Mein Vater (69) ist heute mit einem schweren Hinterwandinfarkt ins Krankenhaus gebracht worden und liegt nun auf der Intensivstation. Das aber auch nur, weil meine Mutter zum Hausarzt gegangen ist und ihn um die Einweisung gebeten hat, da sie mit dem Verhalten und den Symptomen meines Vaters nicht zurecht kam. Bereits einen Tag vorher (am Sonntag) hatte sie den Notarzt (einen Urologen) gerufen, da mein Vater nicht selbständig aufstehen konnte, sich laufend übergab und sein Wasser nicht halten konnte, weil er es nicht bis zur Toilette geschafft hatte. All das wußte der Notarzt - auch klagte mein Vater bei seinem Hausbesuch über brennen in der Brust.
Der Arzt meinte, es sei eine harmlose Magenschleimhautentzündung und verließ seinen Patienten - meinen Vater.
Hätte der Notarzt nicht sicherheitshalber sofort eine Einweisung ins Krankenhaus veranlassen müssen? Hätte er nicht vielleicht die Anzeichen des Infarktes erkennen müssen? Stattdessen lag mein Vater noch 24 Stunden mit einem schweren Hinterwandinfarkt zu hause...
Hinterwandinfarkt erkennen ?!
Kategorie: Herz-Kreislauf » Expertenrat Herz- und Kreislaufbeschwerden | Expertenfrage
Antwort
Solche Fehlbeurteilungen kommen immer wieder vor und führen bei den Betroffenen und den Angehörigen zu Zweifeln oder Verbitterung. Ich betreue gerade so einen Fall vor einem Prozess.
Die Frage ist aber nicht, wie es im Rückblick aussieht, sonden ob der Notarzt bei den Symptomen den Infarkt erkennen konnte. Brechreiz und Urinabgang sind bestimmt keine typischen Infarktzeichen, die Beurteilung war aber im Rückblick ganz klar falsch. Gut, dass nichts Schlimmes passiert ist während der 24 Stunden. Die Frage beibt, wie viel Herzmuskelgewebe mehr hätte gerettet werden können, wenn die Behandlung 24 Stunden früher begonnen hätte.
Gruß
C. Altmann
Antwort
Sehr geehrter Herr Grätz, dieses Forum ist toll und Herr Dr. Altmann hat mir schon sehr oft geholfen. Zu Ihrem Fall bezüglich ihres Vaters: Ich hatte vor einem Jahr einen schweren Hinterwand-Herzinfarkt mit plötzlichem Herztot - die Sanitäter und der Notarzt waren gerade anwesend und das hat mir das Leben gerettet - habe nämlich auch zu lange gewartet. Obwohl ich auch das typische Brennen hinter dem Brustbein hatte - ausstrahlend in beide Arme und den Hals. Die Symptome bei einer Frau weichen immer noch ab gegenüber die eines Mannes, aber die Forschung ist dabei - auch die Symptomatik bei den Frauen zu erforschen.
Allerdings wie der Notarzt gehandelt hat, verstösst gegen jegliche Regel, denn ein EKG hätte schon dargelegt, was vorliegt; so war es jedenfalls bei mir. Daher wäre es in Ihrer Situation nur sinnvoll, dagegen anzugehen.
Ich wünsche Ihrem Vater alles Gute.
Mit freundlichen Grüssen
Marita
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Bitte nicht zu schnell urteilen. Im nachhinein sieht manches als krasse Fehlleistung, was in dem Augenblick nicht eindeutig zu beurteilen war. Ich würtde zustimmen, dass ein Patient, der über Brennen in der Brust und sehr schlechten Allgemeinzustand klagt, mittels EKG oder Krankenhauseinweisung auf Herzinfarkt untersucht werden muss.
Gruß
C. Altmann
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Liebe Marita, sehr geehrter Herr Dr. Altmann,
leider ist mein Vater inzwischen verstorben, da er nur vier Tage nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus einen weiteren Infarkt erlitten hat...
MfG, Katja Grätz
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Das ist traurig.
Alles Gute
Vielen Dank für die Information
Gruß
C.Altmann