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Komplexe, langjährige und starke Darmbeschwerden

Kategorie: Magen-Darm » Expertenrat Verstopfung | Expertenfrage

24.07.2021 | 09:19 Uhr

Guten Tag,

Ich bin weiblich, 28 Jahre, sportlich, schlank, und ernähre mich gesund und ausgewogen. Ich wende mich an Sie mit einer komplexen Symptomatik, deren Ursprung und Behandlung ich trotz Arztbesuchen nicht feststellen kann.

Vor circa 5 Jahren wurde ich mit Reizdarm diagnostiziert (Gefühl der unvollständigen Entleerung und deshalb häufiger Stuhldrang, Blähungen, Blähbauch, ab und an Durchfall). Rektoskopie wurde keine gemacht. Blut- und Stuhlwerte waren alle gut. Mir wurde nur empfohlen, keine Milchprodukte und Hülsenfrüchte mehr zu essen, was ich seitdem mache.

In den letzten Jahren kamen und gingen die Symptome. Wenn sie da waren, dann hatte ich meist abends starken Stuhldrang, aber es kam nichts raus bis auf ekeligen Schleim, und starke Blähungen. Ich war dann abends k.o., aber morgens war alles wieder gut. Vor 4 Jahren wurde eine Gummibandligatur gemacht, da bei einer Rektoskopie Hämorrhoiden 2. Bis 3. Grades festgestellt worden waren.

Vor 4 Monaten hatte ich mehrmals Blut im Stuhl. Daraufhin wurden sämtliche Allergietests gemacht (alles negativ; Fruktose- und Laktosetests habe ich noch nicht gemacht), allgemeine Blutuntersuchungen (alles gut), Stuhluntersuchung (Elastase, Helicobacter, Calprotectin – alles unauffällig), umfassende Ultraschalluntersuchung der Bauchregion (nur Zufallsbefunde blande Zyste im linken Leberlappe, Nebenmilz, kleine umbicale Bruchpforte). Bei der Rektoskopie (16 cm) kam folgendes raus: Hämorrhoiden 2. Bis 3. Grades mit Blutungszeichen. Die Hämorrhoiden hingegen, die vor 4 Jahren behandelt worden waren, waren „gut verheilt“. Mir wurde Daflon verschrieben (2 * 2 Tabletten täglich über 4 Monate hinweg), und 10 Tage Scheriproct. Es hieß, wenn es dann nicht besser wird, dann soll ich eine Gummibandligatur machen oder eine Operation nach HAL/RAR. Pressen sollte ich vermeiden. Außerdem wurde die Reizdarm-Diagnose bestätigt. Der Arzt nahm sich für viele Fragen, die ich gehabt hätte, und für die genauere Erläuterung meiner Symptome leider keine Zeit.

Ich habe dann vor 4 Monaten eben mit Daflon begonnen und kurzfristig Scheriproct genommen. Die Blutungen sind seitdem weg. Aber dafür bekam ich andere sehr starke Symptome – folgende Symptome hatte ich davor auch schon ab und an gehabt, aber weit nicht so stark wie seit 4 Monaten: starkes Gefühl der unvollständigen Entleerung, anales Druckgefühl, Sitzen enorm unangenehm, Blähungen, Winde, die nicht entweichen konnten und ‚steckten‘. Diese Symptome traten vor allem abends auf oder auch während und nach dem Sport (primär Wanderungen/Bergsteigen). Da ich auch oft beim Stuhlgang pressen musste, begann ich mit der Einnahme von Flohsamenschalen. Das half für die Stuhlkonsistenz, aber ich bekam so enorme Blähungen davon, dass ich damit aufhören musste. Alle anderen üblichen Ballaststoffe, von denen ich auch viel aß, schienen die Stuhlkonsistenz kaum positiv zu beeinflussen. Gleichzeitig bekam ich beim Konsum von Reis oder rotem Fleisch schnell Verstopfung. All das hatte ich 2 Monate lang fast täglich, sodass ich wieder zum Arzt ging.

Bei diesem Arztbesuch vor 2 Monaten wurde noch einmal eine Rektoskopie (10 cm) gemacht. Die Hämorrhoiden waren gegenüber der letzten Untersuchung lt. Arzt besser geworden. Als ich fragte, ob die denn nicht mit Gummibandligatur behandelt werden sollen, sagte er ‚nein, die Hämorrhoiden sitzen so tief, dass ihnen eine Gummibandligatur das schrecklich weh tun würde‘. Ich solle zur Stuhlregulation Glycerinzäpfchen nehmen. Außerdem meinte er, dass ich eine Beckenbodenschwäche hätte. Diesbezüglich hatte er während der Untersuchung nichts gesehen, aber als er bei der Untersuchung sagte, ich solle ‚kneifen‘, war es nicht ‚gut genug‘, deshalb Beckenbodenschwäche. (Anmerkung: Ich habe auch einen häufigen Harndrang, und gehe auch nachts ein Mal). Für Fragen gab es wieder keine Zeit.

