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Einschätzung gefahr durch sogenannte superzecke?!

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Zecken | Expertenfrage

24.05.2019 | 14:39 Uhr

Schönen guten tag herr dr leidl 

Mich würde mal Ihre Einschätzung zu dieser, in den medien breitgetretene sogenannte superzecke interessieren?!

Ist sie wirklich so gefährlich?

Wie steht die Chance das man in Deutschland oder Österreich überhaupt Kontakt zu so einer kommt?

Natürlich ist mir die gefahr von unseren heimischen arten auch bewusst, sind fsme geimpft!

Würde mich über ihre Antwort freuen!

Glg aus Österreich 

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Experte-Leidel
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24.05.2019, 18:17 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag 123 ich bin dabei,

die "Superzecke" heißt wissenschaftlich Hyalomma marginatum. Superzecken werden sie genannt, weil sie etwa 5 mal größer sind als unsere heimischen Zecken. Ihr normaler Lebensraum sind Tropen und Subtropen. Sie befallen unter anderem auch Zugvögel und reisen mit diesen auch in nördlichere Gefilde. Durch die globale Erwärmung können sie auch in unseren Breiten eher überleben.

In Deutschland sind 2018 sieben solcher Zecken gefunden worden, in Österreich gab es im Herbst 2018 einen Fund im Bezirk Melk (an einem Pferd).

Unser einheimischer "Holzbock" (Ixodes ricinus) kann Borrelien oder das FSME-Virus übertragen. Hyalomma überträgt u. a. das Virus des Krim-Kongo-Fiebers, das (wie FSME auch) tödlich verlaufen kann. Aber natürlich ist nicht jede Superzecke geladen und nicht jedes Krim-Kongo-Fieber tödlich.

Also: Wir werden uns - wenn nicht endlich etwas zum Klimaschutz geschieht - auch daran gewöhnen müssen, dass bei uns eigentlich nicht vorkommende Infektionskrankheiten auftreten werden. Dabei hätte ich am ehesten Sorge wegen der Malaria. Denn auch die Anopheles-Mücke, die die Malaria überträgt, wird früher oder später bei uns heimisch werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

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24.05.2019, 19:17 Uhr
Kommentar

Vielen dank für die ausführliche Antwort!

Sind somit also noch einzelfälle!

Die sache mit den stechmücken muss mich jetzt aber noch nicht beunruhigen? 

Hoffen wir mal dass es nicht soweit kommt! 

 

Experte-Leidel
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26.05.2019, 12:51 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Ja, bis jetzt geht es um seltene Einzelfälle. Und vor der Anopheles-Mücke, die die malaria überträgt, müssen wir uns noch keine Sorgen machen. Aber wenn die Menschheit in der Klimapolitik nicht zügig umsteuert, müssen wir uns auf exotische Krankheiten und Sechen gefasst machen.

Noch einen schönen Sonntag

Dr. Jan Leidel

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26.05.2019, 15:42 Uhr
Antwort

Vielen dank für die erneute Antwort! 

Fühle mich jetzt gut informiert! 

Ja der klimaschutz/Umweltschutz ist leider so ne sache, sehe es täglich auf dem Spielplatz!

1 frage hätte ich jetzt aber doch noch 

Wie sehen sie das Risiko bei dem west nil virus bei gesunden erwachsenen und babys/kleinkinder? 

Von mir natürlich auch einen wunderschönen Sonntag

& dass sie nicht nur so blöde fragen beantworten müssen 

 

Experte-Leidel
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27.05.2019, 16:19 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Hallo 123 ich bin dabei,

das West-Nil-Virus (WNV) st ein Kranheitserreger aus der Familie der Flaviviren. Es ist hauptsächlich in tropischen und subtropischen Ländern verbreitet, kommt aber im Rahmen der Erwärmung häufiger auch in Mitteleuropa vor. Der Hauptwirt sind Vögel, es kann aber auch andere Tier, Säugetiere und eben auch den Menschen infizieren. Die Übertragung erfolgt durch verschiedene stechende Insekten (in Österreich hauptsächlich durch die Gelsen).

Ca. 80% der Erkrankungen beim Menschen verlaufen ohne eine Erkrankung. Die anderen 20% haben eine grippeartige Erkrankung mit Fieber, Kopf- und Rückenchmerzen, Lymphknotenschwellungen und Abgeschlagenheit. Bei ca. 1 % kommt es zu einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung, die tödlich verlaufen kann.

Für Österreich habe ich Zahlen wie oft WNV bei Menschen nachgewiesen wurde. 2010 - 1 Fall, 2011 bis 2013 - 0 Fälle, 2014 - 2 Fälle, 2015 - 8 Fälle, 2016 - 6 Fälle, 2017 - 7 Fälle. Wie krank diese Menschen waren, ist mir nicht bekannt.

Die österreichische AGES teilt mit, dass das Erkrankungsrisiko in Österreich derzeit noch sehr gering sei.

In Deutschland sind etwas mehr Fälle bekannt geworden, die Risikoeinschätzung ist aber (noch) ähnlich: sehr gering.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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27.05.2019, 16:53 Uhr
Kommentar

Nochmals vielen Dank!

Das wars jetzt von mir!

Schönen Abend noch!! 

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