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Wirbelbrüche und Osteoporose

Kategorie: Knochen-Gelenke » Expertenrat Osteoporose/Knochenschwund | Expertenfrage

11.04.2021 | 17:11 Uhr

Guten Tag,

Nachdem nun meine Rückenschmerzen fast 4 Monate  falsch behandelt wurden (akutes Lumbargo, ISG), stellte sich nun im KH die schreckliche Wahrheit heraus: 4 Berstbrüche in BWK  8,11,12, LWK 1 und 1 Kompressionsbruch in LWK 4. Bis auf einen sollen lt. CT alle frisch sein. Genauere Angaben zum Ereignisdatum konnten nicht gemacht werden. Die BWK Frakturen sind mE mindestens 3 Monate alt, so lange besteht die Instabilität in der Körpermitte.Aber mindestens einer ist erst vor einer Woche passiert.

Im KH erhielt ich 2 x einen Schmerztropf, der es mir ermöglichte, längere Strecken fast schmerzfrei und gerade mit Hilfe eines Rollators zu gehen. Jetzt, 3 Tage später zu hause., kann ich mich kaum noch aufrichten und nur ein paar Meter gehen

Nach nur 2 Tagen Aufenthalt wurde ich entlassen und sagte der Chefarzt, ich könne nicht operiert werden (Kyphoplastie o.a.); da zu viele Wirbel betroffen seien. Ich solle mich aber bewegen und sensomotorische Ausfälle sind nicht vorhanden.In 2 Tagen beginnt meine medikamentös intravenöse Osteop.therapie.

Meine Fragen,

Kann es tatsächlich sein, dass allein der Schmerztropf bewirkt hat, dass ich im KH so gut gehen konnte? (Jetzt nicht mehr)

War es richtig, mich mit dieser Diagnose zu entlassen? Wenn es doch Berstbrüche sind, wie können die stabil sein und von allein zuwachsen, wie man mir sagte? Zu hause traue ich mich kaum einen Schritt zu machen.Kann man mich so "auf die Menschheit loslassen?"

Die Medis (Arcoxia, Novaminsulfon, Tilidin)  helfen nicht wirklich gegen die Schmerzen. Nur wenn ich mal eine Tavor nehme, fühle ich mich weniger verkrampft und etwas ruhiger. Wie ist das einzuordnen.?

Wie lange kann es dauern, bis die 3 zusammenhängenden Brüche zusammengewachsen sind?

Viele Grüsse und danke im voraus

Miss-I

 

 

 

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Bisherige Antworten
Lifeline Gesundheitsteam
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12.04.2021, 19:09 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo, 

natürlich können Schmerzmittel eine deutliche Verbesserung der Schmerzen bringen und somit eine Mobilisation ermöglichen. Auch führen Schmerzen zu Verkrampfungen von Muskeln, was ebenfalls Schmerzen hervorruft. 

Ob die Entlassung medizinisch indiziert war, können wir nicht beurteilen. Generell dürfte es sich bei Ihren Frakturen um Einbrüche der Wirbelkörper handeln. Solange die Hinterkante nicht betroffen ist, gilt die Fraktur als stabil, da das Rückenmark nicht bedroht ist. Auch eine Wirbelkörperfraktur heilt in der Regel in 6-8 Wochen aus. Die Therapie kann auch ambulant erfolgen. Wichtig sind hier eine Einstellung mit Schmerzmittel, Physiotherapie und ggf. ein Korsett. 

Tavor ist kein Schmerzmittel, sondern ein Beruhigungsmittel mit einem sehr hohen Abhängigkeitspotential und kann bei älteren Patienten zu ausgeprägten Verwirrtsheitszuständen führen. Natürlich führt die Einnahme von Tavor zur Entspanntheit. 

Sollte Tilidin in Kombination mit den anderen Medikamenten nicht ausreichen, sollte evtl. eine Umstellung erfolgen. Dies kann Ihr Hausarzt in die Wege leiten. 

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

 

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13.04.2021, 13:40 Uhr
Kommentar

Liebes Lifeline Gesundheitsteam,

Vielen Dank für Ihre hilfreiche und detaillierte Antwort.Es beruhigt mich , dass scheinbar die hinteren Wirbelkanten nicht betroffen sind, sonst hätte man mich wohl nicht entlassen.Was mich aber noch bewegt, ist: Kann man denn anhand des CT überhaupt keine näheren Angaben zum Vorfalldatum machen? Mir wurde gesagt, alle 5 Frakturen sind "frisch". Das kann aber so nicht sein, denn die Beschwerden in der Körpermitte bestehen seit 4 Monaten. Es ist schon klar, dass man das nicht auf die Woche genau sagen kann, aber kann man  durch das CT nicht bestimmen, dieser ist schon mehrere Monate alt und jener erst ein paar Wochen?

