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Was kann ich bei Abhängkeit von Abführmitteln machen

Kategorie: Magen-Darm » Expertenrat Verstopfung | Expertenfrage

14.06.2020 | 23:53 Uhr

Ich nehme seit ca. 2 Jahren alle 2 Tage Dulcolax oder Laxans, mittlerweile 7 Tabletten. Wie kann ich davon wegkommen? Leider habe ich ohne die Medikamente gar keinen Stuhlgang mehr auch nicht nach mehreren Tage.

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Experte-Ohlert
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17.06.2020, 10:03 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert


Sehr geehrte Anfragerin,
sehr geehrter Anfrager,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte. Zunächst aber eine Vorbemerkung: Es erscheint mit wichtig darauf hinzuweisen, dass ich hier natürlich nur ganz allgemein zu den aufgeworfenen Themen Stellung beziehen kann.
Der Komplexität des Krankheitsbildes eines jeden einzelnen Patienten wird eine Stellungnahme im Rahmen einer "Internetkonsultation" sicherlich nicht gerecht.
Bitte verstehen Sie daher meine Ausführungen auch immer nur als "Denkanstoß" für die weiteren Gespräche mit Ihren behandelnden Ärzten.
Es wird letztlich "Bücherwissen" reproduziert und keinerlei individuelle Beratung in Bezug Ihr Krankheitsbild vorgenommen.
Dies wäre nach der Berufsordnung nämlich auch gar nicht zulässig.

Nun aber zu Ihrer Frage:

 die Abhängigkeit von Abführmitteln ist ein großes Problem. Denn man muss berücksichtigen, dass der Darm – fängt man einmal mit Abführmitteln an – oftmals immer höhere Dosen benötigt, um noch den gewünschten „Erfolg“ zu zeigen. Oftmals wird verkannt, dass das Stuhlverhalten zwischen den Menschen sehr unterschiedlich ist – ohne krankhaft zu sein. So gibt es Personen, welche vielleicht mehrfach pro Tag Stuhlgang haben und andere, bei denen der Stuhlgang einmal pro Woche stattfindet. Beides muss nicht zwangsläufig mit einer krankhaften Situation verknüpft sein, sondern kann einen Normalbefund darstellen.

Greift man dann in diesen Regelungsmechanismus ein (in dem Abführmittel genommen werden) nimmt das Unglück sozusagen seinen Lauf. Denn wenn ein Darm, der zu einer trägen Aktivität neigt, mit Abführmitteln auf ein bestimmtes Aktivitätsniveau gebracht wird, so kann man davon ausgehen, dass die Dosis im Laufe der Zeit immer weiter erhöht werden muss, um dieses Aktivitätsniveau zu halten.
Ein Patentrezept zur Beendigung eines Abführmittel-Missbrauches gibt es nicht. Wenn man aber berücksichtigt, dass eine gewisse Verminderung der Stuhlfrequenz nicht per se einen pathologischen Zustand darstellt und gleichzeitig Verhaltensweisen wie viel Bewegung, sehr reichliche Flüssigkeitszufuhr, Aufnahme von ballaststoffreiche Kost die Darmaktivität erhöhen können, so hat man schon einen Ansatz, wie man schrittweise aus diesem Dilemma wieder herauskommt.
Vielleicht in diesem Zusammenhang ein Hinweis: die viel zitierte Weizenkleie hat nur dann einen abführenden Effekt, wenn sie mit sehr viel (!) Flüssigkeit eingenommen wird. Denn wenn man sie mit wenig Flüssigkeit zu sich nimmt, hat sie mitunter sogar einen verstopfen den Effekt.

Wie schon oben gesagt, ist dies kein Portal zu individuellen Beratung über das Wesen von Symtomen -
das gehört in die Hand des Arztes, der Sie vor Ort untersuchungen und beraten kann. Da Ihre Frage aber
genau in diese Richtung zielt, kann ich nur anraten, einen Arzt vor Ort aufzusuchen.

 

 

 

Besten Gruss

Dr. Peter Ohlert

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