Behandlung eines Durchgangssyndroms nach Herzinfarkt

Kategorie: Herz-Kreislauf » Expertenrat Herz- und Kreislaufbeschwerden | Expertenfrage

24.02.2006 | 02:03 Uhr

Mein Vater (74 und wirklich sehr fit für sein Alter, wirkt auch viel jünger) wurde am Montag mit allen typischen Anzeichen für einen Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert. Es wurden ein mittelschwerer bis schwerer Herzinfarkt diagnostiziert und 2 Stents eingesetzt.Eine weitere verstopfte Aterie will man zunächst mit Medikamenten behandeln. Der Kreislauf war stabil, mein Vater immer ansprechbar. Am Abend des Geschehens war er natürlich sehr erschöpft und blass. Da er wegen der Nebengeräusche auf seinem Zimmer der Intensivstation die ganze erste Nacht nicht schlafen konnte, bekam er am nächsten Tag ein Einzelzimmer. Er war dann bei unserem Besuch eigentlich wie immer, d.h. voll da, aufgeschlossen und ansprechbar, freute sich über die Hörkassetten. Verständlicherweise war er recht müde, hatte ein wenig Kopfweh, Halsstechen und leicht erhöhte Temperatur. In der Nacht darauf gab es dann plötzlich Probleme, d.h. er tickte völlig aus, wollte raus, von meinem Bruder abgeholt werden, den er mitten in der Nacht anrief...sein Verhalten war wohl auch recht aggressiv. Da die Gefahr bestand, dass er sich selbst verletzt, wurde er mit Medikamenten ruhig gestellt (in Schlaf vesetzt) und mit den Händen ans Bett fixiert. Man sagte uns, es würde sich wohl um ein Durchgangssyndrom handeln, das immer wieder mal gerade bei älteren Patienten vorkäme und ein paar Tage anhalten könne. Man vermutet auch eine Reaktion auf das Kontrastmittel als Ursache. Die Situation ist nun für uns sehr erschreckend, da er jetz so hilflos daliegt, trotz Medikamenten ab und an unruhig wird, kämpft, stöhnt, versucht sich aufzurichten und das Gesicht schmerzlich verzerrt. Er atmet hektisch und rasselnd (Gefahr einer Lungenentzündung besteht, es wird ab und an abgesaugt). Der Zustand ist nun nach drei Tagen nahezu unverändert. Da mein Vater immer agil und sehr viel fitter war als seine Altersgenossen machen wir uns nun große Sorgen, was da wirklich mit ihm passiert und ob das wirklich ein häufiger Verlauf nach einem Infarkt ist. Wir besuchen ihn jeden Tag, wissen aber natürlich nicht, ob er das wirklich mitbekommt. Auf Gedeih und Verderb sind wir dem Handeln der Ärzte ausgesetzt, die wegen der Hektik auf der Intensivstation gerade mal Zeit für ein kurzes Flurgepräch haben.Ist es überhaupt korrekt, den Patienten auf diese Weise ruhig zu stellen? Das muss doch für ihn auch traumatisch sein!

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24.02.2006, 06:30 Uhr
Antwort

Sie sprechen ein heikles Thema an.
Bei biologisch jungen Patienten kommt das Durchgangssyndrom selten vor. Nach Herz-Operation ist es sehr häufig, nach Katheterbehandlungen selten.
Die psychische Entgleisung kann Vorbote einer Lungenentzündung selbst sein. Als Nebenwirkung des Kontrastmittels müsste es in 24 Stunden abgklingen. Sind die Ärzte sicher, dass kein Schlaganfall eingetreten ist und die psychische Symptomatik nur Neben - Schauplatz ist?
Ihr Vater wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erinnern an das, was jetzt abläuft. Wichtig ist, dass er sich nicht selbst durch Blutdruck - Krisen oder starke Muskelanstrengung in Gefahr bringt. Von daher ist die Ruhigstellung berechtigt. Das Festschnallen darf formal nur mit richterlicher Anordnung erfolgen, ein Familienmitglied müsste zum Betreuer erklärt werden und dafür unterschreiben. Zunächst würde ich denken, dass die Sicherheit Ihres Vateres Vorfahrt hat. Wenn der Zustand nach 3 Tagen nicht deutlich besser wird, muss aber etwas passieren. Es muss unbedingt erforscht werden, wo die Ursache liegt (stiller Alkoholiker wird Ihr Vater ja wohl nicht sein). Schädel-CT hätte wieder die Gefahr des Kontrastmittels. Hirnembolie? Stoffwechselentgleisung? BLutsalze? Zucker? Austrocknung? Blutdruckentgleisung? Beginnende Lungenentzündung?
Gruß
C. Altmann

