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Teils extrem niedriger Blutdruck

Kategorie: Herz-Kreislauf » Expertenrat Herz- und Kreislaufbeschwerden | Expertenfrage

gestern, 12:41 Uhr

Ich bin als Patient mit primärer Hypertonie jetzt seit einiger Zeit mit einer 3er-Kombi Amlodipin 10mg / Valsartan 160mg / Spironolacton 25mg ganz gut eingestellt (Durchschnitt SYS 110-120 / DIA 70-80) und fühle mich auch sehr gut damit.

Problem: Ab und an sackt der Blutdruck extremst runter. Mein "Rekord" lag bei 70/40. Ohnmächtig bin ich dabei noch nicht geworden, aber es ist sehr unangenehm. Alles wird grau und man möchte sich am liebsten gleich flach hinlegen - was aber situationsbedingt nicht immer geht. Kommt meistens vor in Situationen, wo man das auch erwarten würde: Nach dem Essen, beim plötzlichen Aufstehen, bei warmen Wetter bzw. Wechsel aus klimatisierten Räumen nach draußen im Sommer oder im Winter von kalt draußen nach warm drinnen. Manchmal ist das nur sehr kurz (max 1 Minute), manchmal kämpfe ich aber auch eine halbe Stunde lang mit Phasen, wo einem immer mal wieder schwindelig und schwarz bzw. weiß vor Augen wird.

Frage vorab: Ist so ein extrem absackender niedriger Blutdruck gefährlich bzw. ungesund (abgesehen davon dass man umkippen könnte)? Vor allem wenn alles um einen herum grau oder weiß wird, frage ich mich manchmal, ob die kurzzeitige Unterversorgung des Gehirns oder der Augen irgendwie schadet. Und die Frage, ob einem Schwankungen von bis zu 50mmHG (also wenn es von 120 runter auf 70 rasselt) die Gefäße belasten.

Mein Hausarzt sagt, ich soll dann halt "an solchen Tagen" mal eine Tablette (die Spironolacton) weglassen. Nur kann ich morgens, wenn ich die Tabletten nehme schlecht vorhersagen, ob das ein Tag mit Absackern wird oder nicht. Und das würde dann vermutlich auch wieder das Gesamtniveau heben und ich hätte vielleicht zwar keine Absacker, aber dann den Rest des Tages im Durchschnitt erhöhte Werte. Was ich deutlich merke und als unangenehm empfinde.

Frage: Gibt es andere Methoden, den Blutdruck in solchen Situationen schnell hochzubringen. Ja - Muskeln anspannen, Fäuste ballen, hinsetzen, Glas Wasser trinken alles schon probiert, aber das hat nichts gebracht. Vielleicht ansonsten sogar ein Medikament, was man bei Bedarf einwerfen kann um den Blutdruck schnell und für maximal eine Stunde anzuheben?

Ach ja: Alle möglichen Usachen für stark schwankenden Blutdruck (Cushing, Conn, Schlafapnoe, Kardiologie, Lebenswandel) habe ich schon abgeklärt und sind alle nicht vorhanden. BMI 22,7, Alter 58, männlich, Sport mäßig (2-3 mal joggen / Woche), Nichtraucher, Ernährung + Alkohol alles einigermaßen gesund und in Maßen.

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Bisherige Antworten
Lifeline Gesundheitsteam
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gestern, 13:04 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

Es ist verständlich und durchaus ärgerlich, wenn eine gut eingestellte Therapie gegen Bluthochdruck hin und wieder durch starke Blutdruckabfälle gestört wird. Zum einen sind die Symptome sehr unangenehm, zum anderen kann dies das Vertrauen in eine ansonsten erfolgreiche Therapie erschüttern. Bitte beachten Sie, dass wir aus der Ferne keine spezifischen Therapieempfehlungen aussprechen können oder dürfen. Wir möchten Ihnen jedoch gerne mit allgemeinen Hinweisen weiterhelfen.
Ein plötzlich abfallender Blutdruck, wie Sie ihn erleben, kann in der Tat unangenehm sein und führt zu einer verringerten Durchblutung des Gehirns, was die von Ihnen beschriebenen Symptome wie Schwindel oder Sehstörungen verursacht. Solange die Unterversorgung des Gehirns nicht länger andauert, sind in der Regel keine langfristigen Schäden zu erwarten. Es ist jedoch wichtig, dieses Symptom regelmäßig zu überwachen.
Blutdruckschwankungen von bis zu 50 mmHg sind auf Dauer ungünstig und können im schlimmsten Fall die Blutgefäße belasten. Häufige und starke Schwankungen erhöhen langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daher sollte angestrebt werden, diese extremen Blutdruckabfälle zu vermeiden, um das Risiko von Folgeschäden zu minimieren.
Die Empfehlung Ihres Hausarztes, die Medikamentendosis an solchen Tagen zu reduzieren, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Ein Problem besteht jedoch darin, dass Sie die Symptome nicht vorhersagen können. In diesem Fall könnte eine Notfallstrategie eine sinnvolle Ergänzung darstellen, um den Blutdruck in akuten Situationen zu stabilisieren.
Ein einfaches und allgemein verfügbares Mittel zur kurzfristigen Blutdruckerhöhung ist Koffein. Sollte es eine gewisse Vorwarnzeit für die Symptome geben, könnte starker Kaffee oder Tee helfen, den Blutdruck rechtzeitig anzuheben. Auch ein Glas Wasser kann hilfreich sein, da es das Volumen und die Elektrolyte im Blut stabilisiert, was ebenfalls den Blutdruck stabilisieren kann. Darüber hinaus könnten Elektrolytgetränke, wie sie in Sportgeschäften erhältlich sind, aber auch alkoholfreies Weißbier (das allerdings nicht wissenschaflich gesichert) hilfreich sein, da sie eine schnellere Aufnahme der Elektrolyte ermöglichen und das Kreislaufsystem unterstützen.
Kompressionsstrümpfe könnten ebenfalls eine unterstützende Maßnahme darstellen. Sie helfen, die Blutzirkulation zu fördern, indem sie verhindern, dass sich das Blut in den Beinen staut. Dadurch bleibt mehr Blut für den Kreislauf und den Blutdruck zur Verfügung.
In bestimmten Fällen könnten auch Medikamente, sogenannte Vasopressoren, den Blutdruck kurzfristig anheben. Diese sollten jedoch nur in enger Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt eingesetzt werden, da sie in Deutschland nicht Teil der Standardtherapie bei Bluthochdruck sind und nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden sollten.
Wir empfehlen Ihnen, nochmals mit Ihrem Arzt oder einem Kardiologen über die beschriebenen Symptome und die möglichen Maßnahmen zu sprechen. Durch eine gezielte Anpassung der Therapie oder durch zusätzliche Hilfsmittel lässt sich möglicherweise eine Verbesserung der Symptomatik erzielen.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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gestern, 13:57 Uhr
Antwort

