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Beste Vorgehensweise bei Verdacht auf Borreliose?

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Zecken | Expertenfrage

20.04.2020 | 19:08 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Leidel,

Vielleicht können Sie mir bei meiner weiteren Vorgehensweise helfen.

Ich wurde am 27.3. von einem Zeck gebissen- in der linken Kniekehle. Da ich jedes Jahr mehrmals von Zecken gebissen werde, kenne ich die Vorgehensweise gut, beobachte den Stich usw.

Nicht lange nach dem Stich habe ich langsam Kopfschmerzen bekommen. Zuerst recht schwach, die wurden dann stärker und hatten ihren Höhepunkt zwischen dem 12. Und dem 16.April. Sie waren einseitig, links, sehr stark wenn ich einen Lagewechsel vornahm, sprich, wenn ich vom liegen oder sitzen aufstand, dann wurden sie meist kurzzeitig sehr stark und danach wieder schwächer. Ich ordnete sie erst meiner Periode zu, die ich zeitgleich hatte, jedoch verlief dies untypisch, da sie nicht nur ein paar Tage davor leicht, sondern auch noch währenddessen vorhanden waren.

Ich hatte kein Fieber, Gelenksschmerzen, keine Wanderröte o.Ä.

Ich überlegte, woher dies kommen könnte und mir viel u.A. der Zeckenstich ein. Nun wollte ich mich natürlich so schnell als möglich testen lassen, doch sind solche Tests so kurz nach dem Stich ja oft nicht aussagekräftig.

Was meinen Sie, wie ich nun wohl am besten vorgehen sollte- sollte ich mich so schnell wie möglich testen lassen oder doch noch einige Wochen warten, um ein klares Ergebnis zu erzielen? Soll ich auf eine bestimmte Art von Test bestehen (Immunglobuline) ?

Bzw. denken Sie, dass diese Art von Kopfschmerzen ohne weitere Symptome auf eine beginnende Borreliose hindeuten könnte?

Ich sollte eventuell auch erwähnen, dass ich am 18.3. eine Schilddrüsen-Entfernung hatte und ganz bestimmt unbewusst eine Schonhaltung eingenommen habe, die sich eventuell durch den Halswirbel als solche Kopfschmerzen geäußert haben könnte- doch kann es sein, dass diese plötzlich wieder abklingen, wie es hier eben der Fall war?

Ich bin sehr gespannt auf Ihre Antwort. Ich würde mich sowohl über eine Einschätzung, als auch über die beste weitere Vorgehensweise bezgl. Test freuen.

Alles Liebe und Grüße aus Österreich,

Nina

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Experte-Leidel
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20.04.2020, 22:02 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Abend nina_lara,

zunächst: ich kann und darf keine Ferndiagnosen stellen. Wenn Sie sich wegen Ihrer Beschwerden Sorgen machen, sollten Sie am besten einen Termin mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin vereinbaren.

Die Symptome, die Sie angeben, sind nicht wirklich typisch für ein Frühstadium einer Borreliose, schließen das aber auch nicht aus.

Sie scheinen ja auch an eine mögliche Covid-19-Infektion zu denken. Dafür spricht ebenfalls eigentlich nichts. Aber - wie gesagt, ich kann aus der Ferne keine Diagnose stellen und natürlich auch keine Diagnose ausschließen.

Vielleicht noch zwei Bemerkungen: Wenn Sie fürchten, mit dem neuen Corona-Virus infiziert zu sein, sollten Sie schon versuchen, entsprechend getestet zu werden (auf die Nukleinsäure des Virus). Und die Diagnose einer Borreliose wird hauptsächlich an Hand der Krankheitserscheinungen gestellt. Die serologische Untersuchung ist da zunächst wenig hilfreich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

 

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21.04.2020, 09:21 Uhr
Antwort

Lieber Dr. Leidel,

 

Vielen herzlichen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort. Ich habe mich mit "testen lassen" etwas unpraktisch ausgedrückt- tatsächlich meinte ich wirklich nur die schnellst mögliche Testung einer möglichen Borreliose. An eine Corona-Virus Infektion habe ich bisher nicht gedacht.

Ich wollte mich so schnell als möglich mittels Immunoglobine auf Borreliose testen lassen, aber wie sie schon beantwortet haben, ist eine solche Testung zunächst nicht hilfreich bzw. sprechen keine weiteren Symtpome dafür. W

enn ich nun aber dennoch erfahren möchte, ob ich mit Borreliose infiziert wurde, was denken Sie bis wann  es Sinn machen würde, sich auf Borreliose nach einem Zeckenstich testen zu lassen, wenn man ein relativ aussagekräftiges Ergebnis haben möchte? Bzw. wird dieser Test ohne klare Borreliose Symptome überhaupt gemacht?

Alles Liebe und vielen Dank !

Nina

Experte-Leidel
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21.04.2020, 15:53 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Nina,

leider ist die serologische Diagnostik bei Borrelien-Infektionen kompliziert und oft nicht wirklich eindeutig. Den optimalen Antikörpertest gibt es so eigentlich nicht, die Befunde sind mehrdeutig und können meistens erst nach einer symptomabhängigen und aufwändigen Stufendiagnostik und nur im Zusammenhang mit den körperlichen Krankheitszeichen interpretiert werden.

Infektionen mit Borrelien können auch gar nicht so selten völlig ohne Krankheitserscheinungen ablaufen, was die Angelegenheit weiter kompliziert macht. Andererseits gibt es auch falsch positive serologische Tests auf Borrelien bei ganz anderen Infektionen bakterieller oder viraler Art.

Sie sehen, die serologische Borrelien-Diagnostik ist voller Fallstricke, wobei noch dazu kommt, dass die serologischen Verfahren nicht sehr gut standardisiert sind.

Ich vermute, dass ein Arzt ohne klinische Hinweise eine aufwändige und nicht eindeutige Borrelien-Serologie kaum veranlassen würde. Und wenn doch, dann bekommen sie zwar irgendein Ergebnis, das aber durchaus nicht stimmen muss.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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21.04.2020, 18:23 Uhr
Antwort

Lieber Herr Dr. Leidel,

 

Vielen Dank für die ausführliche und sehr informative Antwort. Ich werde mich am besten weiterhin beobachten, so gut es geht.

Vielen Dank!

Liebe Grüße

Nina

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