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Beckenschmerzen und Gehbeschwerden ohne Ursachenfindung

Kategorie: Knochen-Gelenke » Expertenrat Orthopädie | Expertenfrage

15.09.2022 | 10:22 Uhr

Guten Tag,

ich werde demnächst 72 Jahre alt und bin allgemeinmedizinisch trotz einiger Malaisen und Operationen noch recht gut beieinander, im Kopf noch fit, und grundsätzlich fröhlich und wissbegierig.

Große Probleme habe ich leider im orthopädischen Bereich. Vor 40 Jahren hatte ich umfangreiche Bandscheibenvorfälle mit fürchterlichen Schmerzen und Gehbeschwerden, aber keine Lähmungen. Durch konservative Orthopädie hat man mir gut, schnell und stabil geholfen. Etwa 10 Jahre später kam ein starker Gichtanfall im Beckenbereich, den der Arzt mit Spritzen, manuellen Manövern und der Gabe von Allopurinol auf Dauer erfolgreich behandelt hat.

Im Laufe der Zeit traten weitere Störungen im orthopädischen Bereich auf, mit denen ich mich mehr oder weniger arrangiert habe. Ein ganz großes Problem verfolgt mich nun aber seit einigen Jahren und quält mich häufig. Ich habe große Schmerzen überwiegend im rechten Beckenbereich, teilweise verbunden mit Bewegungseinschränkungen. Die Örtlichkeit dieser Schmerzen wechselt, mal vorne, mal hinten, mal mehr außen, mal mehr innen, nicht in der Leiste. Oftmals Bewegungseinschränkungen, häufig Ausstrahlung in das rechte Bein und Knie (außerhalb des Gelenkes) bis in den Fuß. Häufig, zeitweise länger, so starke Schmerzen, dass ich egal in welcher Lage nächtelang kaum Schlaf finde. Kurios dabei, dass im Bett mitunter der Schmerz vom rechten Beckenbereich in den linken wechselt. Gehbeschwerden, die ich wegen wechselnder Symptomatik nicht genau beschreiben kann, im rechten Bein. Dabei war ich stets ein eifriger und flotter Fußgänger, 15 km am Tag waren keine Seltenheit. Anmerkung: zwischenzeitliche Einschränkungen durch PAVK in beiden Beinen wurden mit Stents erfolgreich behandelt. Zunehmende Probleme beim Ein- und Aussteigen in Autos. Längere Strecken wurden oft zur Qual, insbesondere extremer Schmerz in der rechten Sitzfläche.

Eine Vielzahl von Darstellungen wie Röntgen und MRT, für meinen Geschmack zu wenig andere Versuche der Ursachenfindung.

Das rechte Hüftgelenk sei arthrotisch angegriffen, aber weit von Operationsbedürftigkeit entfernt, eine rheumatische Ursache so gut wie ausgeschlossen. Vor 3 Jahren war ich 2 Wochen in einer orthopädischen Klinik, in den Händen mehrerer teilweise hochedekorierter Ärzte. Dort war man unzufrieden, dass ich die Gabe von Schmerzmitteln zwar nicht verweigerte, aber um Vermeidung bat, wann immer möglich, weil meine Nieren schon erheblich geschädigt sind. Geholfen hat man mir dort nur wenig und nicht dauerhaft, ebenso wie die ambulante und selbst bezahlte Behandlung mit einem Huber-Trainingsgerät. Eines zeichnet alle diese Mediziner aus: wenn ich nach der Ursache meiner Probleme frage, weichen sie alle aus. Piriformissyndrom schlossen alle aus, Iliosakralgelenksyndrom mehr oder weniger auch - wobei ich die Worte kenne, aber keine weitere Sachkenntnis habe. Infiltrationen halfen nur teilweise und vorübergehend.

Das letzte Glied in der menschlichen Kette hat schließlich für einen längeren Zeitraum und besonders im Hinblick auf die Schmerzen im Liegen geholfen, und zwar durch eigene manuelle Manöver wie auch durch von ihr empfohlene Übungen: die Physiotherapeutin, in deren Händen ich seit einigen Jahren bin. Sie hatte vor knapp einem Jahr eine Idee, die auf den richtigen Weg führte, Einfühlsamkeit wohl, denn auch sie konnte zur Ursache nichts sagen. Jedenfalls linderten sich für längere Zeit meine Beschwerden, insbesondere die nächtlichen, ganz erheblich.

