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Fragen zur EPU

Kategorie: Herz-Kreislauf » Expertenrat Herz- und Kreislaufbeschwerden | Expertenfrage

05.02.2012 | 11:25 Uhr

Hallo Herr Dr Schaps,

vorgestern wurde bei mir eine EPU durchgeführt. Ich leide seit Jahren an Brady-Tachykardiesyndrom. Meist verläuft das im Wechsel von jeweils ca 2 Monaten oder auch tageweise wechselnd. Im EKG und Langzeit-EKG sieht es in den bradykarden Phasen, wie das Sinusknotensyndrom aus (Pausen bis 1900 ms mit einzelnen SVES und auch Normalfrequenzen). Jeder Kardiologe, der das sieht, tippt sofort auf das SSS. Die Tachykardien hingegen sind rythmisch und treten meist anfallsartig, ausschließlich stehend auf (bis 170 HF). Diese sind steuerbar. Lege ich mich hin gehen diese innerhalb Sekunden wieder nach unten und können sogar bis zur Bradykardie runtergehen
bei der EPU konnten kein Vorhofflimmern, keine SVES ausgelöst und es wurden auch keine pathologischen Leitungsbahnen gefunden. Der Sinusknoten ist völlig intakt. Es wurden auch nur Tachys bis 120 ausgelöst. Ich komme mir vor, wie ein Simulant. Einzig, was aufgefallen war ist ein AV-Block II. Grades. Die Ärztin erzählte mir noch auf dem OP-Tisch, Dass die Vorhofaktion verspätet reagiert und diese meist gleichzeitig mit der Ventrikelfunktion arbeitet. Hab ich das richtig so verstanden? Es sei aber nicht schlimm. Zudem hat sie festgestellt, dass mein vegetatives Nervensystem zu schnell reagiert, dh. die Herzfrequenz geht zu schnell nach oben und auch wieder zu schnell nach unten. Es käme bei jungen Patienten sehr oft vor. Aber ich bin schon 46 Jahre alt und meine Beschwerden habe ich erst seit ca 3 Jahren ( starke Leistungsschwäche, langanhaltene Bradys, wo mir oft schwarz vor Augen wird, die dann nach Wochen durch Tachys mit Angina Pektoris abgelöst (auch wochenlang) werden. Eine Ergometrie zur Kontrolle hat sie mir angeraten. Ich bin zwar sehr froh, dass sie nichts pathologisches gefunden hat- Aber ich wünschte es hätte eine zusätzliche Leitungsbahn vorgelegen, die dann verödet werden hätte können. So muss ich mit diesen Beschwerden weiterleben. Als Abschiedsgespräch wurden mir von der Stationsärztin, die bei der EPU garnicht dabei war, 3 Möglichkeiten (eher genervt) unterbreitet.

1. Ich arangiere mich mit meinen Problemen

2. Ich nehme dann mal nach Bedarf Betablocker und riskiere dann am Abend zu niedrige Herzfrequenzen, die dann zur Ohnmacht oder Tot führen können.

3. Ich lasse mir einen Herzschrittmacher einsetzen und kann dann Betablocker nehmen, wie ich möchte.

1. kommt für mich garnicht in Frage, da ich mich dieser EPU unterzogen habe, um eine Ursache zu haben und somit endlich leistungsfähiger zu werden. Mein Leben besteht seit Monaten aus 6 Stunden arbeiten, die ich kaum durchhalten kann und schlafen. Ich müsste dann also täglich Betablocker nehmen.

2. ist überhaupt garnicht akzeptabel mir sowas vorzuschlagen

3. geht garnicht, weil ich dann meinen Beruf aufgeben muss (zu viel Technik und Generatoren um mich herum). Hier erwiederte mir die Staionsärztin, dass es nicht ihr Problem sei, was ich sehr taktlos fand.

Bevor ich Nachhause ging wurde noch ein EKG gemacht, weil ich merkte, dass die HF sehr niedrig und mir schwindelig war (trotz aufregendem Gespräch mit der Stationsärztin). Obwohl ich abgehetzt war (musste 6 Etagen zum EKG laufen) war die das Ergebnis arrythmisch. Hier wurden die einzelnen Schläge angezeigt zwischen HF: 39 und 48. Erste Reaktion der Stationsärztin:ist doch wunderbar in Ordnung. Schüchtern erwiederte ich dann aber, dass ich das EKG arrythmisch finde und nu sagte sie dann, ja das es ihr doch Sorgen macht. (ich hasse, wenn Patienten angelogen werden). Sie holte sich nun doch einen 2. Rat ein, um mir dann zu erzählen, dass ja alle Kurven an der richtigen Stelle sitzen und das P auch nicht verschoben/übergeleitet sei und alles normal-auch die langen Pausen. Für mich hatte diese Aussage Keinen Wert mehr. Denn andere Kardiologen haben ähnliche EKG s als nicht normal eingestuft. Für mich war das eine Bradyarrhythmie und so ging es mir auch.

