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Starke Schmerzen im linken Bein, keine eindeutige Diagnose

Kategorie: Knochen-Gelenke » Expertenrat Orthopädie | Expertenfrage

19.09.2022 | 16:57 Uhr

Guten Tag,

meine Mutter (62 J.) leidet seit etwa einem Jahr an (im Verlauf zunehmend) starken Schmerzen im linken Bein, die sich vom Knie bis zur Hüfte bemerkbar machen und sie im Alltag stark einschränken. Trotz Vorstellung bei mehreren Orthopäden und Kliniken konnte keine eindeutige Diagnose gestellt werden, die – laut Aussage der Ärzte – ihre starken Schmerzen hinreichend erklären würden. Drei Hüftspezialisten wiesen darauf hin, dass die Schmerzen nicht durch die (beginnende) Hüftarthrose verursacht werden und raten von einer Hüft-OP ab. Zwei weitere Ärzte empfehlen jedoch eher eine OP, sind sich aber augenscheinlich unsicher. Zudem steht der Verdacht eines Tractus iliotibialis Sydroms im Raum.

Da sich meine Mutter nicht leichtfertig einer Operation unterziehen möchte, die womöglich gar nicht die Ursache des Problems adressieren würde, wenden ich mich an dieses Forum und bin dankbar für jeden Ratschlag. Symptome, Diagnostik und Befunde (MRT Bilder kann ich gerne nachreichen), sowie alle bisherige Behandlungen habe ich unten angefügt.

Vielen Dank und beste Grüße

Amelie

 

Symptomatik:

  • Verlauf:
    • zuerst (vor etwa einem Jahr): Einschränkungen bei Bewegung nach links außen mit leichten Schmerzen
    • dann: leichte Schmerzen am Knie links außen und in der Leistenregion vorne
    • dann: vermehrt (v.a. nachts) starker brennender Schmerz Knie Außenseite
    • jetzt: starker Druckschmerz Knie Außenseite und Leistenregion. Manchmal auch brennender Schmerz
  • Keine Anlaufschmerzen morgens
  • Deutlich stärkere Schmerzen im Knie als in der Hüftregion (kein Durchschlafen, keine längeren Spaziergänge möglich)

 

Bisherige Diagnostik und Befunde:

  • 02/22: MRT Kniegelenk nativ

Befund:

  • Regelrechte Artikulation femorotibial und femoropatellar
  • Reguläres Knochenmarkssignal
  • Keine subchondralen Signalalterationen
  • Normaler Knorpelüberzug femorotibial
  • Regulärer Knorpelüberzug femoropatellar
  • Reguläre Signalgebung des vorderen und hinteren Kreuzbandes
  • Flaue Signalanhebung im Innenmeniskushinterhorn ohne Kontakt zur Ober- oder Unterfläche
  • Signalfreie Darstellung des Außenmeniskus
  • Kollateralbänder sind intakt
  • Quadrizepssehne, Ligamentum patellae, Hoffa’sche Fettkörper unauffällig
  • Diskrete Ödematisierung der Weichteile zwischen Tractus iliotibialis und lateralem Femurkondylus
  • Diskrete Signalanhebung der Weichteile unmittelbar superolateral der Patella

Beurteilung:

  • Kein fassbarer Meniskusriss
  • Grad I Meniskopathie des Innenmeniskushinterhorns
  • Verdacht auf Tractus iliotibialis Sydrom und Reizzustand der Bursa präpatellaris superolateral der Patella
  • Kein Erguss

 

  • 06/22: MRT Hüftgelenk

Befund:

  • Osteophytäre Randwulstbildungen an den Knochenknorpelgrenzen des Caput femoris nach medial und lateral bei vermehrter intraartikulärer Gelenkflüssigkeit und flauem Knochenmarködem subchondral an der ventralen Zirkumferenz des Caput femoris und am anterioren Pfeiler des Acetabulums
  • Keine typischen signalarmen Strukturveränderungen am Caput femoris wie bei einer Hüftkopfnekrose (koronare T1-gewichteten Echosequenz)
  • Signalarme Abgrenzbarkeit des vorderen und hinteren Labrum acetabulare
  • Keine pathologische Flüssigkeitsansammlung in der Bursa trochanterica/iliopsoatica
  • Harnblase ist glattwandig begrenzt und wird in der Medianebene durch anteflektierten Uterus im Abschnitt des Harnblasendaches imprimiert
  • Keine raumfordernden Veränderungen mit Zeichen der Umgebungsfiltration im großen und kleinen Becken
  • Symmetrische Abbildung des Musculus psoas, der Beckenwand-, Beckenboden-, Gesäß- und proximalen Oberschenkelmuskulatur
  • Keine pathologische Lympknotenvergrößerung

Beurteilung:

  • Zeichen einer reaktiven Coxarthrosis deformans links mit intraartikulärem Reizerguss
  • Interpretation beider behandelnder Ärzte als leichte, beginnende Arthrose

Bisherige Behandlung:

  • Physiotherapie: Faszienlockerung (keine Besserung), als Reaktion auf Tractus Syndrom Diagnose: Behandlung des Tractus
  • Magnetfeldtherapie 6x (keine Besserung)
  • Sport: Feldenkrais, Schwimmen
  • 6 Wochen Entlastung des Beines mit Gehilfen und Schmerz- und Entzündungsbehandlung mit Etoricoxib Mylan (90 mg) (bisher keine Besserung)
  • Schmerzmittel: Novaminsulfon Tropfen (500 mg/mL)

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Bisherige Antworten
Lifeline Gesundheitsteam
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19.09.2022, 19:56 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

bei Schmerzen im Bein sollte auch die Lendenwirbelsäule einmal untersucht werden. Auch können Kompressionen peripherer Nerven, wie z.B. der Nervus cutaneus femoris lateralis Schmerzen am äußeren Oberschenkel verursachen. Sollte doch weiterhin der Verdacht einer Erkrankung des Hüftgelenks bestehen, kann die Hüfte auch einmal infiltriert werden. Sollten die Beschwerden nach einer Infiltration des Hüftegelenks mit einem lokalen Betäubungsmittel deutlich gebessert sein, deutet dies stark auf ein Problem des Hüftgelenks hin. Wurde denn der Schleimbeutel des Tractus iliotbialis bereits infiltriert?

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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20.09.2022, 20:03 Uhr
Kommentar

Vielen Dank für die wertvollen Hinweise! 

Es gibt bereits ein MRT der Lendenwirbelsäule ohne Befund. Die mögliche Kompression von peripheren Nerven werden wir beim nächsten Orthopädentermin besprechen. Aber besonders vielversprechend und zielführend klingt die Infiltration der Gelenke als diagnostische Maßnahme - diese wurde bisher nicht vorgenommen und vielleicht findet man so ja wirklich die Ursache der Schmerzen. 

Ich würde mich erneut melden, wenn wir einen Schritt weitergekommen sind.

Lifeline Gesundheitsteam
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20.09.2022, 21:01 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

dies kann ein gutee diagnostischer Schritt sein. Periphere Nerven sollte der Neurologe untersuchen, dieser ist diesbezüglich meist besser geeignet.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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