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Blasenentzündung durch Hormonschwankungen?

Kategorie: Frauenheilkunde » Expertenrat Wechseljahre | Expertenfrage

27.07.2006 | 09:47 Uhr

Ich (45) leide seit einigen Monaten unter ständig wiederkehrenden Blasenentzündungen und zwar sobald ich mit meinem Mann geschlafen habe. Da ich eigentlich naturheilkundlich orientiert bin, habe ich immer versucht, diese mit Globuli und reichlich trinken wegzubekommen. Das ist mir in keinem Fall gelungen; letztlich musste ich immer ein Antibiotikum nehmen, um dann nach dem nächsten Geschlechtsverkehr wieder eine Blasenentzündung zu bekommen; und das, obwohl ich direkt nach dem Verkehr die Blase entleert habe. Es ist wirklich zum Verzweifeln; neuerdings hat sich auch noch ein Vaginalpilz dazugesellt. Sonstige Anzeichen vom Beginn der Wechseljahre habe ich noch nicht. Periode kommt regelmäßig. Kann es trotzdem sein, dass diese ständigen Blasen-entzündungen irgendetwas mit Hormonen zu tun haben? Oder ist es nur auf momentane Belastung zurückzuführen, da ich mich seit März in einer Vorbereitung für eine staatliche Prüfung befinde?

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27.07.2006, 12:20 Uhr
Antwort

Hallo Frau Meyer,
dieses Phänomen nennt sich „postkoitale Cystitis“ und ist recht häufig. Und tritt in jedem Lebensalter auf.
Die einfachste Therapie ist, vor dem Verkehr bereits ein Medikament gegen Blasenentzündung einzunehmen, z.B. ARCTUVAN (aus Bärentrauben-Blättern), manchmal hilft auch die Einnahme eines klassischen Sulfonamides (1 Tabl.Nitrofurantoin).
Auf jeden Fall muss sicher eine Infektion bei Ihnen oder Ihrem Mann ausgeschlossen werden.
Das kann man sehr einfach machen, indem Sie versuchsweise Verkehr mit Kondom haben. Treten danach keine Beschwerden auf, dann ist die Ursache klar. Bitte schicken Sie dann Ihren Mann zum Urologen, um bei ihm eine Infektion festzustellen oder auszuschließen. Die WJ verändern als Folge der nachlassenden Östrogenbildung den pH-Wert in den Schleimhäuten des Unterleibes. Aus diesem Grund können Fehlbesiedelung der Scheide mit Haut- oder Darmbakterien immer häufiger werden und zu Entzündungen führen.
Statt einer Behandlung mit Östrogen-Vaginal-Emulsionen kann man recht gut mit Gynomunal-Vag.Gel (aus Hopfen), Phyto-Soya-Vag.Gel (aus Soya) oder auch anderen Vag.Salben und Emulsionen (da gibt’s auch eine auf Majoran-Basis, leider fällt mir der Name nicht ein).
Natürlich spielt Stress eine große Rolle, wobei das wiederholte Erleben der Blasenentzündung nach dem Verkehr auch einen Automatismus nach sich ziehen kann, der sehr lästig ist, nämlich, dass Sie im Unterbewusstsein: Verkehr = Blasenentzündung sagen und damit zusätzlich eine Angstkomponente entwickeln mit der Vermeidungshaltung: kein Verkehr = keine Blasenentzündung.
Also – hoffentlich waren meine Infos nicht zu ausführlich!
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
TomDoc

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31.07.2006, 11:26 Uhr
Antwort

Dieses Problem ist mir (47J.) leider bestens bekannt und inzwischen schon fast mein Spezialgebiet geworden.
1) Wichtig ist zunächst die Keimbestimmung durch den Urologen, am besten bringt man den Morgenurin hin. Meist sind es Ecoli-Bakterien aus dem Darm, die Probleme bereiten. Dann ist Waschen vorher und nachher superwichtig (die Hände nicht vergessen!) Für uns Frauen finde ich eine Lotion mit Milchsäurebakterien (z.B. Sagella) sehr angenehm
2) Nach dem Verkehr gleich auf die Toilette gehen, damit eventuelle Bakterien ausgespült werden.
3) Das Sperma des Mannes untersuchen lassen (macht auch der Uro)
4) Wenn die Verhütung mit Kondom nichts bringt (das war bei mir so), dann evtl. über die Praktiken nachdenken. Durch Oralverkehr übertragen sich Staphylococcen. Diese äußern sich von der Symptomatik her genauso wie die Ecolis.
5) Evtl. Blase spiegeln lassen, um andere Erkrankungen auszuschließen (ist zwar nicht so toll, aber man kann es aushalten....)
6) Je nach der Art der Bakterien gibt es verschiedene Formen der Immunisierung. Gegen die Ecolis heißt das Präparat Urovaxom, für andere gibt es Impfungen mit dem Namen Strovac. Leider muss man das alles selbst bezahlen, aber mir hat es zumindest für einige Jahre eine Verbesserung der Situation gebracht.
7) Wenn es Dich erwischt hat und Du kein Antibiontikum nehmen willst, kannst Du folgendes versuchen: Setze Dich in die Badewanne, das Wasser so heiß wie Du es ertragen kannst und versuche soviel zu trinken, wie Du schaffst. 6 Liter sollten es aber schon sein. Durch das warme Wasser hast Du weniger Schmerzen beim urinieren und durch die große Menge an Flüssigkeit spülst Du die Bakterien aus. Das hört sich zwar seltsam an, aber so habe ich es zumindest hin und wieder ohne AB geschafft. Leider ist das eine Prozedur über Stunden und bei starken Schmerzen schwer auszuhalten. Bei allen alternativen Mittel zum AB musst Du auf Deine Trinkmenge achten. Besonders wichtig ist, dass keine Pausen entstehen. Du solltest dann also lieber mal nachts aufstehen, trinken und zur Toilette gehen, denn durch die Schlafstunden haben die Bakterien genügend Zeit sich bis zum nächsten Morgen wieder zu verbreiten. Das ist nämlich auch der Grund, weshalb man sich meistens abends besser fühlt und am nächsten Morgen dieselben Beschwerden wieder anfangen.
Gute Besserung und viele liebe Grüße

Pany

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