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Slow-Transit-Obstipation ohne Beschwerden?

Kategorie: Magen-Darm » Expertenrat Verstopfung | Expertenfrage

19.02.2022 | 15:35 Uhr

Liebes Experten-Team,

Nach einer Routine-Darmspiegelung attestierte mir der untersuchende Arzt eine "sehr ausgeprägte Slow-Transit-Obstipation", da mein Dickdarm nach ordnungsgemäßer Einnahme von Moviprep noch ca. 1500 ml Reinigungslösung enthielt. Mein Dickdarm sei extrem erweitert, in einen normalen Darm würde diese Menge Flüssigkeit gar nicht reinpassen. Eine Verbesserung durch eine Ernährungsumstellung sei nicht zu erwarten; ich soll nun lebenslang jeden Tag 2 Beutel Movicol einnehmen.

Nun ist es so, dass ich eigentlich nicht unter Verstopfung leide - ich habe fast jeden Tag Stuhlgang, zwar ziemlich fest und dunkel, aber ich empfinde das nicht als unangenehm. Auch sonst habe ich keine Beschwerden, meine langsame Verdauung hat mich bis auf wenige Ausnahmen nie gestört.

Meine erste Frage: Kann es sich in meinem Fall überhaupt um Slow-Transit-Obstipation handeln, also um eine Art der Verstopfung, wenn ich doch fast jeden Tag Stuhlgang habe?

Meine zweite Frage: Soll ich Ihrer Meinung nach täglich Movicol einnehmen, obwohl ich gar keine Beschwerden habe? Auf meine Nachfrage, ob meine Darmträgheit andere Krankheiten begünstigen könnte, verneinte der Arzt. Das Movicol solle nur verhindern, dass die Trägheit noch schlimmer wird.

Meine dritte Frage: War die Situation überhaupt geeignet, um die Diagnose 'Slow-Transit-Obstipation' zu stellen? Der Füllzustand meines Dickdarms nach der Einnahme von Moviprep ist ja doch eher eine Momentaufnahme unter nicht alltäglichen Bedingungen.

Zu meiner Person: Ich bin weiblich, 39 Jahre alt, schlanker Typus (50kg/170cm). Wir essen Vollkornbrot, kochen jeden Tag selbst und versuchen, 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen. Ich nehme deutlich über 1 Liter Flüssigkeit pro Tag zu mir, im Sommer über 2 Liter.

Danke im Voraus und viele Grüße.

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Experte-Ohlert
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20.02.2022, 16:43 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert


Sehr geehrte Anfragerin,
sehr geehrter Anfrager,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte. Zunächst aber eine Vorbemerkung: Es erscheint mit wichtig darauf hinzuweisen, dass ich hier natürlich nur ganz allgemein zu den aufgeworfenen Themen Stellung beziehen kann.
Der Komplexität des Krankheitsbildes eines jeden einzelnen Patienten wird eine Stellungnahme im Rahmen einer "Internetkonsultation" sicherlich nicht gerecht.
Bitte verstehen Sie daher meine Ausführungen auch immer nur als "Denkanstoß" für die weiteren Gespräche mit Ihren behandelnden Ärzten.
Es wird letztlich "Bücherwissen" reproduziert und keinerlei individuelle Beratung in Bezug Ihr Krankheitsbild vorgenommen.
Dies wäre nach der Berufsordnung nämlich auch gar nicht zulässig.

Nun aber zu Ihrer Frage:

 eine konkrete Handlungsanweisung kann ich von hier aus natürlich nicht geben. Ganz allgemein kann man aber sagen, dass selbst bei einer relativ langsamen Passage im Darm bei weitgehend normaler Stuhlfrequenz eine zwingende Therapienotwendigkeit sich nicht aufdrängt.

Die Definition der Obstipation lautet wie folgt:


Eine chronische Obstipation liegt vor, wenn unbefriedigende Stuhlentleerungen berichtet werden, die seit mindestens 3 Monaten bestehen und mindestens zwei der folgenden Leitsymptome aufweisen:

starkes Pressen,

klumpiger oder harter Stuhl,

subjektiv unvollständige Entleerung,

subjektive Obstruktion, oder

manuelle Manöver zur Erleichterung der Defäkation jeweils  bei  ≥  25%  der  Stuhlentleerungen,  oder

< 3Stühle pro Woche

nach dieser Definition liegt im vorliegenden Fall ja gar keine Obstipation vor.

 

 

Wie schon oben gesagt, ist dies kein Portal zu individuellen Beratung über das Wesen von Symtomen -
das gehört in die Hand des Arztes, der Sie vor Ort untersuchungen und beraten kann. Da Ihre Frage aber
genau in diese Richtung zielt, kann ich nur anraten, einen Arzt vor Ort aufzusuchen.

 

 

 

Besten Gruss

Dr. Peter Ohlert

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