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Atypisches Karzinoid in der Lunge - wie gefährlich? Prognose?

Kategorie: Innere Medizin » Expertenrat Krebs | Expertenfrage

03.11.2022 | 18:10 Uhr

Hallo zusammen,

mein Name ist Anni, ich bin 27 und komme aus Bayern.

Mein Vater (57) hat nach einem CT der Lunge (auf dem ein Lungenrundherd ca. 3 cm entdeckt wurde) und einer flexiblen Bronchoskopie die Diagnose Lungenkrebs bekommen. Gewebeproben wurden ins Labor geschickt, es folgte ein MRT vom Schädel und noch ein CT vom ganzen Bauchraum. Am letzten Montag wurde er operiert und ihm wurden rechtsseitig der mittlere und untere Lungenlappen entfernt. Er wurde nochmals geröntgt, nochmal MRT vom Bauchraum. Blutwerte, Blutdruck in Ordnung. Nun kamen die Ergebnisse der Pathologie:

Atypisches Karzinoid der rechten Lunge 

UICC Ib

G2 pT2a N0 (0/20) M0 L0 V0 R0

Tumorverschluss des Zwischenbronchus und komplette Atelektase des Mittel- und Unterlappens mit Retentionspneumonie

Die Lymphknoten waren zwar tumorfrei, aber vergrößert bzw. wurde ein 5 cm Lypmphknotenkonglomerat entdeckt daher erfolgt Nachbericht bzgl. der Frage: indolendes Lymphom?

Bedeutet das, es kann sein, dass er neben dem Karzinoid zusätzlich Lymphdrüsenkrebs hat? Was könnte ein Lymphknotenkonglomerat sonst für Ursachen haben?

Wie viel schlimmer ist es denn, dass ein atypisches - und nicht typisches - Karzinoid vorliegt? Spielt das hier noch eine Rolle, da der Tumor ja komplett entfernt wurde und keine Lymphknoten befallen oder Metastasen nachweisbar waren?

Hat er eine eher gute oder schlechte Prognose? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv?

Welche Diagnostik-Methoden sollten noch erfolgen?

Laut Entlassungsbrief wurde der Tumor vollständig entfernt (R0), keine Lymphknoten befallen, keine Metastasen.
Ist er dann nun geheilt?

Ist das mit den Lymphknoten (s.o.) besorgniserregend?

An Symptomen hatte er zuvor starken Reizhusten, Nachtschweiß, zT blutiger Auswurf.

Ihm wurde 2018 COPD diagnostiziert. Er hatte - Stand vor der OP - ein Lungenvolumen von 80%. Seit er Corona hatte im Februar kamen die Symptome, es wurde an Long Covid gedacht, es folgten zwei Lungenentzündungen. Der Hausarzt wollte der Sache nun doch auf den Grund gehen und hat ihn in die Lungenfachklinik überwiesen, in der es zu obiger Diagnose kaum.

Kann es sein, dass er vielleicht doch kein COPD hat? Die zwei unteren rechten Lungenlappen waren ja lt Befund eh schon "tot", heißt er müsste doch seine vorherigen 80% weiter haben oder?

Vielen Dank und Grüße,
Anni

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Bisherige Antworten
Lifeline Gesundheitsteam
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05.11.2022, 10:24 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

Ihre Vater und Sie sollten diese Fragen am besten mit dem behandelnden Onkologen besprechen, da dieser aufgrund der Kenntnis aller Befunde eine deutliche detailliertere und vor allem verbindliche Aussage geben kann. Wir kennen nur Ihre Angaben.

Zunächst einmal ist bei einem UICC IB Stadium eine kurative Therapie geplant. Das 5-Jahres Überleben liegt nach bei ca. 55 - 60%, d.h. 55 - 60% der Patienten leben 5 Jahren nach der Operation noch.

Es ist nicht wahrscheinlich, aber möglich, dass Ihr Vater noch ein zweites Malignom hat, hier ist aber die endgültige Histologie abzuwarten, alles andere ist Spekulation. Die vergrößerten Lymphknoten können durchaus mit dem Grunderkrankung zu tun haben. War oder ist Ihr Vater Raucher? Dann ist eine COPD wahrscheinlich, welche auch zu Lymphknotenvergrößerungen führt .Das Rezidivrisiko hängt von der Art der Resektion und den Rändern ab, dies sollten Sie ebenfalls im Detail mit Ihrem Onkologen besprechen.