2. Ich bin heute beim Osteologen gewesen, diieser vrschrieb mir Forsteo und machte mir viel Mut (im Gegensatz zum KH-Arzt bei der Abschlussvisite "Sie landen bald im Rollstuhl")

Ich musste zum Arzt ca 1 km hin und zurück laufen. Das schaffte ich auch, doch jetzt fühlt sich mein Rücken an wie vom Panzer überrollt.

Sollte ich also mich also mit der Bewegung vorsichtig steigern oder darauf vorläufig noch verzichten? Die letzten 4 Monate war ich nur in der Wohnung. Bis November letzten Jahres bin ich noch täglich locker 5 - 8 km gegangen. Jetzt bin ich nach 500m fertig und habe Angst vor weiteren Brüchen.

Vielen Dank im voraus.

Miss-l

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13.04.2021, 17:12 Uhr
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Ich hatte noch etwas vergessen, welche Physiotherapie würde sich denn anbieten? Sport kann ich ja mit den Verletzungen nicht machen und manulle Therapie ist kontraindiziert.

Lifeline Gesundheitsteam
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13.04.2021, 18:48 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

wäre die Hinterkante betroffen, hätte die Wirbelsäule durch eine Versteifung stabilisiert werden müssen, um eine Abkippen der Hinterkante zur Verhindern. Ein CT kann indirekte Zeichen, wie die knöchernen Heilung zeigen. Die Heilung kann aber verzögert verlaufen, wenn z.B. nicht genügend Stabilität vorhanden ist. 

Forsteo ist ein neues und sehr potentes Medikament, dass den Knochen wieder aufbauen kann. Dass eine vermehrte Belastung Schmerzen verurrsachen kann, ist normal. Die Bewegung sollte langsam schmerzadaptiert gesteigert werden, um dem Knochen einen Wachstumsstimulus zu geben (unbelasteter Knochen wird abgebaut) und die Muskulatur zu erhalten. 

In der Physiotherapie sollte die Rumpfmuskulatur trainiert werden und das Gangbild verbessert werden. 

Bitte beachten Sie, dass wir Ihnen nur generelle Ratschläge geben und keine spezifische Therapie anbieten können. Sie sollten alle unsere Empfehlungen nochmals mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen, bevor Sie diese umsetzen. Eine Fernbehandlung ist in Deutschland rechtlich nicht zulässig. 

 

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

 

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15.04.2021, 21:02 Uhr
Kommentar

Liebes Expertenteam,

Erst mal vielen Dank für die fundierte Antwort.

Als Ergänzungstherapie wurde ich zu einer Neurochirurgin (Schmerztherapie) überwiesen, die mir  PALEXIA verschrieb.Ich nahm es erstmals gestern abend ein. 4 Stunden später ging ich zu Bett und hatte plötzlich ganz weiche Knie. In der Nacht hatte ich Muskelkrämpfe und Kribbeln an verschiedensten Körperteilen. Als ich heute morgen aufstand hatte ich so zittrige Beine und ein Zittern am ganzen Körper, so dass ich fast vom Stuhl gefallen wäre. ( in meiner Situation fatal) Ausserdem hatte ich Gedächtnisstörungen, hätte fast das Bewusstsein verloren und extreme Blutdruckschwankungen und fühlte mich instabil.Jetzt 24 h später sind die Beschwerden weg.

Ich weiß,  das diese Opiate zu solchen Nebenwirkungen führen können, doch das war mir etwas zu extrem. Bisher nahm ich IBU 600, später wurde ich auf Arcoxia und Novaminsulfon umgestellt.All das habe ich gut vertragen. Im KH bekam ich auch Tilidin, welches keinerlei Nebenwirkungen zeigte, obwohl es auch ein Opiat ist.

Sollte ich das PALEXIA sofort absetzen?

Am liebsten wäre es mir, wieder auf 2 IBU pro Tag zurückzukommen, so wie ich es bis vor 3 Wochen (vor der Diagnose) noch geschafft habe und keine weiteren Schmerzmittel.

VG, Miss-I

 

 

Lifeline Gesundheitsteam
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19.04.2021, 17:50 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

eine Reaktion auf Palexia ist durchaus möglich, bitte besprechen Sie immer mit Ihrem behandelnden Arzt die Medikation und ggf. Änderung. Die Langzeiteinnahme von NSAR, wie Ibuprofen, ist nicht vollkommen unproblematisch, da diese Herz und Nieren belasten können. 

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

 

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