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Eierstockentfernung bei Eierstockzyste erforderlich?

Kategorie: Frauenheilkunde » Expertenrat Wechseljahre | Expertenfrage

03.04.2006 | 06:15 Uhr

Ich hatte eine große Ovarialzyste, die vom linken Eierstock ausging (25x11 cm). Es war organerhaltende OP vereinbart, wenn kein Krebs vorliegt. Nun wurde aber der linke Eierstock mit Eileiter zusätzlich zu der Zyste entfernt. Die Begründung war, dass Zyste und Eierstock ineinander übergegangen sein sollen. Die Zyste soll quasi der Eierstock gewesen sein. Ist das denkbar? Als Material zur patholog. Untersuchung wurde genannt: Adnexe links. Es erfolgte im Gutachten der Hinweis auf die gutartige Zyste (Kystom) und auf die Tube ohne pathologischen Befund bis auf eine leichte Fibrose der Tubenschleimhaut.
Ein Hinweis auf einen untersuchten Eierstock (Ovar) ist nicht zu lesen.
Ihre Diskussion im Forum zum ähnlichen
Thema hatte ich gelesen. Ist die Ovarektomie gerechtfertigt?
Besten Dank für Ihre Antwort.
Gruß Dorischen

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03.04.2006, 07:39 Uhr
Antwort

Hallo Dorischen,
jetzt wäre es gut, wenn ich Ihnen per Internet ein paar Fotos oder Bilder zeigen könnte.
Die Antwort ist: ja, das ist so. Manche Zysten wachsen sozusagen am Rand des Eierstocks und lassen sich problemlos entfernen, ohne dass der Eierstock gefährdet ist. Leider aber gibt es Zysten, die sozusagen das gesamte Eierstockgewebe auf die Zystenwand verteilen, sodass der Eierstock selbst nur noch hauchdünn ist. Diese Cysten sind oft riesengroß (wie bei Ihnen). Diesen Eierstock können Sie auf keinen Fall mehr erhalten.
Trotzdem müsste im histologischen Präparat bei Ihnen noch irgendwo Eierstockgewebe nachgewiesen worden sein, sonst ist nämlich der Eierstock möglichwerweise doch nicht entfernt worden – bitte genau nachfragen. Wenn tatsächlich kein Ovargewebe histologisch nachgewiesen worden ist, dann ist m.E. auch keine Ovarektomie durchgeführt worden, sondern nur eine Cystektomie unter Mitnahme der linken Tube. Bitte nochmal genau den OP-Bericht und die Histologie komplett erfragen!
Bei der Entfernung eines Eierstockes treten keine nennenswerten hormonellen Probleme auf, auch die Fruchtbarkeit (wie alt sind Sie?) wird kaum beeinträchtigt.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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04.04.2006, 12:44 Uhr
Antwort

Besten Dank für Ihre schnelle Antwort, Herr Dr. Dossler. Histologisches Gutachten und OP-Bericht liegen mir vor. Im Gutachten finde ich keinen Hinweis auf Eierstock- bzw. Ovargewebe. Diese Begriffe werden nicht erwähnt. Im OP-Bericht steht:
...Hervorluxieren des Tumors und Absetzen des Ovarialtumors mit adhärenter Tube vom Ovarikagefäßbündel bzw. vom Uterus. Versorgung der jeweiligen Stümpfe mit Einzelknopfnähten. Einsenden des Präparates zur Pathologie. Telef. Durchsage der Schnellschnittdiagnose Herr Prof...: Multilokuläre gutartige Ovarialzyste. Daraufhin Peritonealisierung des OP-Gebietes unter Extraperitonealisierung des Ovarikagefäßstumpfes...
Bitte teilen Sie mir nochmal mit, ob Sie die Eierstockentfernung aus den Angaben entnehmen können.
Besten Dank und Gruß
Dorischen

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04.04.2006, 13:30 Uhr
Antwort

Hallo Dorischen,
Sie teilen mir den Befund der Schnellschnittuntersuchung (=vorläufige Untersuchung) mit, da ist nur die Cyste untersucht worden.
Im übrigen sind multilokuläre Ovarialcysten typischerweise sehr schnell so groß, dass sie das Eierstocksgewebe völlig aufbrauchen, weil sie, wie der Name sagt, multilokulär = an vielen Stellen gleichzeitig entstanden sind.
Es müsste noch eine ENDGÜLTIGE histologische Untersuchung des Gesamtpräparates vorliegen, die kommt meist ca 14 Tage später.
Bitte lassen sie sich diesen Befund kopieren und melden sich noch mal. O.k.?
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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04.04.2006, 16:00 Uhr
Antwort

