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Amitriptylin bei Dauerkopfschmerzen?

Kategorie: Neurologie » Expertenrat Migräne | Expertenfrage

08.03.2005 | 07:55 Uhr

Hallo!
Ich habe seit ca. 15 Jahren Dauerkopfschmerzen (im Durchschnitt 5* die Woche) und ab und zu Migräneanfälle.
Jetzt hab ich von meinem Neurologen Amitriptylin beta verschrieben bekommen und soll eine Tablette (10mg)am Tag nehmen. Ich habe mir den Beipackzettel durchgelesen und bin jetzt gar nicht mehr begeistert davon, diese Tabletten zu nehmen. Hilft diese niedrige Dosierung denn überhaupt und mit welchen Nebenwirkunen muß ich denn bei dieser Dosis rechnen? Wie gefährlich ist dieses Mittel denn? ich neige sowieso schon zu niedrigem Blutdruck und habe gesehen, daß das noch verschlimmert werden kann, von den anderen Nebenwirkungen mal ganz abgesehen!
Bitte um baldige Antwort!
Vielen Dank!!!!!

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12.03.2005, 03:27 Uhr
Antwort

Hallo,

unter der Voraussetzung, dass Sie unter einem chronischen Spannungskopfschmerz und zusätzlichen Migräneanfällen leiden, ist Amitriptylin das Medikament der 1. Wahl.
Allerdings findet sich die Indikation Spannungskopfschmerz im Beipackzettel nicht wieder. Stattdessen werden Depression, Angst und Zwangskrankheit genannt. Die Dosierung, die zur Behandlung der Spannungskopfschmerzen Verwendung findet, ist deutlich niedriger als die für die Therapie der Depression notwendige Dosishöhe.
Die Wirkung des Amitriptylins beim Spannungskopfschmerz und auch anderen chronischen Schmerzzuständen besteht in der Anhebung der Schmerzschwelle.
Typischerweise wird die Behandlung mit 25 mg Amitriptylin vor dem Schlafengehen begonnen. Bei guter Verträglichkeit wird die Dosis nach einer Woche auf 50 mg ebenfalls zur Nacht erhöht. Wird auch diese Dosis ohne Probleme vertragen, wird in der 3. Woche auf die Enddosis von 75 mg übergegangen.
Bestehen Unverträglichkeiten in Form von Müdigkeit und Schwindel, wird die Dosis, die gerade noch toleriert wird, beibehalten. Als weitere häufiger auftretende Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Verstopfung und Gewichtszunahme zu nennen. Wenn das Medikament jedoch langsam aufdosiert wird, lassen sich die Nebenwirkungen meist in Grenzen halten.
Die Wirkung auf den Kopfschmerz ist nicht vor 2-3 Wochen zu erwarten.
Wenn nach 8 Wochen keine ausreichende Wirkung erreicht wurde, sollte das Medikament wieder abgesetzt werden.
Die Behandlung sollte insgersamt 6 bis höchstens 9 Monate fortgeführt werden. Anschließend wird die Behandlung wieder langsam reduziert. Bei erneuter Verschlechterung kann eine Erhaltungsdosis von 10-25 mg zur Nacht weiter gegeben werden.
Dabei dürfen keine zu hohen Erwartungen an diese Behandlungsform gestellt werden. Bereits eine Verringerung der Schmerzen um 50% muß als Erfolg gewertet werden.


Mit freundlichem Gruß


Dr. Mildenstein

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