Daraufhin begann ich mangels Ideen, wie ich mir helfen konnte, mit der Low-Fodmap Diät. Dies minderte die Blähungen und den Blähbauch tatsächlich sehr. Klar habe ich noch ab und an Blähungen, aber sie sind weniger. Sehr unangenehme Winde, die nicht entweichen können, habe ich nach wie vor öfters. Alle anderen Symptome blieben trotz Low-Fodmap Diät auch – häufiger Stuhldrang, unvollständige Entleerung, starker Druck, sitzen unangenehm und oft harter und bleistiftförmiger Stuhl. In bestimmten Positionen, z.B. wenn ich stehe und mich nach vor beuge, spüre ich ein Ziehen im After. Ich habe schon auch symptomfreie Tage, aber bin im Alltag an sehr vielen Tagen eingeschränkt. Glycerin habe ich auch versucht - einerseits hilft es, aber andererseits macht das so ein unangenehmes Gefühl im After und ab und an Durchfall, sodass ich es auch nicht so oft nehmen will. Außerdem habe ich begonnen, Beckenbodentraining zu machen.

Da mir die Ideen ausgingen, was ich sonst noch tun kann (habe echt viel versucht in Punkto Ernährungsumstellung, Aktivitätslevel, Meditation vor dem Essen, etc.), besuchte ich vor einer Woche eine Allgemeinärztin, die sich auf Darmerkrankungen spezialisiert hatte. Diese diagnostizierte mich mit chronischer Verstopfung. Außerdem hätte ich zu viel Luft im Dickdarm und ich würde diese ganzen Ballaststoffe nicht vertragen. Ich sollte mein Stresslevel reduzieren, weniger Ballaststoffe essen und langfristig Molaxole und Glycerinzäpfchen anwenden. Das mit ‚weniger Ballaststoffe essen‘ ist aber auch einfacher gesagt als getan, da ich wirklich schnell Verstopfung bekomme (sowohl von ballaststoffarmer als auch -reicher Kost, und ein Mittelweg funktioniert auch nicht wirklich).

Kurz zur Zusammenfassung, wie es zurzeit ist: Weiterhin häufiger Stuhldrang, Gefühl der unvollständigen Entleerung, Druckgefühl im After, harter und bleistiftförmiger Stuhl, Überreaktion sowohl auf Ballaststoffe als auch auf schwer Verdauliches (Fleisch, etc.), unpassierbare Winde, manchmal Blähungen. Drei Mal am Tag gehe ich aufs Klo – nach dem Aufwachen, nach dem Frühstück und nach dem Mittagessen. Ich nehme 2 Daflon-Tabletten täglich (statt wie anfangs 4 tgl.), und mittags Magnesium und ab und an Glycerinzäpfchen. Molaxole habe ich noch nicht probiert, Fructosetest will ich bald machen. Ich ernähre mich nach der Low-Fodmap Diät, da es gegen die Blähungen hilft, zusätzlich esse ich sehr wenig Fleisch (rotes Fleisch gar nicht), und auch keine laktosefreien Milchprodukte. Ich versuche, weiterhin sportlich aktiv zu bleiben, so weit es halt geht.

Da mir die Arztbesuche auch nicht großartig weiter halfen, wollte ich hier fragen, was das denn sein könnte? Dass ich Hämorrhoiden habe, ist mir klar, aber woher kommen die ganzen anderen Symptome? Und was kann ich machen?

Allerbesten Dank für jegliche Antworten!
Beste Grüße,

Anna

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Bisherige Antworten
Experte-Ohlert
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27.07.2021, 13:52 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert

Sehr geehrte Anfragerin,
sehr geehrter Anfrager,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte. Zunächst aber eine Vorbemerkung: Es erscheint mit wichtig darauf hinzuweisen, dass ich hier natürlich nur ganz allgemein zu den aufgeworfenen Themen Stellung beziehen kann.
Der Komplexität des Krankheitsbildes eines jeden einzelnen Patienten wird eine Stellungnahme im Rahmen einer "Internetkonsultation" sicherlich nicht gerecht.
Bitte verstehen Sie daher meine Ausführungen auch immer nur als "Denkanstoß" für die weiteren Gespräche mit Ihren behandelnden Ärzten.
Es wird letztlich "Bücherwissen" reproduziert und keinerlei individuelle Beratung in Bezug Ihr Krankheitsbild vorgenommen.
Dies wäre nach der Berufsordnung nämlich auch gar nicht zulässig.

Nun aber zu Ihrer Frage:

 es ist kennzeichnend für das Reizdarmsyndrom, dass eine umfängliche Diagnostik keine wesentlichen pathologischen Ergebnisse hervorbringt und dennoch Beschwerden bestehen. Dementsprechend kann man das Reizdarmsyndrom auch zu den funktionellen Beschwerden zählen. Es hat also keine primär organische Ursache.

Sind die therapeutischen Ansätze auch nicht zu verallgemeinern. Man kann also hier nicht dem Reizdarmsyndrom eine bestimmte Therapieform zusprechen. Es hängt immer vom Einzelfall ab. Vieles ist letztlich auch „probieren“. 

Wie schon oben gesagt, ist dies kein Portal zu individuellen Beratung über das Wesen von Symtomen -
das gehört in die Hand des Arztes, der Sie vor Ort untersuchungen und beraten kann. Da Ihre Frage aber
genau in diese Richtung zielt, kann ich nur anraten, einen Arzt vor Ort aufzusuchen.

 

 

 

Besten Gruss

Dr. Peter Ohlert

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28.07.2021, 16:49 Uhr
Kommentar

Lieber Hr. Dr. Ohlert,

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Es ist nur so, dass ich einige Symptome habe, die - soweit ich informiert sind - für ein Reizdarmsyndrom untypisch sind. Deshalb mache ich mir Sorgen, dass etwas anderes dahinter stecken kann.

MfG

Experte-Ohlert
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30.07.2021, 17:57 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert

Danke für die Rückmeldung und alles Gute

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