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Zeckenstich

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Zecken | Expertenfrage

03.06.2020 | 08:26 Uhr

Sehr geehrter Dr. Leidel,

am 19. Mai wurde ich von einer Zecke gestochen. Sie ließ sich ganz leicht mit Fingern von der Haut abnehmen und war noch flach. Die Einstichstlle war weder gerötetet noch geschwollen. Die Rötung, Schwellung und der Juckreiz erschienen erst am nächsten Tag. Die Zecke wurde auf Borrelien positiv getestet, und ich musste ab 23. Mai vorsorglich 2x100 Doxycyclin 10 Tage lang einnehmen. Ich hatte weder Müdigkeit noch typische Wanderröte. Die Rötung und Schwellung um die EInstichstelle gehen allmählich zurück. Zurzeit ist nur ein roter kleiner Punkt zu sehen. Der Arzt meinte, wenn ich keine Symptome nach der Antibiotiknahme habe, wäre alles in Ordnung und ich keine serologische Untersuchengungen machen soll.  Meinen Sie, dass ich mir keine Sorgen mehr machen soll und die Einstichstelle nicht mehr beobachten muss?

 

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Experte-Leidel
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03.06.2020, 12:24 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

die Borrelien befinden sich zunächst im Darm der Zecke. Wenn diese anfängt zu saugen, gelangen die Borrelien langsam in die Speicheldrüse der Zecke, von wo aus sie übertragen werden können. Das dauert mehrere Stunden. Sie haben offensichtlich die Zecke früh entfernt, so dass ich eine Infektion für sehr unwahrscheinlich halte.

Ihr Arzt hat Sie gleichwohl sicherheitshalber vorbeugend mit Doxycyciln behandelt, was völlig richtig war. Auch der Rat Ihres Arztes, keine serologischen Untersuchungen zu machen, ist völlig richtig. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind meist recht unsicher. Und die Diagnose "Borreliose" wird vor allem durch etwaige Symptome gestellt und durch die Serologie allenfalls weiter untermauert.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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11.06.2020, 11:59 Uhr
Kommentar

Hallo Dr. Leidel,

danke für Ihre Antwort. Reicht eine zehntätgige vorbeugende Behandlung, wenn sie am 4-7 Tag nach dem Zeckenstich beginnt? Oder sollten das schon mindestens 14 Tage sein?

Herzlichen Dank!

Experte-Leidel
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11.06.2020, 13:47 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

jetzt muss ich doch etwas weiter ausholen: Die Borreliose ist in Europa die häufigste Erkrankung nach einem Zeckenstich. Aber von denjenigen, die von einer Zecke gestochen werden, erkranken nur etwa 2%. Allerdings entwickeln bis etwa 6% Antikörper. Ein Zeichen dafür, dass es häufiger zu einer Infektion kommt, die aber nur verhältnismäßig selten zu einer Erkrankung führt.

Aber wegen der relativen "Seltenheit" der Erkrankung gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Es gibt die Auffassung, dass Antibiotika eigentlich nur angewendet werden sollten, wenn es tatsächlich zu einer Erkrankung kommt. Die Anhänger dieser Auffassung warten also ab, ob sich eine Wanderröte entwickelt und behandeln erst dann.

Ich gehöre - wie offenbar auch Ihr Hausarzt - zu denjenigen, die sagen: "Vorbeugen ist besser als Heilen". Und da das Doxycyclin im Allgemeinen gut verträglich ist und ein früher Beginn der Einnahme eine sonst möglicherweise auftretende Infektion verhindert, beginnen sie früh mit der Behandlung.

Und dann gibt es noch unterschiedliche auffassungen zur dauer der Behandlung. Am häufigsten werden die tabletten 10 Tag lang eingenommen. Es gibt aber auch Ärzte, die 20 Tage oder länger behandeln. Je früher die Einnahme beginnt, um so zuverlässiger ist der Effekt

Also: Früh nach dem Stich beginnen und 10 tage einnehmen ist m. E. völlig in ordnung. So würde ich es bei mir auch machen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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11.06.2020, 13:59 Uhr
Kommentar

Danke für Ihre schnelle Rückmeldung. 

Sind 10 Tage nach dem Zeckenstich noch als früh genug  zu bezeichen?

Ich möchte dies für die Zukuft klären) Dieses Mal wusste ich leider nicht, wie ich handeln sollte. Ich unterstütze ebenfalls die vorbeugende Antibiotiknahme. Leider konnte ich nicht schnell genug reagieren und begann, Doxycyclin erst 4 Tage nach dem Stich zu nehmen. Eventuell musste man gleich am nächten Tag damit beginnen. Nach wie vielen Tagen nach dem Stich wäre schon eine 14-20-tägige Behandlung sinnvoll?

Ich wünsche Ihnen schönen Tag noch!

Experte-Leidel
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11.06.2020, 18:28 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag nochmal,

da gibt es keine eindeutig "beste" Vorgehensweise. Manche empfehlen den Therapiebeginn, wenn die Wanderröte erkennbar wird (das dauert meist etwa 3 bis 5 Tage, manchmal aber auch länger), andere ziehen es vor, rasch mit der Behandlung zu beginnen. Da in "Ihrer" Zecke Borrelien nachgewiesen wurden, würde ich früh beginnen, wobei ich mich nicht auf den Tag festlegen kann. Was hat Ihnen denn Ihr Arzt geraten?  

Als Behandlungsdauer reichen im Allgemeinen 10 Tage. Wenn in dieser Zeit die Wanderröte oder andere Krankheitszeichen nicht verschwinden, kann der Arzt aber natürlich entscheiden, ob das Doxycyclin auch länger (bis 30 Tage) eingenommen werden sollte.

Ihr Arzt hat Sie wahrscheinlich darauf hingewiesen, dass es während der Einnahme des Doxycyclin zu Hautreaktionen kommen kann (Rötung, Juckreiz, Schuppung usw.). Gehen Sie also lieber nicht in die Knallsonne, solange Sie das Mittel nehmen. Oder benutzen Sie eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

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11.06.2020, 20:47 Uhr
Kommentar

ich war beim Arzt leider erst am Freitagabend (von der Zecke wurde ich am Dienstagabend gestochen). Mein Arzt meinte, dass ich 10 Tage lang Doxyzylin nehmen soll und dass es noch nicht zu spät für eine vorbeugende Behandlung wäre. Mit der Antibiotiknahme begann ich am Freitagabend gleich nach dem Arztbesuch. Am Samstag habe ich leider einmal Doxy mit Milch genommen, aber danach 10 Tage lang ganz normal mit Wasser). Der Arzt meinte, sollte ich keine Symptome nach der Behandlung haben,  brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Die Einstichstelle ist nur ein kleiner roter Punkt jetzt. Während der Behandlung (gegen Ende) hatte einen roten Fleck oder eher Blase an der Hand, der jetz auch trocken ist und allmählich verschwindet. Ich merke derzeit keine Symptome und hoffe, dass 10 Tage ausreichend waren.

Danke für Ihre Ratschläge.

 

Experte-Leidel
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12.06.2020, 15:08 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag,

das sieht alles gut aus. Machen Sie sich also keine Sorgen und wenden Sie sich, wenn etwas unklar ist an Ihren Arzt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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