LIebes Team,

viel danke für die schnelle und ausführliche Antwort...ich versuche es mal mit dem Kaffee und bespreche das Thema Vasopressoren mal mit meinem Hausarzt.

Eine Folgefrage hätte ich noch: Gibt es eventuell seltene Ursachen für (im Tagesverlauf) stark schwankenden Blutdruck die ich eventuell noch abklären sollte? Mit Endrokrinologe, Kardiologe, Nieren-CT, Schlaf-Apnoe bin ich schon durch....habe ich möglicherweise noch was übersehen?

Lifeline Gesundheitsteam
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heute, 09:24 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

Es freut uns sehr, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten und dass Sie einige der Vorschläge ausprobieren möchten.
Insgesamt wurden bei Ihnen bereits viele Untersuchungen durchgeführt, sodass die häufigsten und auch einige seltene Ursachen ausgeschlossen werden konnten. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass sich noch eine bislang übersehene Ursache findet. Dennoch gibt es einige Bereiche, die möglicherweise noch einer genaueren Abklärung wert wären.
Zum einen könnte eine autonome Regulationsstörung vorliegen, das heißt, dass das vegetative Nervensystem nicht immer angemessen auf verschiedene Situationen reagiert. Dies würde gut zu Ihren Beschwerden passen, insbesondere zu den Symptomen nach dem Aufstehen oder nach dem Essen. In diesem Zusammenhang könnte ein Schellong-Test oder eine Kipptischuntersuchung sinnvoll sein. Letztere wird allerdings nicht mehr überall routinemäßig durchgeführt, da das erforderliche Equipment nicht immer verfügbar ist. Eine orthostatische Hypotonie oder das posturale orthostatische Tachykardie-Syndrom (POTS) könnten mögliche Erklärungen sein.
Gerade nach dem Essen wäre auch eine Histaminintoleranz als mögliche Ursache denkbar, da Histamin die Blutgefäße erweitern kann, wodurch es zu einer verstärkten Blutansammlung in den Beinen kommt. Falls Sie bereits andere Unverträglichkeitsreaktionen bei sich bemerkt haben, könnte dies eine Spur sein. Allerdings ist ein direkter Zusammenhang zwischen Histaminintoleranz und Blutdruckabfällen nicht eindeutig belegt.
Es könnte zudem hilfreich sein, noch einmal einen genaueren Blick auf Ihre Medikamenteneinnahme zu werfen. Nehmen Sie neben Ihren Blutdruckmedikamenten noch andere Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel ein? Auch pflanzliche Mittel oder rezeptfreie Medikamente können in seltenen Fällen Wechselwirkungen verursachen. Eine Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker wäre hier sinnvoll.
Auch möchten wir nochmals auf die bereits erwähnten Kompressionsstrümpfe hinweisen. Diese könnten dazu beitragen, Ihre Beschwerden zu lindern, indem sie verhindern, dass sich zu viel Blut in den Beinen sammelt. Besonders bei einer orthostatischen Ursache könnten sie hilfreich sein. Es wäre daher empfehlenswert, dieses Thema noch einmal mit Ihrem Hausarzt zu besprechen.
Wir gehen davon aus, dass einige der genannten Maßnahmen helfen werden und sich Ihre Symptome bessern. Falls die Beschwerden weiterhin stark ausgeprägt bleiben, könnte es sinnvoll sein, noch einmal einen Spezialisten hinzuzuziehen. Zögern Sie nicht, sich bei weiteren Fragen wieder an uns zu wenden.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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