Im Entlassungsbericht stand noch nicht einmal was von AV-Block 2. Grades drin oder von erhöhter Vagotonie. Wie auch? Sie war ja auch nicht die untersuchende Ärztin, die die EPU durchgeführt hat. Jeder, der das liest stuft mich nun als gesund ein. Ich weiß, dass ein AV-Block 2. Grades bei den meisten keinen Krankheitswert hat und ich das entgleiste vegetative Nervensystem sicher durch Ausdauersport versuchen kann in die richtige Bahn zu bringen. (Das hat mir im übrigen kein Arzt empfohlen)

1.Aber führt eine erhöhte Vagotonie zu solch wechselnen Beschwerden(Brady und Tachy mit Angina Pectoris und zu extremer Leistungsschwäche. Zudem habe ich auch Wasseransammlungen in den Beinen und habe oft das Gefühl sogar Wasser in der Lunge zu haben, da ich Heiser werde und atme wie durch ein Strohhalm. Das allerdings bessert sich immer, wenn ich Wassertabletten nehme)

2.Die OÄ hat während der EPU nur eine Tachy von 120 ausgelöst bekommen. Tatsächlich habe ich oft anfallsartige Tachys bis 170.
Kann eine solche EPU auch mal zu falschen Ergebnissen führen? Oder ist diese zu 100 % aussagekräftig?

3.Kann eine 2. Leitungsbahn auch mal übersehen werden?

Ich habe rein garnichts erreicht und ich muss einfach so weiter leben, wenn man das noch so bezeichnen kann
Nebenbei gesagt verursachen Betablocker bei mir Bradyarrhythmien. Die kann ich garnicht nehmen (vom HA mehrmals nachgewiesen).
Ich brauche unbedint eine Lösung für mein Problem, da ich befürchte, dass mein Arbeitgeber das nicht mehr mitmachen wird. Denn die Leistungsschwäche fällt seit Monaten auf und ich kanns nicht mehr überspielen.

PS: Blutwerte alle i.O-außer HDL zu niedrig, Gamma-GT zu hoch

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Bisherige Antworten
Experte-Schaps
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24.02.2012, 04:46 Uhr
Antwort von Experte-Schaps

Guten Tag,

1.Aber führt eine erhöhte Vagotonie zu solch wechselnen Beschwerden(Brady und Tachy mit Angina Pectoris und zu extremer Leistungsschwäche. Zudem habe ich auch Wasseransammlungen in den Beinen und habe oft das Gefühl sogar Wasser in der Lunge zu haben, da ich Heiser werde und atme wie durch ein Strohhalm. Das allerdings bessert sich immer, wenn ich Wassertabletten nehme)

- eigentlich nicht, zumal Wasseransammlungen immer Anhalt sind für eine Herzschwäche - aber nicht für Herzrhythmusstörungen! Angina pectoris würde man nur finden bei einer KHK, die bei Ihnen nicht vorliegt und Wasseransammlungen in der Lunge gehen nicht wieder von alleine weg.

Ich würde mich mit der Frage nach einem Herzschrittmacher noch einmal beschäftigten, zumal es heutew gute Aggergegate gibt, die gegen äußere Einflüsse sehr gut geschützt sind.

2.Die OÄ hat während der EPU nur eine Tachy von 120 ausgelöst bekommen. Tatsächlich habe ich oft anfallsartige Tachys bis 170.
Kann eine solche EPU auch mal zu falschen Ergebnissen führen? Oder ist diese zu 100 % aussagekräftig?

- diese sind zu 100% aussagekräftig, zumal mit starken Strommengen gearbeitet wird, die eine Tachykardie von 170bpm sicherlich ausgelöst hätten.

3.Kann eine 2. Leitungsbahn auch mal übersehen werden?

- Nein - da diese in einem durchgeführten Mapping des Herzens fast immer gefunden werden.

Herzlicher Gruß,

Ihr

Klaus-Peter Schaps

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25.02.2012, 01:05 Uhr
Antwort

danke für Ihre Antwort Herr Dr. Schaps!

1.Sie schreiben: Angina pectoris würde man nur finden bei einer KHK, die bei Ihnen nicht vorliegt

aber es wurde noch keine Untersuchung durchgeführt, die eine KHK ausschließt. Ergo wurde bei mir nach der 1. Stufe abgebrochen wegen retrosternalem Brennens und damit kann man nichts anfangen. Auch bei der EPU werden die Gefäße nicht untersucht.
KHK kann durchaus vorliegen, zumal wir eine positive Familienanamnese haben mit einem mittlerem Sterbealter von 50 Jahren.

2.dann schreiben Sie bei der Frage:
Kann eine 2. Leitungsbahn auch mal übersehen werden?

- Nein - da diese in einem durchgeführten Mapping des Herzens fast immer gefunden werden.

Ich sehe da ein fast in der Antwort. Dann ist das doch nicht 100%?