Möglicherweise durch eine von mir falsch verstandene Eigenübung hat sich im Juli mein Zustand von einem auf den anderen Tag dramatisch verschlechtert. Alles war noch schlimmer als vorher. Im Auto hatte ich schon nach kurzer Wegstrecke starke Schmerzen im Becken und im rechten Bein. Zum Aussteigen musste ich es mit der Hand unterstützen. Um im Flugzeug auf den Gang zu treten, vermied ich die Peinlichkeit, um fremde Hilfe zu bitten, indem ich mit einem Arm das Gepäckfach und mit dem anderen die Sitzlehne als Hilfsmittel benutzte, ein mühseliges Manöver. Spaziergänge wurden nach wenigen Metern zur Qual, strengten mich auch gesamtkörperlich sehr an.

Am Samstag knapp 15 km Autofahrt, schlimm. Auf dem Rückweg so 10 km ebenso. Dann Aussteigen für eine kleine Erledigung, wieder rein ins Auto, und erst zu Hause fällt mir auf, dass die Autofahrt fast beschwerdefrei verlaufen ist, und das gilt seither auch für meine sonstigen Probleme.

Einerseits bin ich überaus glücklich, zum anderen glaube ich aber nicht an eine dauerhafte Spontanheilung. Gerade gestern hatte ich einen Physiotermin. Die Therapeutin freute sich mit mir, hatte aber keine Erklärung. Und wenn ich meine aktuelle Orthopädin frage, wird sie wohl auch keine haben, wenn sie ja die Ursache schon nicht kannte.

Physiotherapie hat mir immer wieder zumindest lindernd geholfen, in der geschilderten Weise durch die einfühlsame Dame sogar noch noch darüber hinaus, aber die Orthopädin erklärt mir, sie könne mir im Jahr nur noch ein !!! Rezept ausstellen. Andere Ärzte verhalten sich ebenfalls restriktiv, einen Antrag auf Dauerrezeptur haben die Krankenkasse und Sozialgericht mangels ausreichender Diagnose abgelehnt.

Nach dieser umfangreichen Berichterstattung nun meine eigentlichen Anliegen:

Ich weiß, wie schwierig es ist, eine Ferndiagnose zu stellen. Vielleicht aber gibt es doch eine Richtung, die erkennbar ist. Falls nicht, hoffe ich auf einen Tip, wohin ich mich wenden kann, damit eine Ursache gefunden und mir geholfen werden kann. Und hier auch die Frage, ob es einen Weg gibt, in einem hilfreichen Umfang Therapieerordnungen zu bekommen.

Ich habe vor 6 Jahren wieder geheiratet, meine Frau ist um einiges jünger. Sie hat sicher nicht damit gerechnet, nach nicht allzulanger Zeit statt eines für sein Alter noch recht munteren Mannes einen Ehepartner zu haben, der sich ohne äußere Ereignisse zum Wrack entwickelt, ich natürlich auch nicht.

Wer immer es geschafft hat, bis hierhin zu lesen: meinen herzlichen Dank! Ich habe in meinen Lebensjahrzehnten schon einige, teils harte, Schläge hinnehmen müssen, bin aber grundsätzlich optimistisch geblieben. Deshalb bin ich zuversichtlich, auch diesmal Hilfe zu finden.

Schönen Gruß
Ludwig

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Bisherige Antworten
Lifeline Gesundheitsteam
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15.09.2022, 21:26 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

insgesamt ist die Beschreibung Ihrer Beschwerden eher unspezifisch. Aus unserer Erfahrung deuten Ihre Beschwerden aber auf eine Erkrankung des Hüftgelenks. Dieses kann ausstrahlen, sowohl Schmerzen in der Leiste, wie auch am ISG verursachen. Im Rahmen einer Arthrose des Hüftgelenks nimmt zuerst die Innenrotationsfähigkeit der Hüfte ab, was zu einem veränderten Gangbild führt und somit Schmerzen am ISG oder den seitlichen Glutealmuskeln führt. Wann erfolgte denn das letzte Röntgenbild der Hüfte? Welche Strukturen wurden denn infiltriert?

Infiltration sind sehr hilfreich, was die Diagnostik angeht. In der Regel wird eine Gemisch aus Cortison und einem Betäubungmittel verwendet. Das Betäubungsmittel wirkt sofort und betäubt die Struktur, hält aber nur 8 bis 12 Stunden an. Dies ist von hohem diagnostischen Nutzen, sind die Beschwerden direkt nach der Infiltration weg, ist davon auszugehen, dass diese Struktur eine Rolle bei den Beschwerden spielt. Das Cortison wird zugegeben in der Hoffnung, dass der Reiz, der die Beschwerden verursacht, gelindert wird. Es ist daher den Patienten zu empfehlen, ein Schmerztagebuch zu führen, auch um kurzzeitige Besserungen zu erfassen. Sind die Beschwerden z.B. nach einer Infiltration der Hüfte für 12 Stunden zu 90% besser, deutet dies stark auf die Hüfte als Ursache.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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16.09.2022, 12:11 Uhr
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Vielen Dank.