Die verbleibende Lungenfunktion sollte nach Abschluss der Rehabilitation getestet werden.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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05.11.2022, 12:20 Uhr
Kommentar

Vielen Dank für Ihre Informationen!

Er war kein Raucher, aber arbeitsbedingt als Lackierer mit giftigen Stoffen in Berührung. Ist die COPD wahrscheinlich oder 
besteht auch eine realistische Möglichkeit, dass keine COPD
vorliegt sondern "nur" das AK und dass das eben nur erst
jetzt diagnostiziert wurde?

Wachsen AK langsam?

Wenn er die 5 Jahre überlebt, gilt er dann als geheilt/kreisfrei?
Oder ist bei dieser Tumorart ein längerer Zeitraum möglich,
indem es wahrscheinlich ist, noch daran zu sterben?

Die Resektion erfolgte im Gesunden. 

Ist es wahrscheinlich, dass dann ein Rezidiv kommt? Kann das überhaupt sein, wenn doch alles erwischt wurde?

Kann es noch zu Metastasen kommen, obwohl aktuell nichts nachweisbar war und der Tumor + umliegende  Lymphknoten
radikal entfernt wurden?

Warum ist die Rezidiv-Rate relativ gering, aber das 5 Jahres-
Überleben trotzdem nicht so hoch? woran kann man bei dem AK
sterben, wenn doch jetzt alles operiert wurde und für den Fall,
dass kein Rezidiv folgt?

Ist die von Ihnen genannte 5 Jahres Überlebensrate allgemein auf
AK bezogen oder speziell auf AK Stadium IB T2N0M0?
Hat er damit ggf. eine höhere Wahrscheinlichkeit?

Warum ist die Rate so viel geringer als bei typischen Karzinoiden?
Spielt typisch oder atypisch noch eine Rolle? Es wurde ja alles
entfernt?

Lt Entlassungsbrief hat er fokale Nekrosen und bis zu 6 Mitosen
pro 2 mm2. Sind 6 Mitosen (zu) viel? 

Herzlichen Dank und viele Grüße

Anni

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05.11.2022, 12:22 Uhr
Kommentar

Ist die 10-Jahres-Überlebensrate vergleichbar mit der 5-Jahres-Überlebensrate?

Lifeline Gesundheitsteam
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06.11.2022, 11:13 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

wir verstehen Ihre Sorgen sehr gut, möchten aber nochmals darauf hinweisen, dass wir hier nur generelle Antworten geben können und keine individuelle Beratung, da uns viele Befunde hier nicht vorliegen. Dies sollte alles im Detail mit dem behandelnden Onkologen besprochen werden.

Eine berufliche Exposition als Lackierer kann eine COPD auslösen, hier muss die weitere Diagnostik abgewartet werden.

Zu atypischen Karzinoiden gibt es relativ wenige Daten, da es sich um eher seltene Tumore handelt. Generell sinkt das Risiko eines Rezidivs immer weiter ab, daher werden die Nachsorgeintervalle länger.

Die 10-Jahresüberlebensrate ist natürlich niedriger als die 5 Jahresrate, da Patienten weiterhin sterben (nicht zwingend am Tumor, sondern auch an Folgeerkrankungen usw.). Die Rate bezieht sich auf das UICC Stadium und die Resektion R0 aller Lungentumore.

Ein lokales Rezidiv oder Auftreten von Metastasen ist moglich, eine genaue Rate liegt uns aber nicht vor.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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08.11.2022, 09:43 Uhr
Antwort

Vielen herzlichen Dank!

Er war heute bei der ersten Nachbesprechung Und es wurde im verbleibeibenden rechten Oberlappen Wasser in der Lunge entdeckt.

Er muss nun in zwei Tagen ins KH, da wird eine Bronchoskopie gemacht und das Wasser soll über den Rücken "rausgezogen" werden.

Was können Ursachen für das Wasser in der Lunge sein? 
Ist das gefährlich?

Danke für Ihre Mühen!

Lifeline Gesundheitsteam
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11.11.2022, 21:17 Uhr
Antwort von Lifeline Gesundheitsteam

Hallo,

die Operation kann Ursache für das Wasser sein. Das Punktat wird sicherlich untersucht werden, um die Ursache herauszufinden.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen - Ihr Lifeline Gesundheitsteam

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