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24.02.2006, 07:59 Uhr
Antwort

Herzlichen Dank für Ihre schnelle Rückantwort und Ihren Einsatz. Ich bin sehr froh, dass ich dieses Forum entdeckt habe. Wir sind eben vom Besuch aus dem Krankenhaus zurückgekehrt. Der Kreislauf ist wirklich in Ordnung, der Herzrhythmus hat sich auch weiter verbessert. Zucker u.ä. könne ausgeschlossen werden. Eine CT wurde übrigens gemacht und hat keine Auffälligkeiten ergeben. Ein Schlaganfall liegt nicht vor. Da inzwischen die Beruhigungsmittel abgesetzt wurden, war mein Vater wieder etwas unruhig und störrisch, aber auch irgendwie mehr da. Die Atmung rasselt ordentlich und er versucht auch immer mal zu husten und verzieht dabei das Gesicht wie vor Schmerzen. Er bewegt sich auch immer noch sehr, so dass die Fixierung wohl immer noch bleiben muss, wenn wir nicht da sind. Die Ärztin sagte, dass er einen Infekt hätte, der jetzt mit Antibiotika behandelt wird. Ab und an wird auch der Schleim abgesaugt, um ihm Erleichterung zu verschaffen. Kann das trotzdem noch zur Lungenentzündung ausarten?
Er ist auch ansprechbar, reagiert aber noch sehr verzögert und öffnet manchmal mit starren Pupillen die Augen. Die Pfleger sagen , dass es recht lange dauert, bis das Beruhigungsmittel vom Körper abgebaut wird. Auch die Ärzte im Krankenhaus haben uns zum Thema Alkohol angesprochen, was wir bisher eigentlich immer ausgeschlossen haben. Offenbar scheint sein Bild aber dafür zu sprechen, wenn auch Sie es erwähnen. Mittlerweile hat meine Mutter sich aber doch Gedanken darüber gemacht, dass er eventuell nachts immer mal gerne was trinkt. Sie merkt das nur immer gleich, weil meine Eltern aufgrund seines Schnarchens in getrennten Räumen schlafen. Manchmal hat sie aber wohl doch bemerkt, wenn er etwas unsicheren Fußes ins Bett geht, das Vorkommnis dann aber auch verdrängt. Man kann zwar nicht sagen, dass er übermäßig Alkohol trinkt, aber regelmäßige Mengen könnten ja auch schon reichen? Früher war das vermutlich mehr, da er im Rahmen von Montagetätigkeiten sein Berufsleben fast ständig auf großen Baustellen verbracht hat. Und dass da viel getrunken wird, ist ja kein Geheimnis.
Ich weiß jetzt nicht, ab wann man ein stiller Alkoholiker ist, aber wie Entzug kommt es mir inzwischen auch ein wenig vor. Vielleicht auch in Einheit mit den verschleimten Atemwegen (beginnende Lungenentzündung). Das wird doch hoffentlich alles wieder in Ordnung kommen, wenn er diese Phase überstanden hat? Die Pfleger versichern uns ja immer, dass er wieder klar wird aber man bekommt gern auch Bestätigung von anderer Stelle. Vielen Dank nochmals für Ihre Unterstützung!

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24.02.2006, 08:55 Uhr
Antwort

Die Frage Alkohol stellt sich mehr im Rückblick, weil das Psychosyndrom ein Entzug sein könnte. Den kann man mit Psychopharmaka abfangen.
Ein Infekt der Lunge ist wahrscheinlich, die Antibiotika helfen Ihrem Vater. Das Herz selbst scheint ja ganz gut zurecht zu sein.
Ich sehe eigentlich gute Aussichten für Ihren Vater.
Gruß
C. Altmann

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