Was die Strukturen betrifft, zitiere ich aus dem Entlassbericht des Krankenhauses:

"... eine ISG-Infiltration rechts mit Naropin und Volon A sowie Ohrakupunktur."

Die Beschwerden waren nicht direkt nach der Infiltration weg, und  auch nicht für 12 Stunden deutlich besser. Eher, soweit ich mich erinnere, trat eine spürbare, aber weit von 90 % entfernte Besserung ein, die über einige Wochen wieder abnahm. Vielleicht empfand ich das einfach so, weil ich Hilfe erhofft hatte...

Zwei Wiederholungn bei meinem damaligen Orthopäden hatten etwa das selbe Ergebnis.

Aus dem Entlassbericht des Krankenhauses: "Empfehlenswert ist, dieses ... (Anm.: krankengymnastische Heim- und Eigenprogramm)... regelmäßig physiotherapeutisch zur Vermeidung sich einschleichender Fehler und zur Adaption an dem Therapiefortschritt überprüfen zu lassen."

Wie schon geschrieben, ist meine jetzige Orthopädin nur zur Ausstellung eines Rezeptes im Jahr bereit, was den Begriff regelmäßig sicher nicht erfüllt. Welche Möglichkeiten also habe ich, eine angemessene Zahl an Verordnungen zu erhalten?

Schönen Gruß

Ludwig

Lifeline Gesundheitsteam
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16.09.2022, 13:40 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

aus unserer Sicht ist es wichtig, zunächst eine Diagnose zu stellen. Aus unserer Sicht, sollte das Hüftgelenk nochmals untersucht werden, bzw. eine Diagnose gestellt werden. 

Die Menge an möglichen Therapieverordnungen hängt von der Diagnose ab, die behandelt werden soll. Die Krankenkassen prüfen dies, verordnet ein Arzt aus Sicht der Krankenkasse zu viel, kann der Arzt in Regress genommen werden, d.h. er muss die zuviel verordnete Therapie selber bezahlen. Daher sind Ärzte häufig zurückhaltend mit der Verordnung von Physiotherapie.

Um einen Trainingseffekt zu erzielen, ist die Physiotherapie nie ausreichend, da diese auf maximal 3x20 Minuten pro Woche limitiert ist und 60 Minuten Training viel zu wenig sind, um Fortschritte zu erzielen. Hier ist selbstständiges Üben gefragt, einmal alle 1 - 2 Wochen ein Termin bei der Krankengymnastik ist vollkommen ausreichend, um Übungen zu korrigieren. Hilfreich kann auch Reha-Sport sein, dies kann Ihr Orthopäde verordnen und Sie müssen die Verordnung anschließend bei der Kasse genehmigen lassen.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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16.09.2022, 14:01 Uhr
Antwort

Nochmals dankeschön.

Die letzte Untersuchung des Hüftgelenkes einschließlich Roentgen war im Februar dieses Jahres.

Einmal alle 1 bis 2 Wochen ein Termin bei der Krankengymnastik ist ein schöner Wunsch, wenn die Ärztin mir ein Rezept jährlich ausstellt: damit ist mir ein Termin dort alle 2 Monate möglich!

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16.09.2022, 14:09 Uhr
Kommentar

Entschuldigung, versehentlich schon abgesandt.

Also noch Folgendes:

Die aus Ihrer Sicht ratsame Anzahl von Physiotherapie aus eigener Tasche zu zahlen würde mich überfordern. Die oft geäußerte Aussage, dem Patient würden die erforderlichen Maßnahme über die Krankenversicherung gewährt, sehe ich in einem ganz neuen Licht.

Eigene Übungen mache ich täglich für etwa 15 Minuten.

Schönen Gruß

Ludwig

 

Lifeline Gesundheitsteam
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16.09.2022, 16:12 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

was ist denn bei der Untersuchung des Hüfte herausgekommen, sowolh im Röntgen, wie in der körperlichen Untersuchung? Ist eine verminderte Rotationsfähigkeit festgestellt worden?

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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18.09.2022, 11:55 Uhr
Antwort

Guten Tag,

danke für das Sich-weiter-Kümmern.

Die Frage kann ich aus dem Stegreif nicht beantworten und denke auch, dass ein Anruf bei der Praxis nichts bringt.

Ich werde mich nach dem nächsten Arzttermin (Ende Oktober) wieder melden.

Schönen Gruß        

Ludwig

Lifeline Gesundheitsteam
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18.09.2022, 16:27 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo Ludwig, 

ja, machen Sie das. Sollten sich in der Zwischenzeit Fragen ergeben, sind wir natürlich auch gerne wieder für Sie da. 

Bis dahin alles Gute - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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