3.Ich habe vor der EPU eine hohe Dosis Beruhigungstropfen genommen und auch schon die ganze Woche davor. Beienflusst dies das Auslösen von Bradykardien? Ich verstehe das nicht. Ich habe mindestens 25 EKG s, die die Tachys beweisen. Diese sind allerdings alle im Stehen gemacht.

Wird hier Strom verwendet oder Medikamente Wenn ja, welche Medis??

Experte-Schaps
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26.02.2012, 02:36 Uhr
Antwort von Experte-Schaps

Guten Tag,

1.Sie schreiben: Angina pectoris würde man nur finden bei einer KHK, die bei Ihnen nicht vorliegt

aber es wurde noch keine Untersuchung durchgeführt, die eine KHK ausschließt. Ergo wurde bei mir nach der 1. Stufe abgebrochen wegen retrosternalem Brennens und damit kann man nichts anfangen. Auch bei der EPU werden die Gefäße nicht untersucht.
KHK kann durchaus vorliegen, zumal wir eine positive Familienanamnese haben mit einem mittlerem Sterbealter von 50 Jahren.

dann lassen Sie dies bitte abklären - warum wurde nach dem Abbruch der Ergo nichts weiter unternommen?? Dann bitte Stressechokardiographie oder erneuter Versuch der Ergometrie.

2.dann schreiben Sie bei der Frage:
Kann eine 2. Leitungsbahn auch mal übersehen werden?

- Nein - da diese in einem durchgeführten Mapping des Herzens fast immer gefunden werden.

Ich sehe da ein fast in der Antwort. Dann ist das doch nicht 100%?

dies ist natürlich auch immer ein wenig untersucherabhängig - je nach Routine und Erfahrung des Untersuchers - aber recht selten

3.Ich habe vor der EPU eine hohe Dosis Beruhigungstropfen genommen und auch schon die ganze Woche davor. Beienflusst dies das Auslösen von Bradykardien? Ich verstehe das nicht. Ich habe mindestens 25 EKG s, die die Tachys beweisen. Diese sind allerdings alle im Stehen gemacht.

nein - dies beeinflusst die Untersuchung nicht, da der auslösende Strom direkt am Herzmuskel appliziert wird

Wird hier Strom verwendet oder Medikamente Wenn ja, welche Medis??

Strom wird über Katheter direkt an das Herz geführt und damit die zusätzlichen Leitungsbahnen angeregt ihre Kurzschlüsse auszulösen, die man dann detektieren kann, um diese zu veröden.

Sind Sie gar nicht vor der EPU aufgeklärt worden - dann hätte man Ihnen das ganze Verfahren doch ausführlich erläutern müssen??

Herzlicher Gruß,

Ihr

Klaus-Peter Schaps

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27.02.2012, 02:40 Uhr
Antwort

dann lassen Sie dies bitte abklären - warum wurde nach dem Abbruch der Ergo nichts weiter unternommen?? Dann bitte Stressechokardiographie oder erneuter Versuch der Ergometrie.

Ich wollte weiter radeln. Aber man ließ mich nicht. Es wurde dann gesagt in meinem jungen Alter kann nichts vorhanden sein. Ich wirke jünger, bin aber 46 Jahre alt

Ich sehe da ein fast in der Antwort. Dann ist das doch nicht 100%?

dies ist natürlich auch immer ein wenig untersucherabhängig - je nach Routine und Erfahrung des Untersuchers - aber recht selten

Also, ich schätze die Untersucherin schon als sehr erfahren ein-weiß es aber nicht.

Sind Sie gar nicht vor der EPU aufgeklärt worden - dann hätte man Ihnen das ganze Verfahren doch ausführlich erläutern müssen??

Die Aufklärung erfolgte von der Stationsärztin-nicht von der Untersucherin. Diese konnte mir nicht eine einzige Frage beantworten, blätterte bei jeder Frage im Aufklärungsbogen herum und war dabei noch hektisch und kurz angebunden. Mich ärgerte die Sache schon, so dass ich den Aufklärungsbogen einfach nur unterschrieben habe und ihr in die Hand gedrückt habe, damit sie endlich von ihrer Pflicht erlöst ist.
Ich hatte auch gehofft noch Fragen an die untersuchende Ärztin stellen zu können. Aber die musste ja den Raum wegen der Strahlenbelastung verlassen.

Es ist eben alles nicht so richtig gelaufen.

Experte-Schaps
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03.03.2012, 04:06 Uhr
Antwort von Experte-Schaps

Guten Tag,

nein - so geht das nicht - bitte bestehen Sie zumindest auf eine Ergometrie.

Gehen wir davon aus, dass die EPU gut gelaufen ist, so muss zumindest noch eine Ergometrie durchgeführt werden.

Das mit der Aufklärung ist wahrlich dumm gelaufen!!

Herzlicher Gruß,

Ihr

Klaus-Peter Schaps

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