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Neue Herzrhythmusstörungen nach AVRT-Ablation

Kategorie: Herz-Kreislauf » Expertenrat Herz- und Kreislaufbeschwerden | Expertenfrage

14.12.2024 | 13:10 Uhr

Hallo liebes lifeline-Team,
nachdem ich 1 Jahr unter anfallsartigem Herzrasen (Puls ca. 180-200, immer ausgelöst durch eine spürbare Extrasystole beim Bücken) litt und es immer nur auf die Psyche geschoben wurde habe ich mich im Dezember 2022 einer Ablation unterzogen. Diese wurde erfolgreich durchgeführt. Diagnose: orthodrome AVRT, Katheterablation der linksseitigen Leitungsbahn, transaortal. Seitdem hatte ich ca. 2 Jahre absolute Beschwerdefreiheit.

Im September 2024 trat nun erstmals ein neuer Anfall von Herzrasen auf. Dieses Mal nachts. Danach war eine kurze Beschwerdefreiheit, bis es Ende November wieder anfing. Seitdem erfolgen die Anfälle alle paar Tage oder sogar einige Tage hintereinander, auch schon 2x pro Tag. Die Art der Anfälle ist jedoch komplett anders als bei der AVRT. Sie beginnen jedes Mal aus der absoluten Ruhe heraus. Ich bemerke ca. 1 Minute vorher ein seltsames Unwohlsein. Dann beginnt mein Herz spürbar zu klopfen und der Puls steigt relativ zügig an (gemessen ca. 150 Schläge). Dabei habe ich zeitweise das Gefühl es klopft unregelmäßig. Dieser Zustand hält dann ca. 3 Minuten an. Danach geht mein Puls wieder einigermaßen zügig auf 70-80 Schläge runter. Ich habe mir damals auf Anraten der Ärzte eine Smartwatch gekauft. Diese dokumentiert während der "Akutphase" als Ergebnis entweder "nicht eindeutig" oder "Vorhofflimmern (unregelmäßiger Puls erkannt)". Unmittelbar danach wertet sie wieder einen normalen Sinusrhythmus aus.
Hausarzt und Kardiologe wissen nicht was es sein könnte. Sie schieben es daher wieder auf die Psyche wie bei der AVRT damals auch.

Ich möchte der Vollständigkeit halber noch erwähnen, dass ich seit einigen Jahren auch spürbare VES habe. Diese stören mich jedoch nicht wirklich. 2 Langzeit-EKG's haben ca. 130 Stück pro Tag ergeben.

Ich habe mittlerweile schon etwas Sorgen, dass es eine ventrikuläre Tachykardie ist. Haben Sie eine Vermutung um was es sich dabei eventuell handeln könnte? Welche Möglichkeiten überhaupt zur Symptomatik passen würden? Kann es auch in Zusammenhang mit der Ablation damals stehen?

Vielel Dank!

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Bisherige Antworten
Lifeline Gesundheitsteam
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20.12.2024, 12:06 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

Wir können nachvollziehen, dass die geschilderten Symptome Sie belasten und Sorgen bereiten. Leider können wir aus der Ferne natürlich keine Diagnose stellen und die Situation nur eingeschränkt einschätzen. Dennoch möchten wir Ihnen einige Ideen und mögliche Ursachen nennen.
Die Symptomatik kann verschiedene Ursachen haben, die abgeklärt werden sollten. Nachdem die Smartwatch während der Anfälle Vorhofflimmern dokumentiert hat, ist es sinnvoll, dies weiter zu überprüfen. Vorhofflimmern tritt manchmal nach einer Ablation auf, wenn durch die Ablation Narbengewebe entsteht, das die Erregungsleitung im Herzen beeinflussen kann. Allerdings ist die Diagnostik durch Smartwatches nur eingeschränkt verwertbar.
Theoretisch könnten auch andere Rhythmusstörungen wie hämodynamisch bedingtes Vorhofflattern oder ventrikuläre Tachykardien in Frage kommen. Einige dieser Rhythmusstörungen können tatsächlich auch nach einer Ablation auftreten. Bei einem vorher insgesamt gesunden Herzen ist dies jedoch eher selten. Trotzdem sollte dies abgeklärt werden.
Es wäre sinnvoll, ein Langzeit-EKG durchzuführen, um die Anfälle aufzuzeichnen. Ein Langzeit-EKG ist zuverlässiger als die Messungen durch eine Smartwatch. Auch ein Belastungs-EKG könnte helfen, einzuschätzen, ob körperliche Belastung eine Rolle bei der Entstehung der Anfälle spielt.
Weitere mögliche diagnostische Schritte wären ein Event-Recorder oder eine elektrophysiologische Untersuchung im Rahmen eines Herzkatheters. Diese Untersuchungen könnten zusätzliche Hinweise auf die Ursache liefern, sind jedoch aufwändiger und sollten daher erst nach den oben genannten Tests in Erwägung gezogen werden.
Da die Symptome relativ kurz andauern und der Puls nur moderat ansteigt, ist eine lebensbedrohliche Rhythmusstörung glücklicherweise sehr unwahrscheinlich. Dennoch ist es sinnvoll, dass Sie weiterhin in Behandlung bei Ihrem Kardiologen bleiben, um die genaue Ursache zu finden.
Natürlich ist auch eine psychische Ursache denkbar. Eine solche Diagnose sollte jedoch nicht leichtfertig gestellt werden, sondern erst nach dem Ausschluss körperlicher Ursachen in Betracht gezogen werden.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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