose ja bei Frauen im Wechsel sehr häufig. Da meine Frau die Sache eigentlich ganz locker sieht, denke ich dass wir wohl doch unseren Urlaub geniessen können. Ihre Auskunft hat dabei wirklich gut geholfen. Der Befundbericht der letzten Ausschabung liegt mir leider nicht vor.

Ganz herliche Grüße und nochmals vielen, vielen Dank
Ihr
Paganini

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24.02.2010, 14:38 Uhr
Antwort

Hallo Paganini,
aber Ihre Frau soll die vom FA empfohlene Abrasio auch nicht vergessen, sondern in Ruhe nach dem Urlaub durchführen lassen!
Besorgen Sie sich trotzdem den Befund von der früheren Ausschabung!
Wenn Sie Ihren FA nicht verwirren wollen, dann sagen Sie ihm, dass Sie den Befund zur Sicherheit wegen der geplanten Reise mitnehmen wollten.
Alles Gute und bis bald
Ihr
TomDoc

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24.02.2010, 18:04 Uhr
Antwort

Sehr geehrter Herr Dr. Dossler,

die Abrasio (;-))) wird sie sicherlich nicht vergessen und den Befund werde wir uns besorgen. Auf jeden Fall werdeich Ihnen weiter berichten, wie die ganze Sache ausgegagnen ist.

Viele liebe Grüße
Paganini

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19.04.2010, 09:15 Uhr
Antwort

Sehr geehrter Herr Dr. Dossler,

wie versprochen hier jetzt das Zwischenergebnis: Die Ausschabung wurde am 13.4. vorgenommen und der Untersuchungsbefund war negativ. Sie hatten also recht mit Ihrer Vermutung, dass es sich um eine Sicherheitsausschabung gehandelt hat. Wir sind jedenfalls sehr froh darüber und möchten Ihnen nochmals für Ihren Rat und Ihre mentale Unterstützung danken.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Paganini

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19.04.2010, 09:33 Uhr
Antwort

Hallo Paganini,
bitte besorgen Sie sich jetzt den feingeweblichen Befund der Ausschabung.
Alles in Ordnung! klingt zwar wunderschön und beruhigend, ist aber keine Diagnose.
Aus dem feingeweblichen Befund lässt sich viel mehr erkennen und meist die genaue Ursache für Blutungen oder übermäßiges Schleimhautwachstum ableiten.
Und das ist genauso wichtig wie zu wissen, dass nichts Bösartiges dahintersteckte.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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