Sehr geehrter Herr Dr. Dossler,
besten Dank für Ihre schnelle Antwort. Mich interessiert aber noch dringend vor dem endgültigen histol. Befund, was der Begriff aus dem OP-Bericht, den ich Ihnen schon mitteilte, bedeutet: Extraperitonealisierung in Verbindung mit dem Ihnen schon genannten Zusammenhang. Ich hatte zu diesem Begriff im Internet gefunden: Operative Verlagerung eines Bauorgans aus der Bauchhöhle bzw. Verlagerung oder Mobilisierung eines teilweise vom Bauchfell bedeckzen inneren Organs durch Entfernung des fest anhaftenden Peritonealüberzuges. Können Sie mir mitteilen, was lt. Angaben aus dem OP-Bericht bei mir gemacht wurde?
Gruß Dorischen

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04.04.2006, 21:00 Uhr
Antwort

Hallo Dorischen,
Unter „Extraperitonealisieren“ versteht man den üblichen notwendigen und korrekten operativen Verschluß einer Wunde im Bauchraum, z.b. am Eierstock, der Gebärmutter, am Darm oder auch an der Bauchrückwand. Das Bauchfell = Peritoneum, schützt alle Organe im Bauchraum und überzieht sie wie ein Teppich. Stellen Sie sich vor, dass Sie einen Gegenstand, der unter dem Teppich =“extraperitoneal“ liegt, entfernen müssten, ohne den Teppich aus dem Zimmer räumen zu können. Dann müssten Sie den Teppich aufschneiden, den Gegenstand drunter wegnehmen und den Teppich wieder vernähen. Dann würden sie den Bereich unter dem Teppich wieder „extraperitonealisieren“.
Alles klar?
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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05.04.2006, 10:01 Uhr
Antwort

Hallo, Herr Dr. Dossler,
wieder besten Dank für Ihre Antwort. Mir ist aber leider immer noch nicht ganz klar, was man unter Extraperitonealisieren des Ovarikagefäßstumpfes genau versteht. Meine Frage ist, ob es einen Wundverschluss am gesamten Eierstock, an einem Eierstockrest oder an einem Gefäß war, mit dem der Eierstock ursprünglich verbunden war. Dazu müsste ich den Begriff Ovarikagefäßstumpf kennen, den ich leider im Internet nicht fand. Weiter zielt meine Frage daraufhin ab, ob vielleicht nach diesen Angaben im OP-Bericht mein li. Eierstock noch drin ist, oder ein Rest davon oder ob die Zyste incl. Eierstock abgetrennt wurde.
Besten Dank.
Mit freundlichen Grüßen
Dorischen

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05.04.2006, 13:33 Uhr
Antwort

Hallo Dorischen,
versuchen wir noch mal unser Glück:
die „Ovarika“ ist die sog. Arteria ovarica, das Blutgefäß, was den Eierstock mit Blut versorgt. Alle Blutgefäße liegen im Bauchraum „extraperitoneal“, also „hinter dem Teppich“. Wenn also der Eierstock entfernt worden ist, dies ist zu vermuten, mir fehlt lediglich der histologische Beweis (das habe ich bereits mehrfach gesagt), dann müssen diese Blutgefäße abgebunden werden und anschließend wird das Bauchfell (unser Teppich) wieder dadrüber verschlossen, also wird damit der „Ovarica-Gefäßstumpf“ extraperitonealisiert.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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05.04.2006, 16:22 Uhr
Antwort

Sehr geehrter Herr Dr. Dossler,
erst noch einmal danke ich Ihnen für die Auskunft. Ich glaube, es fehlt auch der Beweis aus dem OP-Bericht, denn aus den Angaben, die ich Ihnen daraus zitierte, ist ja nur von der Zyste und der Tube die Rede, die entfernt worden sein sollen. Wahrscheinlich ist dann doch wohl nur die Zyste gemeint, in die sich der Eierstock umwandelte.
Gruß Dorischen

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06.04.2006, 08:46 Uhr
Antwort

Sehr geehrter Herr Dr. Dossler,
eben habe ich mit der patholog. Abt. des KH telefoniert, die die Zyste und Tube untersucht hat. Von dort wurde mir gesagt, dass ich kein Abschlussgutachten mehr zu erwarten habe, weil in dem schon vorhandenen Gutachten unter dem Begriff Mikroskopie bereits der Abschlussbefund des in Paraffin eingelegten Präparates stehen soll. Dort findet sich ein Hinweis auf den Schnellschnitt, weshalb ich die Aussagen nicht als endgültig ansah. Wie Ihnen schon mitgeteilt, ist auch dort kein Eierstockgewebe bzw. Ovargewebe erwähnt. Ich fragte in der Pathologie, wo denn mein Eierstock geblieben sei, der nicht erwähnt wurde. Die Auskunft war, dass die Zyste auch der Eierstock sei. Mehr wollte man mir nicht sagen. Danach sollte ich lieber den Gynäkologen fragen. Ich kann mir das nur so erklären, dass durch die Zystenbildung das Eierstockgewebe aufgebraucht und nicht mehr feststellbar gewesen sei, was Sie auch schon mal als Möglichkeit erwähnten. Ich glaube, so nähern wir uns dem tatsächlichen Sachverhalt.
Gruß Dorischen

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